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 Sidewalk Restaurants & Cafés

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BeitragThema: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 4 Jun 2016 - 16:01

das Eingangsposting lautete :



In dieser Flaniermeile reiht sich Restaurant an Restaurant, Café an Café. Vom Schnellimbiss zum Luxus-Restaurant ist hier so ziemlich alles vertreten, und während man eine Vielzahl an ausländischen Restaurants vorfindet. Unter anderem zu finden ist hier:

* eine Tapas Bar
* diverse italienische Restaurants und Pizzarien
* ein mexikanisches Restaurant
* ein griechisches Restaurant
* ein französisches Restaurant
* ein französisches Café
* ein mongolisches Restaurant
* ein deutsches Restaurant mit Hofbräuhaus
* diverse Asiaten (Chinesische Küche, Thailändische Küche)
* diverse Cafés


Quelle: http://lincolnroadmall.com/restaurants/
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mi 5 Okt 2016 - 15:29

Dan stand draußen und steckte sich gerade die zweite Kippe an. Er musste grinsen. Er hatte in den letzten Monaten völlig vergessen, dass Leute, die nicht einmal pro Monat einen Rasierer über ihre Haare laufen ließen so viel länger im Bad brauchten. So nutzte er die Zeit aber, um ein wenig seine Gedanken zu sortieren, denn auch wenn ihn dieses Treffen nicht so aus der Bahn geworfen hatte wie es bei Faith offensichtlich der Fall war, war er trotzdem ein wenig durcheinander.

Er wusste nicht genau, was er überhaupt von ihr erwartete. Er konnte ja schließlich kaum "Hey, ich bin übrigens von meiner Frau geschieden, weil ich ein Werwolf bin und mein Vater das herausgefunden und ihr erzählt hat. Er hat mich übrigens auch verstoßen, weil meine Mutter ein Werwolf war und von einem rivalisierenden Rudel getötet wurde, was ich bis dato auch nicht wusste. Wie sind Sie mit den Scherben Ihrer Träume umgegangen?" sagen und erwarten, dass sie sein Leben für ihn regelte. Er war viel zu ... unbedacht an die Sache herangegangen, er hatte zwar gewusst, dass sie ähnliches durchgemacht hatte und aus diesem Grund ihre Nähe gesucht, aber dass es sie als Person bis heute beschäftigte hatte er bei seinen Taten nicht bedacht.

Wusste sie überhaupt, dass übernatürliches existierte? Ansonsten würde es insgesamt allein schon schwierig, ihr überhaupt etwas von seinen Problemen zu erzählen. Und wie fand er es heraus? Alle Übernatürlichkeiten, die ihm bisher begegnet waren, hatten sich ihm mehr oder weniger aufgedrängt, sodass er nie den Initiator hatte spielen müssen. Er war sich ziemlich sicher, dass sie ein Mensch war, ihr Geruch war durch den Schweiß im Fitnessstudio für seine Wolfsnase deutlich zu Tage getreten. Oder gab es übernatürliche Wesen, denen man es nicht am Geruch anmerkte?

Lieber erst mal nicht zu viel erzählen, in Widersprüche verstricken konnte er sich immer noch.

"Die Riegel sind als Ausnahmefall deklariert, falls ich Ballerinas in Nöten retten muss", erwiderte er dann, als Ms Mason dann tatsächlich wieder nach draußen trat und zwinkerte ihr zu. Die weiblichen Ringkämpfe ließ er unkommentiert, musste aber lachen. Er hatte in seinem Leben noch nie einen Föhn genutzt, warum Langhaarige ihre Haare nicht einfach trocknen ließen (wofür gab es schließlich Mützen?) hatte er bis heute nicht verstanden.

"Jetzt so eilig?", fragte er und grinste, folgte ihr dann aber brav. Er drückte die Kippe im Vorbeigehen an einer Hauswand aus und warf sie dann in den nächsten Mülleimer - im Gegensatz zu vielen Menschen, die aus einer Erziehung wie der seinen hervorgingen legte er Wert auf seine Umwelt. Und spätestens seit er bei seinem Platz unter der Brücke regelmäßig die Kippenstummel hatte wegräumen müssen stand er auch voll hinter dem "Wegwerfen, nicht in die Gegend schmeißen"-Grundsatz.


Im Café angekommen grüßte er ebenfalls die offenkundige Cafébesitzerin. Es war gemütlich, ein Café der Sorte, welches er ausgewählt hatte, wenn er sich mit einem bürgerlichen Mandanten treffen wollte, ohne diesen einzuschüchtern und ohne, dass die Klatsch- und Tratschgarde der Kanzlei es mitbekam.  "So tief stapeln wir hier doch gar nicht", sagte er mit einem Blick auf das durchaus gemütlich zu nennende Etablissement und setzte sich Ms Mason gegenüber.

"Zucker und Sahne, ist gut für den Kreislauf", sagte er grinsend. Er war sich sicher, dass sie den kleinen Seitenhieb verstehen würde. Nachdem die Cafébesitzerin seine Bestellung notiert hatte, wandte er sich wieder Ms Mason zu. "Darf man fragen, aus welchem Grund wir jetzt zusammen in dieses Café gehen? Sie wirkten nicht unbedingt so erbaut über meine Anwesenheit", fragte er betont beiläufig. Er wollte sie nicht beschämen, er war einfach nur neugierig.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mi 5 Okt 2016 - 19:47

Wenn Faith so zurück dachte, dann fielen ihr ein paar hübsche Orte ein, bei denen sie gespeist hatte. Das heißt: Nein, nicht hübscher. Nur feiner, anspruchsvoller, erlesener. Rückblickend war sie sich nicht sicher, ob sie sich dabei wohler gefühlt hatte. Aber ansprechend gekleidet und im Schutz eines angesehenen Vaters hatte es sich zweifelsohne sorgloser gelebt. Jetzt fühlte es sich an, als sei es meilenweit entfernt. Ein Leben, gelebt in einer besseren Zeit, einer besseren Welt.
"Nein, Sie haben recht. Das tun wir nicht." Nach tief stapeln fühlte es sich eigentlich gar nicht an. Warm und gemütlich zu sitzen war angenehm. Guten Kaffee gab es auch. Was wollte man mehr?

Ein reines Gewissen zum Beispiel wäre schön. Wo sie dann auch gleich schon beim entscheidenden Thema ankamen. Warum sie jetzt hier saßen. Faith konnte Mr. House diese offene Frage nicht verübeln. Im Gegenteil. Es hätte sie fast enttäuscht, hätte er gerade in diesem Punkt ein respektvolles Stillschweigen bewahrt, das sie nicht verdient hätte.
"Zunächst einmal: Sie sind unmöglich. Einer Dame ihre kleinen Schwächeanfälle unter die Nase zu reiben ist nicht sehr höflich." Sie versuchte höchst pikiert ihren Mund zu verziehen. "Zumal wenn man die Ursache dafür ist, betrachte ich höfliche Zurückhaltung als das Mindestmaß, was man von einem Ehrenmann erwarten darf."

Faith schmunzelte, sie sollte wirklich versuchen halbwegs die Kurve zu kriegen und das wurde niemals etwas, wenn sie nicht ein bisschen entspannte. Vielleicht hätte sie Mr. House um eine Kippe bitten sollen. Rauchen war nicht so ihr Ding. Aber der Zweck heiligte die Mittel. Da sie die Gelegenheit jedoch versäumt hatte, musste sie es eben mit anderen Mitteln versuchen.
"Oh nein, der Ansatz ist so unfair. Ich meine – Sie waren die Ursache, ja. Aber Ihr Verhalten war in jeder Sekunde das eines Ehrenmannes." Müsliriegel für Ballerinas, ja? Und Zucker und Sahne als Empfehlung für den in Mitleidenschaft gezogenen Kreislauf. Das war nur die Spitze des Eisbergs. Mr. House war einfach … ein netter Kerl. Nur leider war er ihr deshalb noch lange nicht angenehm. Er war Mr. 'zur falschen Zeit am falschen Ort'.

"Also, warum wir hier sind: Ich hoffte, Sie würden das zwischen den Zeilen herauslesen können."
Oder wollte er es schwarz auf weiß: ENTSCHULDIGUNG? Faith fühlte sich dem nach wie vor nicht gewachsen. Ihr Verhalten beschämte sie, es schmerzte schon fast. Vielleicht gab Mr. House ihr eine Schonfrist oder entließ sie gar aus dieser Verpflichtung. "Genauso gut könnte ich Sie fragen, was Sie bewogen hat über meine Ablehnung hinweg zu sehen und dennoch das Gespräch mit mir zu suchen." Vielleicht war Ehrlichkeit ein guter Ansatz, um eine offene Entschuldigungsphrase zu entgehen. Entschuldigungen klangen irgendwie immer ein bisschen gewollt, fand sie. Taten waren besser. Etwas zu tun hatte nicht diesen kriecherischen Anstrich. Diese reuige, etwas peinliche Zeremonie der Entschuldigung war vielleicht zu umgehen, wenn man zu handeln begann, wie man es schon zu Beginn hätte tun sollen.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Fr 7 Okt 2016 - 22:37

Das mit dem sorgenfreieren Leben kannte Dan gut. Sein Leben vorher war auch mit vielen Sorgen, Ängsten und Komplikationen gefüllt gewesen, aber sie hatten sich alle auf einer wenig existentiellen Ebene abgespielt, wohingegen es jetzt um viel tiefergehende Dinge drehte.

Schon während sie begann zu reden, zuckten seine Mundwinkel. Als sie fertig mit ihrer kleinen Beschwerde war, grinste er breit. "Es tut mir ausgesprochen leid, Miss Mason, aber die formvollendeten Höflichkeitsformen habe ich an den gleichen Nagel wie den Anwaltsberuf gehängt." In seinen Augen blitzte es, ihre pikierte Mundbewegung amüsierte ihn.

"Ich hatte nicht vor, Ihnen Schwierigkeiten zu bereiten", sagte er dann jedoch ehrlich, als sie ihn als Ursache bezeichnete. Was genau er vorgehabt hatte konnte er immer noch nicht genau sagen, und was seine Motive im Augenblick anging, waren sie etwa so tiefgründig wie 'Ich freue mich unheimlich über diesen Kaffee'. Er war neugierig auf sie und hoffte, dass das Gespräch ihm irgendwie helfen würde, aber welcher Art diese Hilfe sein sollte - keine Ahnung.

Dan runzelte die Stirn. Er hatte absolut keine Ahnung, warum sie hier waren - auf die Idee, dass ihr kleiner Schwächeanfall und die Café-Einladung aus den schlechten Worten gegenüber seinem Vater resultierten wäre er nicht mal im Traum gekommen. Er hatte mit seinem Vater voll und ganz abgeschlossen, er verteidigte ihn und seinen Berufsstand noch aus Prinzip, nicht aus irgendwelchen positiven Gefühlen, die er ihm gegenüber hegte. So war es für ihn völlig undenkbar, dass Faith deswegen ein schlechtes Gewissen haben könnte. "Nein, es mag zwar seltsam klingen, aber ich habe wirklich keine Ahnung", gab er also zu und sah sie neugierig an.

"Wie ich vorhin irgendwann schon erwähnt hatte - unsere Wege sind sich leider relativ ähnlich, sodass ich ...", er stockte, rührte nachdenklich die Sahne und den Zucker im Kaffee um. "... Ich kann es Ihnen nicht genau sagen. Ich war neugierig darauf, wie Sie mit ihrer Situation umgegangen sind, was für Spuren wir in Ihrem Leben hinterlassen haben." Das war mehr oder weniger die Wahrheit, und die Schwammigkeit beruhte auch nur darauf, dass er keine Ahnung hatte, wie die Wahrheit tatsächlich aussah.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 8 Okt 2016 - 11:53

Da war er wieder. Dieser kleine Schalk in seinen Augen, den Faith – leider – mochte. Da konnte sie sich wehren so viel sie wollte. Mr. House besaß Humor und Augen, die das auch ausstrahlten. Fast wünschte sie sich, dass sie Gelegenheit gehabt hätte, sich während dieser verdammten, schicksalhaften Stunden mit ihm zu unterhalten. Er hätte ihr vielleicht ein Lächeln abgerungen. Zurücksehen zu dürfen und ein Lächeln in all dem Elend zu finden, wie tröstlich wäre das. Es lag ihr auf der Zunge ihm mit ähnlichem Humor zu entgegnen, aber nein, sie ordnete es dem Zweck unter, den sie verfolgte.

