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 Zimmer 17 - Jade Domingo

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Bauamt
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BeitragThema: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 22 Feb 2016 - 21:11

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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Di 20 Sep 2016 - 20:07

"Ich glaube an gar nichts", antwortete Jade monoton, während sie das Amulett vorsichtig in ihren Händen drehte, als befürchte sie, es zerbreche jeden Moment, wenn sie nicht vorsichtig genug war. Es war alles, was ihr von ihrer Mutter geblieben war. Das Amulett und die Erinnerungen. Erinnerungen daran, wie mamá zeternd hinter ihr stand, um sie zum gefühlt tausendsten Mal darüber zu belehren, dass sie nie einen anständigen Mann finden würde, wenn sie nicht endlich kochen und nähen lernte und dass sie gefälligst aufhören sollte, Luftschlösser zu bauen. Jade hatte das Gezeter immer geflissentlich ignoriert, zum Leidwesen ihrer Mutter. Und nun würde sie nie die Chance haben, ihr zu sagen, dass sie ihr nie ein Leid zufügen wollte, dass es nie ihre Intention gewesen war, ihrer Mutter das Herz zu brechen, ihr zu sagen, dass sie sie liebte... geliebt hatte. "...nicht mehr." Jade war entgegen der Erziehung ihrer Eltern - insbesondere ihrer abergläubischen und religiösen Mutter - nie sonderlich gläubig gewesen. Vielleicht gab es el Dios irgendwo, aber definitiv nicht in einem verseuchten Rattenloch wie Acapulco. Oder hatte ihn vielleicht irgendwann einmal gegeben. Doch das bisschen Glaube, das vielleicht irgendwann mal in ihr gesteckt hatte, war davongeweht worden, wie ein vertrocknetes Blatt in einem Herbststurm.

Aufmerksam folgte der ausdruckslose Blick jadegrüner Augen der Bewegung von Diegos Hand, die auf den Nachttisch griff und sich eine der Flaschen aus der Papiertüte fischte, ehe sie es ihrem Bruder gleich tat und sich die andere Flasche unter den Nagel riss. Es würde nicht reichen, die Leere zu betäuben, bei weitem nicht. Aber es war ein Anfang. Sie dachte gar nicht daran, das Amulett aus der Hand zu geben, also drehte sie den Flaschenverschluss kurzerhand mit den Zähnen auf, ehe sie die Flasche ansetzte und grosszügige, gierige Schlucke daraus trank. Der Fusel brannte auf ihrer Zunge und in ihrem Hals, bis hinunter in ihren Magen. "Hatte", korrigierte sie Diegos Worte und klang dabei bissiger, als beabsichtigt. Als Diego seine Aufzählung beendet hatte, genehmigte sie sich einen weiteren kräftigen Schluck aus der Flasche. "Also alle." Ausser dich und mich. Im Prinzip waren sie beide sogut wie tot. Jetzt machte gran jefe ernst. Und je länger Jade den zähflüssigen Brei in ihrem Schädel, der vor einiger Zeit vielleicht einmal ein halbwegs funktionierendes Gehirn gewesen war, bemühte, umso sicherer wurde sie sich, dass diese ganze Scheisse von vornherein ein abgekartetes Spiel gewesen war und der Boss seine Chance gewittert hatte, sich seiner grössten Gefahr zu entledigen.

Diegos Gegenfrage quittierte sie mit einem humorlosen Lachen und entblösste dabei eine Reihe weisser und verflucht scharfer Zähne. "Ojo por ojo, diente por diente. Er wird nicht aufhören, bis er unsere Köpfe auf einem Silbertablett serviert bekommt." Als wäre das die Neuigkeit des Jahres. "Er hält uns für die Beute, ohne zu sehen, dass wir Jäger sind." Ein weiterer grosszügiger Schluck aus der Flasche. "Er hat einen entscheidenden Fehler begangen." Ein gefährliches Lächeln breitete sich auf den blassen Lippen der Wandlerin aus. "Er hat uns nicht getötet, als er die Chance dazu hatte. Ich will Rache, Diego. Und wenn es verdammt nochmal das Letzte ist, was ich tue. Wenn er mich will, kann er mich haben, aber ich schwöre dir, wenn ich untergehe, nehme ich alles und jeden um mich herum mit. Ihn allen voran. Also ja, ich will verdammt nochmal wissen, wie sie gestorben sind. Sie waren auch meine Familie." Und sie musste ihren Hass füttern, sogut es ging, hatte sie doch sonst nichts, was sie antrieb. Und sie brauchte dringend ein Gefühl, das den Schmerz und die Schuldgefühle verdrängte.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mi 21 Sep 2016 - 13:39