"Oh nein, Mr. House. Das haben Sie nicht. Ein Anwalt sind Sie nicht mehr. Aber an Ihren Manieren ist nichts auszusetzen." Sie lächelte trotzdem und hoffte, dass es irgendwie ihre Augen erreichte. Hellblaue Augen konnten eine ausgesprochene Plage sein. So hell und so kühl. Der Ausdruck hatte sich verändert, die Unschuld war dahin. Alles in ihr hatte sich verändert. "Lassen Sie mich also versichern, dass ich mir bewusst bin, dass Sie mir keine Ungelegenheiten bereiten wollten. Ich möchte nicht zurück blicken. Sie aber haben mich zurückgeworfen." Was noch ein harmloses Wort war. Zurückgeschleudert traf es besser.

Indessen versorgte Dotti sie mit dem Kaffee, was Faith mit einem dankbaren Nicken quittierte. Es tat gut, dass sie ihre Hände beschäftigen konnte. Wobei die eigentlichen Handgriffe schnell getan waren. Nach Kanne greifen – einschenken – fertig. Mr. House könnte wenigstens noch mit dem Zuckerbehältnis herum klimpern oder mit der Sahne herum hantieren, würde er sich so unwohl fühlen wie Sie. Aber der Inhalt der Kaffeetasse erwärmte das Porzellan, was der Ballerina zumindest die Gelegenheit gab ihre Hände zu wärmen. Wobei ihre Finger sich beinahe unmerklich um die Tasse verkrampften, als Mr. House ihr erklärte keine Ahnung zu haben. Verdammt, vielleicht hatte sie sich doch ein bisschen zu sehr auf sein Gespür verlassen. "Vieles von dem was ich gesagt habe empfinde ich wirklich so. Sie haben heute jedoch erstmals Zweifel an der Berechtigung dieser Gefühle geweckt." Wahrscheinlich ließ sich das im Umkehrschluss kaum sagen. Es hatte nicht so geklungen, als hätte er auch nur in einem Punkt an dem Vorgehen seines Vaters gezweifelt. Aber das spielte auch keine Rolle mehr. Mr. House war raus aus der Sache, sie war es nicht. Also war ein Gedankenanstoß bei Faith nicht verloren. "Und dann Ihr Gesicht, Mr. House." Sie führte die Tasse an die Lippen. Mut antrinken mit Kaffee, na bestens. Das schlimmste war: Vielleicht war das von Beginn an Faiths Plan gewesen? Wie armselig. Das leise Klimpern beim Abstellen der Tasse betrachte sie als so eine Art Startschuss, endlich mit der verdammten Wahrheit rauszurücken. "Die Ähnlichkeit ist nicht … nicht hervorstechend, denke ich. Das liegt nicht an dem Altersunterschied sondern dem Ausdruck darin. Vielleicht hätte die Härte des Berufs im Laufe der Jahre weitere Übereinstimmungen hergestellt." Faith schluckte schwer. "Um es kurz zu machen: Warum haben Sie Ihren Namen gewechselt, Mr. Montgomery jun.?" Das war jetzt immer noch keine Entschuldigung. Aber der Beginn darauf zuzusteuern.

Mr. House tat sich leichter, schlingerte nicht herum mit seinen Erklärungen. Aber es war klar, dass sie nicht dasselbe Chaos in ihm geweckt haben konnte wie er in ihr. Faith Mason war ein Name für ihn. Ein Fall. Das war es aber auch schon. Wahrscheinlich würde sie das auch für ihn bleiben. Denn wenn er auf ein Wundermittel gegen Lebensumbrüche bei ihr hoffte, dann würde er es nicht finden. Sie hatte nichts zu geben in dieser Hinsicht.
"Ach, das ist es. Zwei Fremde in der gleichen Lage, ja?" Ihre Finger fuhren über den Rand ihrer Tasse herum, aber ihre Augen blieben bei Mr. House. Sie war neugierig, was er sich davon versprach. "Ich möchte ehrlich zu Ihnen sein. Es war schwer. Meine Existenz war vernichtet, nicht nur mein Stern, wie Sie es vorhin so treffend tituliert haben. In dieser Situationen musste ich nicht nur herausfinden, was ich wollte, sondern was ich überhaupt noch konnte." Das war ein wichtiger Punkt – der aller Wahrscheinlichkeit auch Mr. House betraf. Obwohl Faith wirklich nicht verstand, wo er mit seiner ganzen 'Papi-Unterstützung' hingegangen war. Das musste ein wirklich übler Bruch gewesen sein. "Eine Zeit lang war ich auf der Suche. Nach den Alternativen, die es für mich gab. Aber Alkohol gibt keine Antworten. Mein Verstand gab mir nur benebelte, verzweifelte Antworten. Aber dann habe ich mich an etwas erinnert." Ihre Gesichtszüge entglitten ihr einfach, das Lächeln, das sie vorhin zu erzwingen versucht hatte, entfaltete sich von ganz allein. "Die Erleichterung, die der Tanz gibt. Und es war mir egal, wie ich wieder zurückfinden würde. Ob ich die Primaballerina sein würde, die ich einst zu werden hoffte. Oder ob ich Provinzballett mit den miesesten Choreografen tanzen würden. Mein Herz traf die Entscheidung. Das ist zu simpel, nicht? Das muss Sie unweigerlich enttäuschen. Ich hatte nicht denselben Mut wie Sie. Ganz neu anzufangen. Ich hätte nicht einmal gewusst wie es geht. Alles, alles, alles hinter sich zu lassen."
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 8 Okt 2016 - 12:33

Sie war seinem Humor gegenüber bisher absolut unzugänglich, aber diesmal glaubte er tatsächlich, ein kleines Zucken in der Mundgegend gesehen zu haben. Wobei er sich das auch nur einbilden konnte, in der Hoffnung, das sise sich vielleicht irgendwann einmal entspannen würde   - seine Hoffnungen wurden allerdings ziemlich rüde zerstört, als sie ihre Tasse umklammerte.
"Dann sollte ich mich dafür wohl entschuldigen", sagte er und neigte den Kopf, musterte sie. Ihm wurde langsam immer mehr klar, was genau seinem Vater gefehlt hatte - genau das, was Ms Mason kritisiert hatte. Die Nähe zum Mandanten. Sicher, es war für sie auf juristischer Ebene die beste Entscheidung gewesen, aber jetzt im Nachhinein wünschte er doch, er hätte sich ein wenig mehr mit seinen Mandanten beschäftigt. Wenn er an all die Leute dachte, die er mit seinem Vater zusammen angeklagt hatte, wusste er Namen, Nummern, Geburtsdaten, Berufe, Einkommen, aber wenig darüber, wie ihr Handeln sie eigentlich beeinflusst hatte.

Ich wäre kein guter Verteidiger geworden, dämmerte es ihm. Er hatte schon während der Zeit bei seinem Vater festgestellt, dass er kein Verteidiger sein wollte - die Nähe zum Mandanten, die gesamten persönlichen Dramen, all das war nichts, mit dem er gerne umging, er hatte die kühle Distanz seines Vaters nur gelernt, nicht gelebt. Im Gespräch mit Ms Mason wurde ihm aber klar, dass er nicht nur unglücklich als Verteidiger gewesen wäre, sondern auch noch nicht die Qualitäten bewiesen hätte, von denen er ausgegangen wäre. Es wäre ziemlich sicher der Punkt gekommen, an dem er die Distanz gebrochen hätte und damit viel zu sehr persönlich in den Fall verwickelt worden wäre.

"Die Welt ist nicht schwarz weiß", sagte er, der gerade in einem einigermaßen unangenehmen Zwiespalt steckte. Er wusste rational, dass das Vorgehen seines Vaters so für sie am besten gewesen war, aber dass es sich sehr negativ auf ihren weiteren Weg ausgewirkt hatte war kaum zu übersehen, wenn sie auf einen unscheinbaren Anwalt aus dem Team mit einem Schwächeanfall reagierte. Es stellte sich ihm die Frage, ob sie vielleicht einige Prozent Chance, Ms Mason freizubekommen, gegen eine humanere Behandlung hätten eintauschen sollen - bisher hätte er ganz klar mit nein geantwortet, aber die direkte Konfrontation mit ihrem Schicksal ließ ihn daran zweifeln.

Oh. Doch nicht so unscheinbar. Er zuckte fast zusammen, als sie ihn bei seinem alten Namen nannte. Den Namen, den er mit einem anderen Mann verband, einem erfolgreichen, verheirateten Anwalt, auf  den abends eine wunderschöne Frau und zwei unglaubliche Kinder warteten. "Es kam zum Bruch zwischen meinem Vater und mir, indessen Folge ich seinen Namen abgelegt habe", sagte er bedeutend ruhiger, als er es innerlich war. Hatten sie bis eben noch eher Ms Masons Gefühle aufgewühlt, so war er nun an der Reihe - ihm fiel auf, dass er noch nicht wirklich mit irgendjemandem über all das gesprochen hatte. Es waren alles indirekte Gespräche gewesen. 'Ich werde von meinem Vater und meiner Frau gehasst und verachtet' hatte er noch nie so ausgesprochen. Sie lag also nicht ganz richtig damit, dass sie nicht auch in ihm Chaos erweckte. Er wusste nur besser damit umzugehen.

Schweigend hörte er ihr zu, als sie erzählte. Es klang grausam vertraut, was sie erzählte. Ein bitterer Zug bildete sich um seinen Mund, als sie von seinem Mut sprach. Nein, er war nicht mutig gewesen. Er hatte vor dem gemeinsamen Haus gestanden, als die Schlösser schon längst ausgetauscht waren, und darum gebettelt, dass sie ihm zuhörte. Dass er nicht das Monster war, für das sein Vater ihn hielt. Dass er ihr nie etwas angetan hätte. Mehrere Tage und Nächte hatte er dort verbracht, bis irgendwann die Polizei ihn abgeholt hatte. Es war kein Mut gewesen, der ihn nach Dallas getrieben hatte, sondern Mangel an Alternativen. Und die Mengen an Alkohol, in der er sein altes Leben zu ersäufen versucht hatte zeugten auch nicht gerade von Charakterstärke. Er war froh darüber, dass sie sich erst jetzt getroffen hatten und nicht schon vor ein paar Wochen, bevor er sich wieder gefangen hatte - sie hätte ein völlig anderes Bild von ihm bekommen.

"Der Beginn kommt mir bekannt vor, aber Sie ziehen die falschen Schlüsse", erwiderte er nach einer kurzen Pause, in der er sein Inneres wieder unter Kontrolle brachte und die Bilder seiner Kinder, die am Schlafzimmerfenster standen und ihn vor der Tür stehen sahen, die laut weinend fragten, warum Papa nicht zu ihnen dürfe und was sie denn falsch gemacht hätten, aus seinen Gedanken verdrängte. "Ich halte es für viel mutiger, sich nicht vor allem zu verstecken, was geschehen ist. Ich hatte nicht den Mut, mich auf diese Weise damit zu konfrontieren." Mehr oder weniger. Er musste um das Thema 'Warum genau ist alles zu Bruch gegangen?' irgendwie herumschiffen, da er immer noch nicht herausgefunden hatte, ob Ms Mason über die übernatürlichen Wesen Bescheid wusste. Gleichzeitig war es so ungewohnt, über sich selbst zu sprechen, über diese Zeit zu sprechen. Vor allem mit jemandem, zu dem er eine sehr einseitige Beziehung geführt hatte - er wusste so viel über ihr Leben und über ihr Schicksal, für Ms Mason hingegen waren sie Fremde. Es fühlte sich seltsam an, dieses Ungleichgewicht. Weswegen er wohl auch, sollte sie diese stellen, Fragen über seine Geschichte soweit möglich deutlich offener beantworten würde als er es bei jemandem tun würde, der ihm wirklich fremd war.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 8 Okt 2016 - 16:05

Mr. House sich entschuldigen. Für was denn bitte? Für nichts, was geschehen war, trug er die Verantwortung. Mr. zur falschen Zeit am falschen Ort. Er hatte ja nun nicht überfallmäßig geplant, ihrem Seelenfrieden so empfindlich zu stören, wie es zufällig geschehen war.
"Bitte nicht, nein." Und sie wusste nicht, was sie damit eigentlich meinte. Seine Entschuldigung selbst oder dass er es sehr wahrscheinlich so tief empfunden ernst meinte. Einen entscheidenden Nachteil hatte dieser Cafébesuch, sie saßen einander jetzt gegenüber, Auge in Auge. Plötzlich sah sie sich stärker mit dem konfrontiert, welche Wirkung ihre Worte hatten. Das irritierte Faith, faszinierte sie widerwillig aber auch. Kleine Unsicherheiten auch bei Mr. House zu entdecken war neu.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Exakt. Aber Faith hatte Mr. Montgomery dem schwarzen Peter zugeschoben, so sah es aus. Das Rechtssystem hatte sich für sie, die sie zu jung und zu unschuldig gewesen war, als verhängnisvoll herausgestellt. Kollektiv war ihr die Bereitschaft entgegengebracht worden, sie vollumfänglich zu verurteilen – und zwar schon bevor die nötigen Untersuchungen veranlasst worden waren. Die ersten Stunden nach einem Mordfall waren die wichtigsten. Und man hatte diese Stunden –VERDAMMT NOCH MAL – damit zugebracht, sich an dem Vorwurf gegen sie festzubeißen, anstatt dem wirklichen Täter auf die Spur zu kommen. Das verfluchte Scheusal lief noch immer frei herum. Natürlich war die Wut darüber stark in ihr. Mr. Montgomery hatte sie aber ungerechtfertigterweise so stark abbekommen, weil Faith sich von ihm am meisten Hilfe erhofft hätte. Die er geleistet hatte, natürlich, aber ohne irgendwelche Anteilnahme.
"Nein, das ist sie nicht. Aber ich war bereit solche Vereinfachungen vorzunehmen. Ich werde mich bemühen es zu revidieren. Es ist wahrlich nötig." Das waren immerhin die demütigsten Worte, die sie bisher zu Wege gebracht hatte.

Direktheit war der Weg, mit dem Faith nunmehr versuchte, der Lage Herr zu werden. Der Erfolg war durchschlagend, wie es aussah. Ein kleines 'Mr. Montgomery jun.' und schon bröckelte auch die gleichbleibend ruhige Fassade eines Mr. House. Ach, das war ja interessant. Aber auch ein bisschen traurig. Ihr kam es vor, als habe sie ihm emotional einen kleinen Kinnhaken verpasst, nur um zu sehen, was dabei herauskam. Was für ein hinterhältiges Spiel.
"Verzeihen Sie, ich habe das Thema sehr unglücklich eingeleitet." Wenigstens diese Gemeinheit wollte Faith sich nicht auch noch auf die Seele laden. Die nächtlichen Albträume waren ohnehin schon schaurig genug. Irgendwann war es ja einmal gut. "Zumal ich hätte wissen können, warum Sie Ihren Namen nicht mehr führen. Und ich weiß, dass die Einzelheiten mich absolut nichts angehen."

An Respekt vor Mr. House gebrach es Faith jedenfalls nicht, es sprach mehr für als gegen ihn. Mit großer Gewissheit war er der bessere Mensch von ihnen beiden. Ein weiterer Grund, warum sie sich nicht befähigt fühlte, ihm irgendwelche Ratschläge zu geben. Zwei Fremde in der gleichen Lage. Die gleiche Lage, ja, aber nicht die gleichen charakterlichen Anlagen, nicht die gleichen Fähigkeiten. Nicht die gleiche … Sicht auf Dinge.
"Sie nennen mich mutig?" Faith konnte ihn nur ungläubig anblicken, ehe sie entgeistert den Kopf schüttelte. "Worin soll dieser Mut bei nüchterner Betrachtung liegen? Meine Karriere wird sehr wahrscheinlich auf ein paar zweit- oder drittklassige Engagements hinaus laufen. Ich werde kämpfen, zu Boden gehen, aufstehen, wieder kämpfen. Im Ergebnis werde ich meine körperliche Gesundheit ruinieren. Und wofür? Dafür, dass ich an einem Traum festhalte, der für mich ein für allemal ausgeträumt sein sollte." Sie konnte es immer noch nicht glauben. Seine Worte waren so … untypisch-Mr. House-mäßig. Wo blieb der Verstand, die nüchterne Betrachtungsweise? "Als Ballerina hat man nur ein paar Tanzjahre, dann ist der Körper hinüber. Und dann? Ich könnte Ballettlehrerin werden. Schön. Was meinen Sie, werden die Menschen mir ihre Kinder anvertrauen? Einer Person, die einen immer noch nicht völlig ausgeräumten Mordvorwurf an den Hacken kleben hat? Würden Sie Ihre Kinder einer solchen Person anvertrauen?"

Faith lehnte sich zurück, die Tasse in der Hand. "Sie hingegen wagen einen Neuanfang. Sie fangen klein an, könnten sich aber nach oben arbeiten. Kein Ballast an den Füßen, einfach nur voran schreiten, mit Blick nach vorne. Sie handeln nicht nur klüger, Sie handeln auch mutiger. Nein, Mr. House, bei allem was recht ist. Sie sind hier derjenige von uns, der alles richtig macht."
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 8 Okt 2016 - 19:49

Er beschloss, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er sie so überrumpelt hatte, er hatte tatsächlich nicht damit gerechnet, dass sich das so stark auf sie auswirken würde - aber jetzt war es auch zu spät um zurückzurudern. Jedenfalls würden sie sich da wohl nicht einigen und er war seine Entschuldigung jetzt mehr oder weniger losgeworden, zumindest war der Gedanke bei ihr angekommen.

Dan lächelte. Es zeugte von viel Charakterstärke, dass sie jetzt zu diesem Schluss kam und ihn auch noch offen zugab. "Gehen Sie nicht zu hart mit sich ins Gericht", merkte er dann aber an. Ihre Sicht der Dinge war durchaus nachvollziehbar, vor allem, wo er jetzt gesehen hate, wie starke Auswirkungen der Prozess noch immer auf sie hatte. Ein wenig differenzierter denken war vermutlich angebracht, aber es war ihr gutes Recht, die Dinge so zu sehen. "Sie haben eine Ausnahmesituation durchgemacht, da sind Vereinfachungen manchmal notwendig", fügte er erklärend hinzu.

"Ich hätte ja auch einfach verheiratet sein können, es ist zwar ungewöhnlich, aber auch der Mann kann seinen Nachnamen ändern", sagte er lächelnd. Dann überlegte. Sollte er sie darauf hinweisen, dass sie ihm keineswegs so fremd war, wie er ihr? Und dass es vielleicht irgendwie sogar angebracht war, dass sie nach den Einzelheiten fragte.

Er wusste nicht, wie genau er das formulieren sollte, daher entschied er sich einfach von sich aus mit ein paar Details herauszurücken. Vielleicht auch, weil er darüber reden wollte, weil das ganze verdammte Thema in so sehr beschäftigte und er niemanden hatte, mit dem er darüber reden konnte. "Wobei die Sache mit der Ehe sogar stimmt, ich war verheiratet, allerdings ohne Namenswechsel. Das hat sich allerdings im gleichen Zuge wie die Anwaltssache erledigt", sagte er also und konnte nicht verhindern, dass er dabei ein wenig bitter klang. Hatte er eben noch von 'kein schwarz weiß in der Welt' gesprochen, so war er in dieser Sache definitiv der Auffassung, dass es völlig Schwarz-weiß war, was geschehen war.

Die Bitterkeit verflog nicht so schnell, wie er gehofft hatte. Ihre berufliche Zukunft war definitiv nicht rosig, aber zumindest der TEil nach den Jahren als Ballerina war genauso, wie er es vorher gewesen war. "Ich bezweifle, dass in ein paar Jahren, wenn Ihr Körper Ihrer tänzerischen Karriere ein Ende bereitet hat, noch jemand die Ballerina Faith Mason mit Patricia Sloan, der Mörderballerina, in Verbindung bleiben wird. Dieser Teil Ihres Zukunftwegs ist also unverändert. Und Sie haben das, was sie lieben, nicht völlig aufgegeben, weil Sie zu viel Angst davor haben, dass sich die Vergangenheit wiederholt. Das meine ich mit mutig", erklärte er und versuchte krampfhaft, die Bitterkeit aus seiner Stimme verschwinden zu lassen. Es gelang nicht.

"Mehr Ballast an den Füßen, als ich zugeben möchte. Und mein Blick ist im besten Fall auf die Gegenwart gerichtet, an den meisten Tagen lebe ich in der Vergangenheit. Sie scheinen den Bruch mit der Vergangenheit geschafft zu haben, zumindest sofern Sie nicht ein Akteur daraus im Fitnessstudio belästigt. Ich weiß nicht, ob mir das je gelingen wird."

Er rührte abwesend weiter in seinem Kaffee herum.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 8 Okt 2016 - 21:35

Nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen? Faith schmunzelte, das klang so begütigend. Innerlich war aber war sie zutiefst dankbar für diese Nachsicht. Selbige war fast wie Balsam. Wahrheitsgemäß hätte sie wohl antworten müssen, dass es nicht in ihrer Natur lag nachsichtig gegen sich selbst zu sein. Aber das war nichts, was sie jetzt andeuten wollte. Sie waren beide schlagfertige Redner. Womöglich wurde es noch zum Diskussionsthema. Also war ihr Kompromiss ein: "Ich werde es versuchen." Aber es stimmt, Ausnahmesituationen machten Vereinfachungen nötig. Das hatte er feinfühlig analysiert oder einfach irgendwo aufgeschnappt. Was Mr. House anging, erlaubte sich Faith zwar gewisse Rückschlüsse auf ihn, aber letztlich vermochte sie kaum zu sagen, was ehrlich und was vielleicht doch nur Schauspielkunst war. "Das tut die Menschheit seit jeher, ich bin also in guter Gesellschaft. Dem einen seinen Teufel, dem anderen …" Seinen Mr. Montgomery. "Ich glaubte stets, eine Wahl wäre so gut wie die andere. Aber das stimmt nicht. Das weiß ich jetzt."

Es stimmte, auch eine Ehe hätte zu einer Namensänderung führen können. Aber der Gedanke, dass es an dem Bruch mit seinem Vater lag, war zumindest naheliegend gewesen. Damit glaubte Faith dieses Thema aber auch schon erledigt, eine kleine Abschweifung, eine Floskel. Aber es blieb nicht dabei. Mr. House war also verheiratet gewesen. Und es …
"Im gleichen Zuge mit der Anwaltssache erledigt", wiederholte sie, innerlich einen Augenblick mit der Sache beschäftigt. "Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht folgen." Was ihr Leid tat, weil seine Stimme – nein, seine Stimmung – deutlich verriet, dass es kein leichtes Kapitel für ihn war. Umso unverständlicher, dass er es ausgerechnet ihr anvertraute. Worauf er hinaus wollte? Sie wusste es nicht. Mr. House ging es irgendwie um die Ausrichtung seiner Zukunft. Was sie in dieser Hinsicht aber für ihn tun sollte blieb ihr ein Rätsel. Weil Faith die Hoffnung aber nicht aufgegeben hatte, dass es sich ihr noch auf magische Weise enthüllt, beschloss sie es einfach darauf ankommen zu lassen. Zu verlieren hatte sie nichts.