Diego machte keine Anstalten, sie daran zu hindern, sich noch mehr Tequila in den Hals zu schütten. Obwohl alles in dem Raum dagegen sprach. Es sah aus, als würde hier schon wochenlang ein Alkoholiker hausen. Und das, obwohl die Zimmermädchen zumindest ab und zu aufräumen mussten. Der Wandler war sich sicher, dass sein Zimmer genauso aussehen würde, wenn er nicht die zeit damit verbracht hätte, auf der Flucht zu sein und seinen erneuten Grenzübertritt so reibungslos wie möglich zu gestalten.
Ausserdem war es sinnlos, seiner Schwester irgendetwas zu befehlen. Jade hatte sich noch nie um irgendwelche Anweisungen geschert, und meistens stachelte sie ein Verbot nur umso mehr an, ihren Dickkopf durchzusetzen. Diego verzog die Lippen kurz, als sie ihn korrigierte. Richtig, hatte. Er wusste nicht genau, welche Reaktion er erwartet hatte. Aber diese kühle, distanzierte Art, mit der sie seine Neuigkeiten aufnahm machte es ihm leichter, ihr mehr zu berichten. Wenn sie geweint hätte, oder zusammengebrochen wäre, hätte er keinen Ton mehr gesagt. "Nicht alle. Abuela Evita ist noch am Leben. Ich hab sie bei Dan untergebracht. Sie kommt in den nächsten Tagen mit dem Flieger nach." Die alte Frau gleich mitzunehmen war zu gefährlich gewesen.

Er bestätigte ihre Worte mit einem knappen, ernsten Nicken. So weit war er auch schon gewesen. "Es wird sein letzter Fehler gewesen sein." Jade und Diego waren gefährlicher als alle anderen, die dem gran jefe jemals entkommen waren. Sie waren lange genug in den engeren Kreisen des Kartells gewesen, um die Strukturen zu kennen. Und sie waren zu zweit. Jade schien das genauso schnell klar zu werden wie ihm. Diego biss die Zähne aufeinander, bis sich seine Kiefermuskeln deutlich abzeichneten. Ihr Hass spiegelte seinen wieder, frisch und unverfälscht. Aber puren Hass ohne einen Plan konnten sie sich nicht leisten. Sollte sie noch ein paar Tage trinken und trauern - für einen Gegenschlag braucht er sie dann wenigstens halbwegs zurechnungsfähig.
Seine eigene Kurzschlussreaktion, in der er den Wagen in die Luft gejagt hatte, hatte jedenfalls nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Es hatte nur zwei dieser Ratten erwischt, und noch nicht einmal Wichtige.

Er gönnte sich noch einen kräftigen Schluck, bevor er loslegte.

Full Post -> FSK18 Bereich

- Ist es das, was du hören wolltest?" beendete er seinen Bericht schließlich. Seine Stimme klang ruhig, war aber bei den letzten Worten immer schärfer geworden. Er konnte den Gestank, das Gefühl bei jedem Schritt in geronnenem Blut steckenzubleiben nicht beschreiben.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mi 28 Sep 2016 - 0:58

Die Kiefer noch immer fest aufeinandergepresst, hörte Jade aufmerksam und still den Ausführungen ihres Bruders zu. Für ihre Verhältnisse viel zu still, während sich in ihren jadegrünen Augen all der Schmerz und der kalte Hass, den sie empfand, widerspiegelte und sich, je länger Diego redete, immer weiter zu einer scharfen, kalten Klinge wandelte, die Jade dem Boss mit wachsender Begeisterung in die Eingeweide rammen würde, so wie sie es mit dem Bastard getan hatte, dem sie diese ganze Scheisse hier zu verdanken hatten - mit dem kleinen Unterschied, dass sie nicht noch einmal davonlaufen würde und dass sie geniessen würde, was sie tat. Ohne Reue, ohne Hemmungen. Dafür war der Boss zu weit gegangen. Und er würde bezahlen. Mit jedem Tropfen seines verdorbenen Blutes. Einen Moment lang regte sich etwas in ihrer Miene und sie starrte Diego einen Augenblick lang nahezu fassungslos an. "Hast du gerade gesagt, abuela lebt noch?" Sie musste sich verhört haben. Abuela Evita war steinalt! Sie war zwar eine verdammte alte Hexe und machte ihren Mitmenschen das Leben mit grosser Vorliebe zur Hölle, aber dass ausgerechnet sie das Massaker überlebt hatte - "Gott hasst uns."

Prüfend schwenkte sie die Tequilaflasche hin und her, um abzuschätzen, wie viel Inhalt sie wohl noch fasste und kam zu dem Entschluss, dass es lange nicht genug war, um die Dinge zu verarbeiten, die sie gerade erfahren hatte. Vorsichtig stellte sie die Flasche auf dem Nachttisch ab, um beide Hände freizuhaben und legte sich das Amulett ihrer Mutter um den Hals und verschloss den Verschluss mühelos in ihrem Nacken. Man müsste sie ihr schon aus ihren kalten toten Fingern - oder von ihrem kalten, toten Hals - reissen. "Ich hab' noch ein paar Mitbringsel aus Mexiko da", bot sie an und holte das sorgsam verschnürte kleine Päckchen aus dem Schrank, mit dessen Hilfe sie sich ein paar Dollar hinzuverdient hatte. Die kleine Wundertüte entpuppte sich als ein Sammelsurium an Kokain, Methamphetaminen und Heroin. Das Gras hatte sie von vornherein kategorisch ausgeschlossen. Mit geschürzten Lippen und erhobenen Augenbrauen blickte sie Diego an. Einen hohen Flug und einen kräftigen Absturz wollte sie sich zumindest gönnen, ehe sie beide sich einer selbst auferlegten Aufgabe widmeten, das einem Himmelfahrtskommando glich. Sich mit dem Kartell anzulegen, glich reinstem Selbstmord, das wussten sie beide. "Und wenn ich irgendwann wieder nüchtern sein sollte, will ich jagen", ergänzte sie, noch immer merkwürdig distanziert und kühl.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Di 4 Okt 2016 - 11:47

Er vermied es immer noch, Jade anzusehen und musterte stattdessen das kleine Stück graubraunen Teppichboden, als gäbe es gerade nichts Interessanteres. Er wollte den Schmerz in ihrem Gesicht nicht lesen, genauso wenig wie er die kalte Wut sehen wollte, die er in ihrer Stimme hörte. Schon als er ihren Freund, diesen stinkenden Werwolf erschossen hatte, hatte er diesen Ausdruck gesehen. Und jetzt war er vermutlich festgebrannt in ihrem Gesicht.
Ihm wäre es lieber gewesen, wenn Jade getobt, gebrüllt und geheult hätte. Dann hätte er etwas tun können, sie in die Arme schließen können, wie damals, als sie Kinder waren. Jetzt kam er sich sonderbar ...überflüssig vor. Die Tequilaflasche in seinen Händen war etwas geworden, an dem er sich festhalten konnte. Langsam drehte er sie in den Fingern, sah zu wie die klare Flüssigkeit an den Flaschenwänden hochschwappte und wartete darauf, dass Jade etwas sagte. Er hatte einen groben Plan, aber Jade war immer schon perfider gewesen, wenn es um Rache ging. Sie konnte abwarten und Wochen, Monate später ging die Bombe hoch. Diego schlug noch im selben Moment zurück, wie die Kurzschlussreaktion mit der Autobombe eindrucksvoll bewiesen hatte.