Dass Mr. House die Ansicht hegte, dass diese Mörderballerina-Sache irgendwann ausgestanden war, gab ihr jedenfalls einen süßen, beinahe euphorischen Stich. "Wirklich? Sie glauben, dass das alles irgendwann ein Ende hat? Ich wage es kaum zu hoffen. Aber irgendwie wird diese Schmuddelgeschichte immer wieder hervorgeholt. Manchmal dachte ich, dass Ruhe wäre und dann steht wieder so eine Schmiererei in den Zeitungen."
Aber es stimmte, neue Geschichten würden aufkommen, vielleicht noch skandalträchtigeren Inhalts, in der Hinsicht musste sie auf die Wirkung der Zeit und den Untaten zukünftiger Sünder bauen. Wobei Faith sich sofort selbst korrigierte. Vielleicht würden erneut scheinbare Sünder darunter sein. Wie sie selbst. Also versuchte sie die kleine Flamme der Hoffnung zu dämpfen.
"Ich danke Ihnen. Es ist ermutigend das zu hören."

Eine ganz komische Situation. Während in ihrem Herzen plötzlich Hoffnung aufkeimte, offenbare Mr. House plötzlich eine ganze andere Seite von sich. Gut, dass auch seine Lage sich nachhaltig verändert hatte, das war Faith klar gewesen. Aber so nach und nach ließ er ein paar Masken fallen und sie frage sich, warum er sie dahinter blicken ließ. Irgendetwas sagte ihr, dass es nicht sein Wunsch sein konnte, dass sie jetzt nicht nachfragte. Obwohl sie es nach wie vor unerträglich unverschämt empfand, sie kannten einander ja kaum. Aber das hier, dieser Blick auf seinen Schmerz, das war kein: Frag' nicht nach, lass mich das mit mir ausmachen. Das war eine beinahe offene Aufforderung.
"Ich glaube ich verstehe allmählich, worauf Sie hinaus wollen. Aber verlangen Sie nicht vielleicht etwas viel von sich? Wie lange ist der Bruch mit Ihrem Vater denn her?" Seit ihrem Prozess war ein Weilchen vergangen und seither hatte sie nie wieder ein Wort von Mr. Montgomery und all seinen Konsorten gehört. Das hätte anders sein können, wenn sie ihre Akte angefordert hätte, vielleicht wären dann mehr oder weniger zufällig ein paar Informationen geflossen. "Es braucht seine Zeit, bis man wieder auf die Spur zurück kommt. Ich habe erst ein paar Dummheiten angestellt."

Verlegen fummelte sie mit der Tasse herum. Der Alkohol, die Männer. Du liebe Zeit. Antworten hatte es ihr keine geliefert. Höchstens jene, dass das alles nur Ersatzbefriedigungen waren. Antworten hatte sie erst gefunden, als sie ihr Herz statt ihres Verstandes hatte sprechen lassen. Aber dazu musste man erst einmal den Schleier lüften, der alles verdunkelte. Die Trauer und der Schmerz. Man musste finden, was größer war als das.
"Auch ich habe zurück geblickt, glauben Sie mir. Aber irgendwann begreifen Sie, dass das Geschehene jetzt Teil von Ihnen ist. Rein vom Gefühl her sind Sie vielleicht mit der Idee verhaftet, dass es Sie in der Vorher/Nachher-Version gibt. Aber es ist anders, die Ereignisse formen Sie einfach nur. Sodass es nur eine Option geben kann: Voran schreiten. Das Leben wird den Anspruch an Sie stellen, dass Sie mit all dem zurechtkommen müssen. Und es wird viele Faktoren geben, die Sie dies Herausforderung auch annehmen lassen. Überlebenswillen, Kraft, die Liebe zu etwas oder zu jemanden. Das wissen nur Sie selbst. Aber das Rüstzeug ist in Ihnen." So viel zu den guten Nachrichten. Die Phase, in der er steckte, würde aller Voraussicht nach nicht ewig andauern.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 8 Okt 2016 - 22:30

"Man lernt viel über sich in solchen Situationen. Und über andere." Leider vor allem Dinge, von denen man überhaupt nichts wissen wollte. In den ersten Wochen, nachdem seine Frau die Scheidung eingeleitet hatte, hatte er noch Kontakt zu seinen Kollegen und den Leuten, die er 'Freunde' nannte, gesucht. Aber da er schon seinen Job und dann auch noch die Frau verloren hatte und alles Prestige somit verloren gegangen war, hatte man sich schnell von ihm abgewandt. Etwas, das er vorher nicht für möglich gehalten hatte - dass die Kollegen ihn nicht mehr einluden ja, aber dass seine Freunde ihm die Tür vor der Nase schlossen, damit hatte er nicht gerechnet.

Er seufzte, allerdings nicht ihretwegen. Er hatte wieder mal mehr gesagt als er eigentlich wollte. Warum redete er überhaupt über sich? Das alles ergab keinen Sinn. Sein Inneres war so durcheinander, dass er ihr in der einen Minute seine komplette Trauergeschichte ausbreiten wollte und in der nächsten am liebsten die Auster gegeben hätte. "Der Bruch mit meinem Vater geschah aus dem gleichen Grund wie die Trennung von meiner Exfrau. Beides zusammen führte dazu, dass ich meinen Job aufgegeben habe." Was jetzt natürlich die perfekte Gelegenheit dafür war, zu fragen, was eigentlich der Grund war, um den er die ganze Zeit schon so unelegant herumschiffte. Ein kleiner Teil von ihm hoffte sogar, dass sie nachfragen würde, auch wenn er keine Ahnung hatte, wie er reagieren sollte. Bisher hatte sie auf ihn nicht den Eindruck gemacht, dass sie etwas von Übernatürlichkeit wusste, aber das konnte man den meisten Menschen ja auch nicht einfach von der Stirn ablesen.

"Ich bin mir ziemlich sicher. In ein paar Jahren ist genug Gras über die Sache gewachsen - und zur Not müssen Sie halt noch einmal umziehen, noch weiter weg. Ich glaube kaum, dass dass fünf Staaten weiter noch genauso häufig aufgewirbelt wird, wie es hier der Fall ist." Sie hatte Recht, hier war die Geschichte noch immer eine schöne Möglichkeit, im Sommerloch die Seiten zu füllen. Er hatte selbst vor einigen Monaten noch etwas darüber gelesen, man hatte wohl immer noch keinen Täter gefunden. Für sie als Verteidiger war der Fall indem Moment erledigt gewesen, indem die Staatsanwaltschaft die Anklage hatte fallen lassen, aber auch sie hatten während der Ermittlungen keinen anderen wirklich Verdächtigen auftreiben können. Nur ein paar Notfallpläne, die sie dem Gericht im schlimmsten Fall als potentielle Verdächtige präsentiert hätten, um von Ms Mason abzulenken.

"Ein paar Monate ist es her", sagte er ruhig. "Ich bin es nicht gewohnt, Schicksalsschläge nicht sofort einzustecken und weiter zu machen. Auch die...", er trank einen Schluck des mittlerweile nur noch lauwarmen, aber dennoch leckeren, Kaffee, während er über eine Formulierung nachdachte, "Orientierungslosigkeit, die glaube ich auch der Grund ist, warum ich Ihnen überhaupt auf den Geist gehe, ist etwas, was ich nicht kenne." Er lächelte schwach. "Mein Leben war von Beginn an durchgeplant, verstehen Sie? Und jetzt lebe ich von einem Tag in den nächsten, habe keinen Plan für die nächste Woche, geschweige denn für den nächsten Monat oder das nächste Jahr."

Dummheiten... Konnte man eine Prügelei mit einem Tigergestaltwandler in einem Wald als Dummheit zählen? Vermutlich würde er es irgendwann so sehen, aktuell verachtete er die Person, die er an diesem Abend gewesen war. Leider wurde er noch immer durch ein Ziehen im Oberschenkel bei bestimmten Bewegungen an die Wunde erinnert, die fehlende ärztliche Versorgung und immer wieder gestörte Heilung hatten für eine sehr faserige Narbe gesorgt, die ab und zu noch schmerzte.

Er seufzte erneut, tiefer jetzt. "Es klingt so einfach, wenn Sie das sagen", sagte er und verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln. Ihr war ziemlich sicher bewusst, wie schwer diese Phase war, und wie schwer es war an das zu glauben, was sie sagte.

Immerhin war ihm mittlerweile klar, warum er überhaupt mit ihr darüber sprach. Jemanden zum Zuhören. Sie war eine gute Zuhörerin, und sie gab kluge Kommentare von sich. Und aus seiner Sicht waren sie einander nicht so fremd, wie sie es empfand, es war für ihn also - auf diese Sache bezogen - nicht allzu seltsam, mit ihr darüber zu sprechen. Sie hatte wochenlang sein Leben diktiert, also konnte er sich ihr öffnen.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   So 9 Okt 2016 - 9:34

"Man lernt viel über sich selbst, andere, die Welt." Faith wusste das nur zu gut. Plötzlich wurde man man mit allen Facetten der Enttäuschung konfrontiert. Es verletzte alles in einem. Das Sicherheitsgefühl, das Vertrauen in andere. Es war ein zu großer Schlag, ein Rundumschlag. Danach war nichts mehr wie es war. "Aber in meinem Falle war es offenbar noch nicht genug der Lektionen." Das zumindest hatte sie aber bereits vorher gewusst. Denn so schlimm das Ereignis selbst auch gewesen war, es hatte sie zu sehr verändert. Es war schwerer geworden zufrieden mit sich selbst zu sein. Verzeihend. Es gab nicht mehr so viele Gründe für ein Zufriedenheitsgefühl.

Ein paar Lektionen in 'worauf will Mr. House' hinaus könnte sie auch gut gebrauchen. Er sprach unwesentliche Dinge an ("ach, und so nebenbei gesagt: Es gab eine Ehe") und ließ dafür andere weg, die wahrscheinlich weit relevanter waren. Worauf zielte das ab?
"Der mysteriöse Grund." Faith wusste wirklich nicht, ob er es nicht geradezu herausforderte. Er erwähnte das zum wiederholten Male, ohne es wirklich zu erwähnen. Es war eine Aussparung. In jedem Buch wäre es mit '…' markiert. Wenn sie nachfragte, würde sie in ein Bienennest greifen. Das war Angesichts dieses Verhaltens mehr als deutlich. Wollte sie das? Wollte sie riskieren ihm weh zu tun? Wollte sie etwas hören, was womöglich alles nur schlimmer machte? Am liebsten hätte Faith gerade jetzt in Mr. House Augen gesehen und nach seinen Motivationen geforscht. Aber sie tat es ganz bewusst nicht. Im Gegenteil: Sie leerte ihren Kaffee und Griff nach der Kanne, um sich nachzuschenken. Ließ den Augenblick zum nachfragen verrinnen.

Für ihr eigenes Geschick hatte Faith jetzt keinen Raum mehr. Was mit ihr geschah, das würde die Zukunft zeigen. Über den Moment, wo sie jemanden gebraucht hätte, der menschlich zu ihr war und ihr zuhörte, war sie ohnehin hinaus. Bei ihr hatte man es versäumt menschlich anteilnehmend zu sein. Schön. Wollte sie deshalb Vergeltung üben? Wollte Sie Mr. House in seinem Elend schmoren lassen, aus Verbitterung über ihr eigenes Geschick? Der verdammte Mistkerl war anwesend gewesen und hatte in dieser Hinsicht keinen Finger für sie gerührt. Papis kleine Sunnyboy, immer im Hintergrund, mit irgendwelchen saudummen Papieren herum raschelnd. Jetzt kam er zu ihr – ausgerechnet zu ihr – um ihr sein Herz auszuschütten. Im Grunde war es ein Hohn und die ideale Gelegenheit, um wenigstens ein klein bisschen zu ihrer persönlichen Genugtuung zu kommen.

Tue es!, flüstere das kleine Teufelchen in Faith Seele. Lass den Scheißkerl schmoren, aber richtig! Ihr Herz aber war zu mitleidig, um es ausführen zu können.
"Ein paar Monate, Mr. House. Das ist ja noch ganz frisch." Faith nickte, irgendwie hatte sie das schon erwartet. So tief drin in seinem Elend steckte man nur zu Beginn. Diese Phase dauerte nicht bei jedem gleich lang, aber früher oder später wurde sie abgelöst durch etwas anderes. Hoffnungsvollere Phasen. "So viel dazu, dass Sie zu viel von sich erwarten. Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf: Nehmen Sie Abschied von dem, was Sie sich zuvor an Leistung von sich erwartet haben. 'Mr. House und der stringente Lebensweg', das gilt jetzt eben nicht mehr. Das durchgeplante Leben gilt jetzt nicht mehr. Von nun an wird Ihr Leben eines der ergriffenen Gelegenheiten sein." Mein Gott, sie gab tatsächlich weiter, was sie auch für sich zurechtgelegt hatte damals. Faith konnte es nicht glauben, dass sie es tat. Noch dazu einem dieser Anwaltsärsche, von denen sie sich so enttäuscht gefühlt hatte. Aber es blieb wohl dabei: Gleiches mit Gleichem zu vergeltend war nicht ihr Ding. Und sie wusste, es war besser so. Sie wollte gut schlafen können heute Nacht. Das war nicht möglich, wenn man jemanden so hängen ließ.

Es klingt so einfach, wenn Sie das sagen. Das ließ Faith lächeln. "Natürlich klingt es das. Glauben Sie, dass ich es geglaubt hätte, wenn es mir damals jemand gesagt hätte? Das ist ja der Grund, warum Trost geben häufig so schwer ist. Jedes Wort klingt nach einer Phrase. Nur können Sie in meinem Fall sicher sein, dass ich das alles selbst erlebt habe." Das war vermutlich der Grund, warum Mr. House die Wahrheit so offen vor ihr bekannte. Von jedem, der das noch nicht erlebt hatte, wären es wirklich Phrasen gewesen. Bei ihr war es Rat. Wenn vielleicht auch nicht universal verwendbar, so für seinen Fall möglicherweise nützlich. Nun, dann versuchten sie es halt einfach. Vielleicht half es ihm irgendwie.

Faith griff nach der Kaffeekanne, die in der Mitte des Tisches stand. Legte ihre Hand an den Henkel.
"Möchten Sie auch noch?" Sie wollte ihm Gelegenheit dazu geben, sich an eine wunderbar angewärmte Tasse klammern zu können. Denn sie hatte ein kleines Attentat vor und dies war die subtile Warnung. "Und danach, Mr. House, erzählen Sie mir davon. Von dem mysteriösen Grund." Nein, sie hatte nicht danach gefragt, denn es war keine Bitte. Es war eine Aufforderung und die Ballerina wusste wirklich nicht, was ihn jetzt noch halten sollte. Die grundsätzliche Konstellation war bekannt, also würden die Gründe sie auch nicht aus den Socken hauen, da war sie sich gewiss.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mo 10 Okt 2016 - 17:27

Er legte den Kopf schief. Noch nicht genug der Lektionen? Dann wurde ihm klar, dass sie vermutlich auf diese Begegnung und ihre eben angesprochene Erkenntnis anspielte und nickte nur. Da hatte sie wohl Recht, auch wenn er sich dieses Urteil eigentlich nicht anmassen sollte - in seinem Leben gab es wohl auch noch genug Lektionen, die da auf ihn zuzukommen hatten. Sowohl persönlicher als auch beruflicher Natur gab es viel zu lernen.

Dann sprach sie das an, was er schon befürchtet hatte - den mysteriösen Grund. Wie erklärte man, dass man kein Mensch, sondern ein Werwolf war? Wie führte man jemanden in diese Welt ein? Und hatte er überhaupt das Recht dazu, ihr die Augen über die Realität hier draußen zu öffnen? Es gab so viele Fragen, die er noch nicht beantworten konnte, er hatte in der letzten Zeit insbesondere durch den Kontakt zu Jareth gemerkt, wie wenig er eigentlich wusste. Welche Fabelwesen gab es noch, was für Monster rannten hier noch frei herum?

Er holte Luft, um etwas zu erwidern, dann fiel ihm auf, dass er immer noch nicht wusste, was er eigentlich sagen wollte. 'Ich bin übrigens ein Fabelwesen, aber kein gefährliches!' war wohl kaum der richtige Ansatz. Er schluckte und starrte in seinen mittlerweile kalten Kaffee. Glücklicherweise überging sie sein Schweigen.

Er hörte zu und nickte unbewusst. Sie hatte definitiv recht, das, was vorher gegolten hatte, galt nicht mehr - aber das war ihm bisher auch schon klar gewesen. Was er suchte waren die Regeln, die Gesetzmäßigkeiten und Erwartungen, die von nun an golten. In seinem bisherigen Leben war alles klar vorgegeben gewesen, er selbst hatte sich nie darum scheren müssen, wie solche Erwartungen zustande kamen, nur darum, wie man sie umsetzte. Die Orientierungslosigkeit war das, was ihn so hemmte. Er wusste nicht viel dazu zu sagen, denn natürlich, sie hatte ja absolut recht - aber sie hatte nun mal auch recht damit, dass es ihm jetzt aktuell nicht wirklich half. Auch wenn es sich nciht nach Phrasen anfühlte, so wusste er dennoch nicht, wie er das alles umsetzen sollte.

Er trank den kalten Kaffee aus und nickte dann auf ihre Frage hin. Nachdem sie ihm nachgeschenkt hatte, kam dann doch noch die Frage, der er gehofft hatte zu entgehen.

"Der Grund ist ...", begann er, brach dann jedoch wieder ab und zerbrach frustriert den Keks, der auf der Untertasse lag. "... verdammt schwierig zu erklären", stellte er dann das offensichtliche fest. Wenn er wenigstens eine Ahnung gehabt hätte, wie er dieses Gespräch führen sollte oder ob sie vielleicht doch eine grobe Idee von Übernatürlichkeit hatte (in Dallas liefen schließlich gefühlt dutzende Fabelwesen fröhlich durch die Gegend) und er dort ansetzen konnte. "Es ... gibt Dinge auf dieser Welt, von denen Sie vermutlich noch nie gehört haben", begann er dann und brach wieder ab. Verdammt, das klang wie in einem Teenagertrashfilm. Es musste doch eine vernünftige Art und Weise geben, wie man einem Menschen beibrachte, dass man selbst keiner war. Er musste unbedingt jemanden mit mehr ... Erfahrung fragen, wie man das am besten handhabte.  Jareth vielleicht. Wobei der sich vermutlich einfach nur in eine flauschige kleine Katze verwandelte und damit das Thema erledigte.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mo 10 Okt 2016 - 18:21

Nach all dem Ausweichen, all dem drum herum schiffen, war Faith sehr gespannt auf die Erklärung ihres Gegenübers. Also lehnte sie sich zurück, den Inhalt ihrer Tasse verhalten schwankend. Inzwischen war sie soweit, dass sie es wirklich hören wollte, aber der Anfang klang nicht gerade vielversprechend. Es ist schwierig zu erklären. Nun, das hatte sie sich bereits gedacht. Sonst wäre Mr. House vermutlich schon früher mit der Wahrheit herausgerückt. Inzwischen hatte er ihr bereits zu viel anvertraut, man konnte es nicht nur auf den Wunsch zu Schweigen schieben. Er wollte nicht schweigen, so viel stand fest.

Obwohl sich die Fortsetzung seines Erklärungsversuch eher wie der Beginn einer Märchengeschichte anhörte: Es gibt Dinge, von denen Sie noch nie gehört haben. Einen Moment schwieg sie, sprachlos und nachdenklich. Einmal mehr zweifelte Faith daran, dass er so ganz wusste, worauf er hinaus wollte. "Nun, wenn das so ist, dann ist mir sogar die Möglichkeit Vermutungen anzustellen genommen. Umso mehr wird es nötig sein, dass Sie es mir erklären." Nichts desto trotz ging sie  doch Möglichkeiten durch, aber es klang so, als sei es irgendetwas … freakiges. Etwas, worauf sie ihr Lebtag nicht kommen würde. Mmm, im Geiste erstanden ein paar Bilder auf, aber alle waren irgendwie völlig abwegig/surreal. Hoffentlich war Mr. House klar, dass diese Worte geradezu dazu herausforderte, seine Tat –oder um was immer es sich auch handelte- zu etwas noch absurderem zu verklären, als es vermutlich der Fall war.

"Hören Sie: Wenn ich das Gefühl hätte, dass sie großflächige Aussparungen vorgenommen hätten, um mich nicht einmal im Entferntesten auf den mysteriösen Grund zu stoßen, dann würde ich jetzt sagen: Lassen wir das. Aber Sie haben das nicht getan. Ein ums andere Mal haben sie darauf zugesteuert und erst im letzten Augenblick zurückgerudert." Faith war überzeugt davon: So verhielt sich niemand, der absolut keinen Redebedarf hatte. So verhielt sich jemand, der etwas auf dem Herzen hatte. Jemand, der sein Herz erleichtern wollte. Jetzt waren sie so weit gekommen, da war dieses eine, fehlende Puzzleteilchen auch kein Beinbruch mehr. Also sah sie keinen Grund zu zögern.

"Was haben Sie angestellt? Gehören Sie irgendeiner Geheimorganisation an? Praktizieren Sie absonderliche Sexpraktiken?" Fragend hob sie die Augenbraue. Diese Aufzählung ließ sie nicht einmal Kichern, es waren nüchterne Überlegungen. Vielleicht an der Wahrheit vorbei, aber zumindest Möglichkeiten.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mo 10 Okt 2016 - 20:41

Er starrte in den schwarzen  Kaffee, er hatte diesmal auf Sahne und Zucker verzichtet - eigentlich trank er ihn immer schwarz, er hatte sich nur eben die kleine Spitze nicht verkneifen können. Der Kaffee drehte sich in der Tasse, Runde um Runde. Mit ihm drehten sich seine Gedanken, immer wieder im Kreis herum. Sie würde vermutlich aufspringen und weglaufen. Oder ihn auslachen. Oder beleidigt sein, weil sie das Gefühl hatte, dass er ihr Scheiße erzählte. Oder ihm eine klatschen und dann den psychiatrischen Notdienst rufen.

Das Schlimmste daran war, dass er es ihr nicht mal übel nehmen konnte, wenn sie so reagierte, oder irgendeine Reaktion hierauf. Natürlich würde er ihr dankbar sein, wenn sie keine Szene machte, sondern einfach nur aufstand und ging, aber er ging nicht davon aus, dass dieses Gespräch hier ein gutes Ende nehmen würde. Er lächelte schief, irgendwie bitter. "Nein, nichts dergleichen", erwiderte er ebenso nüchtern, wie sie gefragt hatte. Dann atmete er tief durch und hob den Blick, sah ihr in die Augen, die von den fragend hochgezogenen Brauen umrahmt wurden.

"Ich bitte Sie, nicht wegzulaufen oder zu schreien. Machen Sie einfach keine Szene, okay?", sagte er dann langsam, jedes Wort war wohlüberlegt. Er hatte eine Idee, wie er es ihr begreiflich machen konnte, ohne dass sie ihn für verrückt erklären würde - die wölfischen Teile seines Körpers traten wenn er zornig war hervor, es bildeten sich Krallen, das Gesicht verformte sich schnauzenförmig und die Ohren begannen pelzig zu werden. Aber er konnte diese leichten Veränderungen auch bewusst hervorrufen.

Bist Du sicher, dass das eine gute Idee ist? Er unterdrückte ein Stirnrunzeln, er hatte schon beinahe vergessen, dass der Wolf auch ein Mitspracherecht hatte und diese zeige-was-du-bist-Aktion nicht ohne sein Einverständnis und sein Mitwirken funktionieren würde. Ja. Was soll schon passieren? Im schlimmsten Fall rennt sie weg und will uns nie wieder sehen. Und was soll der beste Fall sein? Es kann kein gutes Ende nehmen. Bitte, lass es uns versuchen. Vertrau mir. Der Wolf grummelte, aber Dan hatte Recht - das Schlimmste, was ihnen passieren konnte, war, dass sie straight ins nächste Krankenhaus lief, um sie einweisen zu lassen. Dann mussten sie weiterziehen, aber er hatte mittlerweile ein bisschen Geld angespart und konnte sich so ein Busticket leisten. Es war das Risiko wert.

Der innere Disput war binnen Sekundenbruchteilen abgehandelt, dann atmete Dan tief durch. "Schauen Sie bitte auf meine Hand", sagte er und legte sie wie beiläufig auf den Tisch. Ihr irritierter Blick machte ihm nicht gerade Mut, aber wo er jetzt schon einmal so weit war, wollte er auch nicht wieder zurück. Als ihr Blick auf seine Hand fiel, die entspannt auf dem Tisch lag, überließ er dem Wolf einen Teil der Kontrolle.

"Ich bin kein richtiger Mensch", sagte er bemerkenswert ruhig, während auf seinem Handrücken Haare zu sprießen begannen und die Fingernägel sich in Krallen bogen.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Di 11 Okt 2016 - 16:05

Faith bekam es irgendwie doch ein klein bisschen mit der Angst zu tun. Dass Mr. House davon ausging, sie könnte weglaufen oder schreien klang nicht gerade ermutigend. War er irgend so ein kranker Irrer, oder was? Wenn, dann kaschierte er es gut. Mmm, zu gut, um es wirklich ernsthaft in Erwägung ziehen zu können. Aber wahrscheinlich gab sie sich auch Vorurteilen hin, wenn sie sich kranke Irre als sabbernde Kreaturen mit matten, glanzlosen Augen vorstellte. Da die Spekuliererei ohnehin zu nichts führte, beschloss sie, Mr. House einfach Raum für seine Ausführungen zu geben.
"Ich bin ganz ruhig", erklärte die Ballerina in dem Bemühen, seine Zweifel zu zerstreuen. Vorsorglich aber begann sie auch ihre Atmung zu kontrollieren. Tief einatmen, tief ausatmen. Bis sie sich dem 'was-auch-immer-da-kam' gewachsen fühlen konnte.

In der Tat fühlte sie sich ruhig und einigermaßen entspannt, als Mr. House sie bat, ihre Aufmerksamkeit auf seine Hand zu legen. Faith stutzte zwar kurz, folgte der Anweisung aber gehorsam. Nur drohte sich in ihren Mundwinkeln abzuzeichnen, dass sie diese Aktion hier recht seltsam fand.

Kein richtiger Mensch. Das klang beschwörend in all der darin liegendenden, scheinbaren Ruhe. Als wollte er ihr hypnotisch mitteilen: Glaub mir einfach. Durch Faiths Hirn waberte die Essenz reinen Widerstandes. Solange bis ihre Augen erblickten, was nicht da sein sollte. Nicht da sein konnte. Und doch – da war. Lediglich die Art, wie sie ihre Tasse absetze, mit ein bisschen zu viel Schwung, verriet, wie ungläubig sie war. Wie haltlos überrascht, wie schockiert.

"Was für ein … Trick ist das?", brachte sie hiervor, die Augen misstrauisch verengt. "Mr. House, das ist gar nicht witzig!" Ehe sie wusste, was sie tat, ergriff Faith seine Hand. Zuvor wäre sie nicht im Traum darauf gekommen, ihn auch nur mit den Fingerspitzen zu streifen. Aber für derartige Skrupel war jetzt weder Zeit noch Raum. Hektisch drehte sie seine Handinnenfläche nach oben, um irgendetwas zu finden, was sich dort verstecken konnte. Vielleicht lag die Quelle dieses Tricks auch irgendwo in seinem Ärmel verborgen, auch dort sah sie sorgsam nach. Nichts. Gar nichts.

Aber noch hatte Faith ihre Untersuchung nicht beendet. Mit kreisenden Bewegungen tastete sie seine Haut ab, als ob sie vermutete, dass dort irgendetwas implantiert worden sei. Zupfte an den Haaren, spürte den festen Widerstand der Haarwurzeln. Diese krallenartigen Gebilde da, um Gottes Willen. Irgendetwas in ihr schrie: Tue es nicht! Aber sie tat es. Legte ihre Fingerspitzen daran, um festzustellen, ob eine Gefahr davon ausging. Das tat es gewiss. Gegen sie angewandt? Sicherlich.  

Schließlich lehnte die junge Frau sich zurück, pustete eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Einatmen. Ausatmen. "Das ist echt gruselig. Ich weiß nicht, wie Sie das machen, aber es ist verstörend." Obwohl Faith sich gut hielt, fand sie. Kein Schreien, kein hysterisches Aufstehen. Keine Szene. "Und Sie glauben wirklich daran, nehme ich an?" Das schlimmste an der Sache aber war: Sie glaubte es fast schon selbst. Was ihre Albträume bevölkerte, das hatte schon lange angefangen, sich real für sie anzufühlen. Faith wollte es nicht glauben wollen. Sie wollte, dass sich das hier als gut gemachtes Gaukelstück herausstellte. Bitte - sie wollte es einfach.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mi 12 Okt 2016 - 0:08

Die Tasse, die auf den Unterteller klirrte, brach die kurze, hypnotische Stille, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte. Dan war seltsam ruhig. Er konnte nun nichts mehr tun, es lag an ihr, wie sie reagierte, wie sie damit umging. Was sie nun tat, war nicht mehr von ihm abhängig. Er zuckte zusammen, als ihre Finger seine Hand berührten, die im Zwischenstatus zwischen Wolf und Mensch erstarrt war. Es war ein anstrengender Balanceakt, den er und der Wolf da hielten - sie mussten gegeneinander ankämpfen, sie mussten um die Kontrolle zerren, und dieses Zerren gleichzeitig auch noch auf genau dieses eine Körperteil fokussieren. Dabei darauf Rücksicht nehmen, den anderen nicht aus Versehen zu überrumpeln.

Dan atmete tief durch, als ihm bewusst wurde, dass noch er noch nie in Wolfsform einen anderen Menschen berührt hatte. Kein einziges Mal. Vor allem hatte noch nie ein Mensch ihn berührt. Es war ein völlig neues Gefühl, dass da durch seine Pfotenhand floß, elektrisierend und beängstigend wild gleichzeitig. Er fühlte den Instinkt des Wolfes, zu jagen, zu töten, zu beißen. Er ließ ihr die Zeit, das Ganze zu untersuchen, doch irgendwo in seinem Inneren begann der Zorn zu brodeln. Ein Trick? War das ihr Ernst? Er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass sie davon ausging, dass er das Ganze hier zum Spaß machte. Faith rupfte ihm ein paar Haare aus, dann wagte sie sich an den Bereich vor, den sie bisher ausgespart hatte - ob bewusst oder unbewusst konnte er nicht sagen, er konnte es nur nachvollziehen. Die wölfische Wut über ihre Reaktion ließ seine Krallen noch ein Stück wachsen. Dem Wolf schmeckte es gar nicht, als Trick bezeichnet zu werden.

Sie strich über das spitze, scharfe Ende seiner Krallen. Drückte leicht dagegen. Nicht so sehr, dass sie blutete, sie war behutsam, vorsichtig. Aber ausreichend, um zu erkennen, dass das hier keine Plastikimitate waren. Dann ließ sie seine Hand wieder los, lehnte sich zurück. Er atmete fast gleichzeitig mit ihr ein und zog dann seine Hand zurück, legte sie unter dem Tisch auf den Schoß. Die Cafébesitzerin warf ihnen die ganze Zeit schon Blicke zu, er wollte es nicht noch länger riskieren. Innerlich kämpfte er mit dem Wolf, der seiner Wut freien Lauf lassen wollte, der in seiner ungestümen Impulsivität auf sie losgehen wollte, ihr zeigen wollte, dass ich alles andere als ein scheißverdammter Trick bin, brüllte es in seinem Hinterkopf. Irgendwie bezwang er den Wolf wieder, unter dem Tisch knackte es leise, als die Fingerknochen wieder kleiner wurden und dabei ein paar mal die Gelenke durchstießen, die sie voneinander trennten.

Faith hatte sich inzwischen wohl wieder gefasst, zumindest begann sie zu sprechen. DARAN GLAUBEN? DARAN. GLAUBEN?!, brüllte der Wolf wieder los, stinksauer. Dan wurde von seiner Welle der Aggression mitgerissen und lachte bitter auf. "Ist das Ihr Ernst?", fragte er bitter. Es machte ihn so unglaublich wütend, weil er ihre Reaktion verstehen konnte. Ihre Wortwahl war denkbar unglücklich: ihre Worte waren eins zu eins die gleichen, wie die, die sein Therapeut ihm damals an den Kopf geknallt hatte, als er ihm von seinen Alpträumen erzählt hatte. Sie hatte es mit den wenigen Sätzen geschafft, nicht nur den Wolf in ungestüme Wut zu versetzen, sondern auch noch Dan zu verärgern. Nein, nicht zu verärgern - eine Mischung aus Schmerz und Hass, Hass gegen seine Werwolfseite, die sie damit heraufbeschworen hatte, Schmerz, weil sie ihm nicht glaubte. Nicht glauben wollte, konnte, würde?

Er fühlte, wie er anfing zu zittern, fast schon zu beben. Ein Unbeteiligter könnte wohl glauben, ihm wäre eiskalt - wäre da nicht der Ausdruck in seinen Augen, in denen der wuterfüllte Schmerz stand. Ich muss hier raus, schoß es durch seinen Kopf. Je nachdem, was sie sagte, je nachdem, was der Wolf dachte, den er gerade mit aller Gewalt auszublenden versuchte, würde er sich hier und jetzt komplett verwandeln. Das würde lustige Schlagzeilen geben. Was Jareth wohl dazu sagen würde? Er würde ihn im Artikel bestimmt wiedererkennen, welche Coverstory sie sich auch einfallen ließen.

Dann griff kontrolliert ruhig in seine Hosentasche, zog einen Geldschein heraus. 10$, viel zu viel, aber es war ihm egal, er konnte nicht auf das Wechselgeld warten. Er stoppte kurz über der Tischoberfläche ab, damit er das Geld nicht darauf knallte und so die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog. Dann schob er ruckartig seinen Stuhl nach hinten. "Kommen Sie mit! Ich zeige Ihnen, an was ich alles glaube." Er war bemüht darum, seine Stimme leise zu halten, denn er konnte das wölfische Knurren und den leicht animalischen Tonfall daraus nicht verbannen. Dann stand er auf, griff nach seinem Mantel, der über der Stuhllehne gelegen hatte und verließ das Lokal, ohne ihre Reaktion abzuwarten oder sich zu ihr umzudrehen.

Der Wolf wollte raus. Er wollte rennen, brüllen, irgendwas in Stücke reißen. Wenigstens laufen, laufen bis er die Ballerina aus seinen Gedanken vertrieben hatte. Dan hoffte und fürchtete, dass Faith ihnen folgen würde. Er versuchte sich einzureden, dass es ihm egal war, ob sie hinter her kam oder nicht. Sollte sie doch machen, was sie wollte. Es war eh alles eine riesengroße Scheißidee gewesen, sie anzusprechen, ihr irgendwas von sich zu offenbahren. Wie war er auf den Trichter gekommen, dass daraus irgendwas positives hätte folgen können?

Seine heftigen, wütenden Schritte hallten durch die um diese Uhrzeit recht stille Stadt, auf dem schnellsten Weg irgendwo hin, wo er sich ein wenig verstecken konnte, wo er sich verwandeln konnte. Wo er dem heftigen Drang des Wolfes, der nicht nachlassen wollte und gegen seine Barrieren anrannte, nachgeben konnte. Nach wenigen Minuten war er am Stadtpark angekommen. Er wollte nicht näher darüber nachdenken, dass er gerade langsam genug gelaufen war, dass Faith ihm folgen konnte, ziemlich problemlos sogar.
Er lauschte auf die Geräusche in seiner Umwelt. Nein, es waren um diese Uhrzeit keine Menschen vor ihm auf der Allee, auf der er gerade angekommen war, sie war komplett ruhig. Er blieb in ihrer Mitte stehen und drehte sich um, starrte in die Richtung, aus der Faith kommen musste, wenn sie ihm gefolgt war. Sein heftiger Atem sollte ihr den Weg weisen, selbst wenn sie ihn im Park verloren hatte.

tbc: Dallas :: Parkanlage :: Baumallee
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mi 12 Okt 2016 - 14:37

Nein, es war nicht ihr Ernst. Faith hätte das offen bekennen können, aber alles in ihr sträubte sich dagegen. Wenn sie jetzt nachgab, dann musste sie im gleichen Atemzug eine Wahrheit akzeptieren, mit der sie schon seit Monaten, nein, Jahren, kämpfte. Die Monster den Albträumen, hatte sie sich immer wieder selbst beruhigt. Nur um dann über die Klarheit zu erschrecken, die sie selbst in den Albträumen aufwiesen. In ihrer Seele nistete seit dem Mordvorwurf ein Schmerz, der unaufhaltsam wucherte und Dämonen frei setzte. Jetzt war es wohl Zeit für die nächste Etappe. Das Wachen den Monstern.  

Mr. House wusste es vielleicht auch, denn die Veränderung, die in ihm stattfand, war von großer Intensität. Mit einem Male wischte irgendetwas die bisher so kontrollierte Fassade fort. Faith hatte keine Ahnung, was genau ihn so aufbrachte. Ihre Worte, die Dreistigkeit, mit der sie die bisher so sorgsam gewahrte Distanz durchbrochen hatte? Berührungen machten etwas mit Menschen. Vielleicht machten sie noch mehr mit … Nichtmenschen?

Es ging alles so schnell, so als habe die Zeit sich beschleunigt oder die Richtung gewechselt. Fieberhaft versuchte sie den Eindrücken Herr zu werden, die Gedanken auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Aber unmöglich. Eine leise Stimme, die Faith ihrem Instinkt zuordnete, warnte sie eindringlich, jetzt ja keine Dummheiten anzustellen. Was auch immer mit Mr. House los war, er war unfassbar verändert und es wäre einfach nur töricht, nicht davor zurück zu schrecken. Wenn ein Mann einem sagte, dass er einem zeigen wollte, woran er glaubte und das mit so einer Stimme, solch' einem Blick in den Augen. Was bitte sollte daraus anderes entstehen als heilloser Ärger? Wenn nicht sogar Gefahr für sie? Ja, das klang vernünftig, sie würde hier bleiben. Sollte Mr. House eben allein in die Nacht hinausgehen. Wen interessierte das?

Also sah sie ihm dabei zu, wie er aufstand. Zwang sich zu gewollter Kühle im Angesicht dessen, dass er die Einladung bezahlte, die sie ausgesprochen hatte. Faith rührte sich auch jetzt nicht, starrte stoisch auf ihre gefalteten Hände. Wenn sie ihm ein paar Minuten Vorsprung ließ, dann konnte sicher ausgeschlossen werden, dass sich ihre Wege nochmals kreuzten heute Nacht. Dann jedoch begann ihr langsam zu dämmern, dass Mr. House für sich selbst vielleicht eine größere Gefahr darstellte als für sie. Er war nicht bei Sinnen, da war sich die Ballerina gewiss. Dieses monströse Ding in ihm mochte seinen Anteil daran haben, vielleicht war es stärker und rang um die Herrschaft mit ihm. Faith bekam wachsend Angst, die Unruhe steigerte sich mit jeder verrinnenden Sekunde. Schließlich erhob sie sich kurz entschlossen und bedachte Dotti im vorbei eilen nur noch mit einem: "Ich erkläre dir alles später. Das Geld liegt auf dem Tisch, der Rest ist für dich."

Draußen sah sie sich um, erkannte Mr. House aber nur noch als schemenhafte Silhouette in der Ferne. Zuerst beschleunigte sie ihre Schritte, um den Abstand zu verringern. Blieb ihm danach aber nur auf den Fersen, in einem gemäßigten Abstand, nur um sicher zu gehen, dass er unterwegs nicht von irgendeiner Brücke sprang oder sonst wie zu schaden kam.

TBC: Dallas/Parkanlage/Baumallee
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mi 19 Okt 2016 - 17:49

CF: Zeitsprung | Geschäftsviertel | Hotel | Zimmer 17 - Jade Domingo (+Diego Domingo)

Nachdem Diego seine Schwester für seine Verhältnisse sanft aus dem süßen Land der Träume geholt hatte, hatte er sie mit sanfter Gewalt ins Bad ihres Hotelzimmers manövriert und dazu genötigt, eine heiße Dusche zu nehmen. Nicht nur, um die letzten Reste der vergangenen beschissenen Nacht wegzuspülen und ihre Lebensgeister zu wecken, sondern viel mehr, um dafür zu sorgen, dass sie wieder halbwegs wie ein Mensch aussah - und noch viel mehr wieder wie einer roch. Jade konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal eine derart sanfte Seite an ihrem Bruder erlebt hatte, hatte er sie doch früher schon mit wachsender Begeisterung, ähnlich wie ihre Mutter, mit Krach, Geschimpfe oder wenn alle Stricke gerissen waren - was bei Jade doch auffallend oft der Fall gewesen war - mit einem Eimer kaltem Wasser. Als Jade aus der Dusche gekommen war und wieder einigermaßen vorzeigbar aussah, erinnerte sie sich auf Diegos Angebot auf ein üppiges Frühstück. Und noch viel mehr erinnerte sich ihr Körper daran, wie lange sie ihm die so sehr geliebte Nahrung verwehrt und stattdessen durch Alkohol ersetzt hatte, was sich in einem lauten Knurren ihres Magens äußerte.
"Für ein anständiges Frühstück würde ich töten", knotterte sie, mittlerweile wesentlich wacher, als etwa eine halbe Stunde zuvor, allerdings noch immer deutlich zerknautscht.

Es tat gut, wieder einigermaßen frische Luft zu atmen, auch wenn die Temperaturen bereits an diesem Morgen wieder ziemlich hoch waren, sodass man eigentlich schon jetzt kaum mehr von "frisch" reden konnte. Aber das war ja immer Auslegungssache. Auf dem Weg vom Hotel zur Sapphire Alley redeten sie beide nicht viel, was für Jade zumindest ungewöhnlich, in Anbetracht der jüngsten Ereignisse aber auch nicht weiter verwunderlich war. Erst als sie die Gerüche nach frischem Kaffee und verschiedenem Essen schnupperte, schien sich etwas in ihr zu regen und sie zum Leben zu erwachen. Ohne Diego auch nur eine Chance zu geben, seine eigenen Essenswünsche zu äußern, steuerte sie ziemlich zielstrebig den Mexikaner weiter hinten in der Straße an und ließ sich eher undamenhaft in einen der Stühle, die vor dem Laden standen, nieder. "Hunger...", grummelte sie vor sich hin und fühlte sich, als könnte sie sich einmal quer durch die Speisekarte fressen und dazu kannenweise Kaffee in sich reinschütten.

Erst als sie beide ihre Bestellung aufgegeben hatten, bei der die Augen des jungen Kellners zusehends immer größer wurden und als dieser im Innern des Ladens verschwunden war, widmete sie ihre Aufmerksamkeit voll und ganz ihrem Bruder. "Frühstück war eine sehr gute Idee", lobte sie Diego und klang dabei beinahe wie jemand, der seinen Hund für ein besonders tolles Kunststück lobte. Fehlte nur das Patten des Kopfes und das Zuwerfen eines Leckerlies. Ohne weitere Umschweife kam sie dann aber doch direkt zum Punkt. "Also kümmern wir uns um Unterstützung von Lily und Dean, eh?" Überraschenderweise erinnerte sie sich ausgesprochen gut an die Gespräche der letzten Nacht. Der Stich in ihrem Herzen, als sie daran dachte, warum Diego zurück gekommen war und nun hier mit ihr saß, erinnerte sie an den Rest. "Wir beide gegen den Rest der Welt..."
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Do 20 Okt 2016 - 14:29

CF: ZEITSPRUNG - Geschäftsviertel - Hotel - Zimmer 17 - Jade Domingo (+Jade Domingo)

Seine Gestaltwandlernase war verdammt erleichtert darüber, dass seine Schwester nicht mehr wie eine wandelnde Schnapsbrennerei stank. Bei aller Liebe, aber ohne den Tequila und die Pillen in seinem Blutkreislauf, die so gut wie alles gedämpft hatten, war der Geruch wirklich kaum zu ertragen gewesen. Allerdings hatte er die leise Vermutung, dass er selbst in diesem Zustand nicht sonderlich viel besser gerochen hatte.
Jades Haut duftete jetzt, als hätte sie eine ganze Flasche Duschgel darauf verrieben. Irgendwie war Diego dankbar, dass sich diese intensive olfaktorische Belästigung nach einiger Zeit etwas verflüchtigen würde. Er war sich nicht sicher, ob er Kokosnuss-Jade wirklich so viel besser fand als Schnapsbrennerei-Jade. Das Leben mit einem so empfindlichen Geruchssinn war hart.
Immerhin sah sie deutlich besser aus, als sie aus dem Bad herauskam. Sie war immer noch blass, aber das war bei Jade normal. Mit der hellen Haut und der dunklen Schminke erinnerte sie manchmal an einen Waschbär, wenn sie frühmorgens nach einem Saufgelage nach Hause kam.

Auf dem Weg in die Alley verstanden sie sich auch ohne Worte - obwohl sogar Diego auffiel, dass seine Schwester verdammt still war. Normalerweise plapperte sie wie ein Wasserfall. Normalerweise hatte sie aber auch nicht gerade ihre ganze Familie zu betrauern. Wenigstens hatte sie ihm die Sache mit der Entführung verziehen. Hoffte er jedenfalls. Bei Frauen war das nie so sicher. Die hatten allesamt ein Gedächtnis wie ein Elefant, und erinnerten sich an jeden Fliegenschiss, den man irgendwann angestellt hatte. Dabei hatte er sich letzte Nacht sogar entschuldigt. So zahm wie im Moment würde sie ihn wohl nie wieder erleben. Es half, wenigstens seine Schwester wieder zu haben. Wenigstens eine einzige Konstante in seinem Leben zu behalten. Es würde nicht lange dauern, bis Diego wieder ganz der Alte war. Jade hatte allerdings auch vorher schon einen Sonderstatus gehabt - ungeachtet aller Liter eiskalten Wassers, Mordversuche oder sonstiger Streiche, die er ihr gespielt hatte.

Er folgte Jade in das mexikanische Restaurant und bestellte ähnlich wie sie quer durch die Speisekarte. Die Frage des Kellners, wann denn die anderen Gäste kommen würden, schmetterte er mit einer unwirschen Bemerkung ab. Der Idiot sah doch, dass sie bereits zu zweit waren! Ihr Lob brachte ihr ein kurzes Stirnrunzeln seinerseits ein. "Ich weiß doch, dass du unausstehlich bist, wenn du hungrig bist." knurrte er, bereits wieder in seinem normalen Tonfall. Die barsche Antwort sollte überspielen, dass er sich doch Gedanken machte. So dünn, abgekämpft und hohlwangig hatte er seine Schwester noch nie gesehen. Und noch nie so ernst und zielstrebig. Purer Eigennutz, redete er sich ein. Wenn Jade auch wegfiel war er allein.
"Lily?" echote er begriffsstutzig, ehe ihm einfiel, dass das die Maiglöckchenterminatrix aus dem Dashing Venue war. Dann nickte er.
"Genau." Keine berauschenden Aussichten, mit zwei halb Fremden zusammenzuarbeiten. Aber besser als Nichts. "Wo fangen wir an? Im Dashing Venue? Oder bei diesem Dean?" Zum Glück war Jade um einiges kontaktfreudiger als er.
Als ihre Stimme leiser wurde versenkte er sich vorsichtshalber in der Kaffeetasse. Wir beide gegen den Rest der Welt. Er fühlte sich wie mit zwölf. Damals hatte sie fast dieselben Worte ihm gegenüber benutzt. Er konnte sich nicht mehr an den Anlass erinnern, aber an den feierlichen Gesichtsausdruck der damals Vierjährigen, als sie ihm ihren kleinen Finger hingehalten hatte, damit er einhakte.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Sa 22 Okt 2016 - 15:04

Jade gab ein leises Glucksen von sich, als Diego den offensichtlich ebenso überforderten wie verwirrten Kellner unwirsch davonjagte, damit das bestellte Frühstück schnellstmöglich seinen Weg auf ihren Tisch und in ihre Mägen fand. Fingerspitzengefühl war eben nicht jedermanns Sache und Diegos schon gar nicht. Er war im Gegensatz zu seiner jüngeren Schwester schon immer der Kerl fürs Grobe gewesen, während Jade sich schon als Kind darauf verstanden hatte, zu klauen, was nicht niet- und nagelfest war. Einfach nur, weil sie es konnte und es ihr Spass gemacht hatte. Daran hatte sich auch bis heute nur wenig geändert, mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich dank ihrer geschickten Finger gelegentlich ein kleines "Taschengeld" hinzuverdienen konnte, ohne sich groß anstrengen zu müssen.
Diegos Feststellung, dass sie unausstehlich war, wenn sie hungrig war, kommentierte sie mit einem Grinsen. "Tut mir leid, um die Dinge die ich gesagt hab', als ich hungrig war", gluckste sie. Heute war Diego zumindest noch ziemlich ungeschoren davongekommen. Es hatte auch schon andere Tage gegeben, an denen die junge Wandlerin wirklich ungeniessbar gewesen war, einfach nur, weil sie hungrig gewesen war.

Der Kellner brachte die erste Runde riesiger Kaffeepötte und die erste Runde des Frühstücks, fast als hätte er das Gespräch belauscht und wollte verhindern, dass Jade - als hungrige, tickende Zeitbombe - ausgerechnet während seiner Schicht explodierte. Erst als er wieder im Innern des Ladens verschwunden war, reagierte Jade auf die weniger intelligente Nachfrage ihres Bruders. "Ja, Lily. Ich glaub' zumindest, dass sie so hiess", überlegte sie laut und gönnte sich einen grossen Schluck Kaffee. "Aber ja, ich mein die Süsse aus dem Puff oben im Industriegebiet." Ob 'süss' allerdings für die Eisprinzessin war, war höchst fraglich. Wobei Jade sich noch nie um irgendwelche gesellschaftlichen Normen geschert hatte. Wenn sie das je getan hätte, sähe ihr Leben womöglich anders aus. Womöglich hätte sie sich vielleicht dazu überreden lassen, irgendeinen Typen zu heiraten, ihm einen Stall voll Kinder in die Welt zu setzen und grosszuziehen und den Haushalt zu schmeissen, wo wie ihre Mutter es getan hatte. Aber Jade gab einen Dreck auf Stereotypen. Und genau deswegen störte sie sich auch kein Stück an den Eigenheiten der Eisprinzessin aus dem Puff.  
Beinahe beiläufig fischte sie nach der Zeitung, die auf dem Nachbartisch lag und die scheinbar jemand dort vergessen hatte. Während sie einigermassen zufrieden an ihrem Frühstück knabberte und den Kaffeepott leerte, blätterte sie durch den Newsflash und blieb plötzlich stutzig auf einer Seite kleben. "Eh, hier!" Sie deutete auf eine  von vielen Stellenanzeigen. Diese war ausgeschrieben vom "Mechanic's Paradise". War das nicht das Logo, das auch auf der Visitenkarte geprangt hatte, die sie von Dean bekommen hatte? "Das ist die Werkstatt des Gringos." Da Cas tot und Ava verschwunden war, konnte sie ihren Job in der Werkstatt vergessen. Es war schade um die Jungs dort, sie hatte sie gern gehabt. "Ich glaub, bei dem schau ich die Tage mal vorbei", entschied sie kopfnickend, um Diegos Frage damit zu beantworten. "Lass uns erst Lily fragen." Ausserdem waren die Drinks im Dashing Venue verdammt gut. Und ihr als Frau dürfte es wohl nicht schwer fallen, einen der Schlipsträger dort dazu zu bringen, ihr die Drinks zu bezahlen.


Zuletzt von Jade Domingo am Fr 28 Okt 2016 - 22:08 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Mo 24 Okt 2016 - 10:51

"Ein Scheiss tut dir leid." knurrte er zurück. Er wusste es besser. Jade redete manchmal so viel, dass sie sich unmöglich an alle ihre Ausfälligkeiten erinnern konnte - also wusste sie garantiert auch die Hälfte ihrer Boshaftigkeiten nicht mehr, die sie in hungrigem Zustand großzügig auf ihre Familienmitglieder verteilte. Verteilt hatte. Zumindest in dieser Hinsicht trat manchmal ihre Verwandtschaft zu Abuela Evita zutage. Fluchen und schimpfen konnte Jade wie ein Rohrspatz.
Diego stierte misstrauisch in seine Kaffeetasse, als der Kellner sie vor ihm hinstellte. "Das Spülwasser da kannst du gleich wieder mitnehmen, cabron!" fuhr er den Kellner an und hielt ihm anklagend die Tasse mit dem dünnen Kaffee unter die Nase. "Bring richtigen Kaffee oder lass es bleiben." "Richtiger" Kaffee war in Diegos Fall etwas, das pechschwarz und undurchsichtig war, und in etwa die Konsistenz von Teer hatte. Und dieser Idiot von Kellner lernte das besser schnell.

Er verzog sich mit Lichtgeschwindigkeit wieder. Diego füllte seine Tortilla mit Rührei, Käse, Salsa, Speck und Tomaten und biss herzhaft hinein, während Jade redete. Kauend überlegte er.
"Genau, die. Keine Ahnung, ob ich die "süß" nennen würde, die hat n ziemlichen Knall." Wobei das an sich kein Ausschlusskriterium war, Diego mochte Frauen, die ein wenig neben der Norm waren in ihren Handlungen und Entscheidungen. Aber die Blonde war einfach zu weird. "Ayana, Lilly of the Valley, Scythe" ratterte er sämtliche Synonyme herunter, die sie ihm genannt hatte. Sein Gedächtnis funktionierte alkoholbedingt nicht immer, aber an diese Szene konnte er sich erinnern. Der Moment, in dem er aus dem lilafarbenen Leichenwagen aussteigen wollte war einer der letzen hellen Momente von letzter Nacht. Er konnte sich überdeutlich an Ayanas Begriffsstutzigkeit erinnern. Und an ihren frischen, sauberen Duft, den Geruch der Ledersitze im Auto, die leisen Klänge von Nightmare before Christmas und das Gefühl der Pillen, die in seiner  Hosentasche gegen seinen Oberschenkel drückten. Alles danach war dunkel.

Der Kellner näherte sich wieder, mit einem neuen Kaffee und einer Kanne in den Händen. Diego sah ihm wortlos zu, wie er neuen Kaffee einschenkte, der sich deutlich von dem durchsichtigen Zeug von vorhin unterschied. "Geht doch", knurrte er, während Jade in einer Zeitung blätterte. Er warf einen Blick in die Tasse seiner Schwester. "Ist mir ein Rätsel, wie du das Zeug trinken kannst."  Allerdings schmeckte es wohl anders, wenn man haufenweise Zucker und Sahne in den Kaffee kippte. Neugierig linste er dann dorthin, wo Jade mit dem Finger hintippte. Eine Stellenanzeige? Wirklich? Wo sie sich doch mit ihren langen Fingern auch so ausgezeichnet um ihren Lebensunterhalt kümmern konnte?
Dann begriff er, was sie ihm sagen wollte. Er nickte bedächtig. "Okay. Mit den Männern kannst du sowieso besser." gab er knurrig zu. Allerdings war nicht sicher, ob Diego mit dieser speziellen Frau wirklich ein ähnliches Händchen hatte wie Jade mit Dean. Normalerweise fiel es ihm leicht, eine Frau um den Finger zu wickeln. Aber diese Lily war ein Sonderfall. Er probierte den Kaffee und schüttete sich die Tasse anschließend fast in einem Schluck in den Rachen. Perfekt. - Man musste nur deutlich formulieren, was man haben wollte.
Diego warf einen Blick auf die Uhr. "Von mir aus können wir gleich nach dem Frühstück gehen. Der Laden hat schon auf." Sie hatten fast den ganzen Tag verschlafen.
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BeitragThema: Re: Sidewalk Restaurants & Cafés   Fr 28 Okt 2016 - 22:44

Jade verzog ihren Mund zu einer Schmollmiene. Erwischt. Natürlich hatte Diego recht. Natürlich tat es ihr einen Scheiss leid. Warum sollte sie sich dafür entschuldigen, wenn es irgendjemand wagte, ihr das Essen zu versagen? Das war doch ein klassischer Fall von "selbst Schuld!" Sie versteckte ihr breites Grinsen hinter der leeren Kaffeetasse, die sie vielsagend in die Luft hielt, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie mehr davon wollte, während Diego dem armen Kellner das Leben zur Hölle machte. Als ob der Kerl etwas für die Scheisse konnte, die sie beide gerade durchmachten. Aber es traf besser den Kellner, als sie. Wenn Diego keine Laune hatte, war er unausstehlich. Also im Prinzip fast immer, im Gegenteil zu der sonst so quirligen Mexikanerin.
Halbwegs geduldig wartete sie auf die nächste Fuhre Kaffee, während sie die nächste Tortilla in Rekordzeit vertilgte. "Ja, ein wenig loco ist sie. Aber ich mag sie. Sie ist cool." Nachdenklich kaute sie auf ihrer Unterlippe herum und spielte mit der kleinen Metallkugel, die daran hing. "¡Sí! Jetzt, wo du es sagst. Ja, so heisst sie!" Dass sie beide von derselben Frau sprachen, war nun eigentlich schon wieder ein alter Hut, aber Jade freute sich darüber, dass ihr der Name der Eisprinzessin wieder eingefallen war, jetzt, wo Diego ihn - oder viel mehr all ihre Namen - erwähnt hatte. Mit staunendem Gesichtsausdruck musterte Jade ihren Bruder. "Wow. Dass du dir all die Namen merken kannst, hermano..." Sie konnte schliesslich froh sein, wenn sie ihren eigenen Namen nicht vergass.

"Oh, natürlich kann ich das! Gegen la zorra kam bisher noch niemand an", grinste sie verschwörerisch und stellte für sich selbst fest, dass das alte Pseudonym, das sie während ihrer Zeit beim Kartell verwendet hatte, sich seltsam befremdlich in ihren eigenen Ohren anhörte, als rede sie über eine vollkommen andere, fremde Frau. Und im Prinzip war es so. Sie redete über ein Leben, das schon lange vorbei und nicht mehr existent war. Nachdem sie den letzten Bissen ihres Frühstücks verschlungen hatte und nun deutlich versöhnlicher gestimmt war, jetzt, wo der Bärenhunger fürs Erste gestillt war, warf Jade einen Blick auf die Digitaluhr des Handys. Diego hatte recht. Andere hätten das "Frühstück" der Domingo-Geschwister wohl eher als "Dinner" bezeichnet, immerhin würde die Sonne schon bald untergehen. "Okay, also gut. Gehen wir in den Puff!", grinste sie und fast erinnerte sie wieder an die fröhliche, unbekümmerte junge Frau, die sie bis vor kurzem noch gewesen war. "Die Drinks dort sind echt klasse." Das war doch immerhin eine Erwähnung wert. Und die Mädels erst!

TBC: Nightlife | Tabledance Bar 'Dashing Venue' | Bar (+Diego Domingo)
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