"Ja." kommentierte er ihre Frage knapp. Gott hasste sie wohl tatsächlich. Ihre Großmutter war kein besonderer Menschenfreund, und so richtig innig war das Verhältnis der Geschwister zu ihr auch nicht. Aber sie gehörte zu La Familia, war inzwischen abgesehen von ihnen beiden der letzte Rest davon. Das hieß, es würde ihnen beiden niemals einfallen, sie im Stich zu lassen, in welcher Hinsicht auch immer. "Sie war auf einer gottverfluchten Kaffeefahrt! Ich habe den Scheisswagen mit deiner Leiche vor Pepés Bar hochgehen lassen und wollte gerade abhauen, als sie am Hauptplatz aus dem beschissenen Bus stieg. Das erste was ihr einfiel war, mich mit Vorwürfen zu überschütten, wieso niemand sie abholte um ihr Gepäck und das Teeservice zu schleppen, das sie gekauft hatte." Ein rauer Laut, der ein Lachen hätte werden sollen, kam aus seinem Hals und blieb auf halbem Weg stecken.

Er hob schließlich doch noch den Kopf und sah sie an, während seine Schwester sich das Amulett umlegte. In den jadegrünen Augen hatte sich ein kalter Glanz eingenistet, und um die sonst so weichen Lippen lag ein harter Zug. Das strähnige Haar und die blutunterlaufenen Augen ließen sie älter wirken, als sie war. ¡Coño! Das ist deine Schuld, cabrón!
Diego verfolgte mit den Blicken, wie sie ein kleines Päckchen hervorholte, das dem glich, das in seiner Hosentasche steckte. Nachdem er einen kurzen Blick hineingeworfen hatte, holte er seinen eigenen Beitrag zu der Party hervor. "Dabei." kommentierte er trocken und griff sich wahllos ein paar der Pillen, um sie in der hohlen Hand kurz zu betrachten.
Auf ihre letzte Bemerkung hin hob er den Kopf wieder und begegnete ihrem Blick. "Darauf hatte ich gehofft, hermanita."
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   So 9 Okt 2016 - 17:57

Ein grimmiges Lächeln umspielte die viel zu blassen Lippen der jungen Wandlerin, während Diego ihr von dem Grund erzählte, aus dem abuela noch lebte. Sie tat es ihrem Bruder gleich und griff wahllos nach einigen der bunten Pillen, die den Schmerz zumindest für eine Weile betäuben und die Welt in bunte, weiche Watte verwandeln würden. Noch immer viel zu still musterte sie ihren Bruder, der genauso beschissen aussah, wie sie sich fühlte - mit dem kleinen Unterschied, dass er wohl besser roch, als sie es in ihrem aktuellen Zustand tat. "Eine Kaffeefahrt, eh? Eigentlich verwunderlich, dass man sie an keiner Autobahnraststätte ausgesetzt hat", kommentierte sie anschliessend ein wenig bissiger als beabsichtigt.

Völlig undamenhaft liess sie sich neben Diego auf das zerwühlte Bett fallen und blieb rücklings liegen, während ihr Blick sich auf einen willkürlich ausgesuchten Punkt an der Zimmerdecke heftete. Sie breitete die Arme neben sich aus und blieb still liegen, wartete darauf, dass ihr Körper die Drogen in ihr Blut pumpte und sie fliegen liessen. "Eine letzte Fiesta", nuschelte sie vor sich her, wobei unklar war, ob die Worte tatsächlich ihrem Bruder galten oder ob sie eher mit sich selbst gesprochen hatte. Wer wusste schon, wann sie das nächste Mal in den Genuss kommen würden, ihre Körper gezielt dem süssen Gift auszusetzen - oder ob sie überhaupt jemals wieder dazu kommen würden. Jade hatte keine Ahnung, ob Diego schon einen Plan zurechtgelegt hatte, so wie sie ihren Bruder allerdings kannte, würden sie wohl noch erst einen ausarbeiten müssen. Auch wenn er es nicht direkt gesagt hatte, wusste sie sehr wohl, was er damit zu bezwecken versucht hatte, als Diego den Wagen mit der falschen Leiche vor der Bar hatte hochgehen lassen. "Ich bin also tot, eh? Weiss El Jefe davon?" Träge wandte sie ihr Gesicht ihrem Bruder zu, als sich die ersten Puzzleteile eines Racheplans bereits in ihrem Kopf zu festigen begannen. Wenn der Boss noch immer glaubte, dass Jade tot war, ging er womöglich davon aus, dass Diego von nun an allein agieren würde. Das Überraschungsmoment war also voll und ganz auf ihrer Seite - vielleicht.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   So 9 Okt 2016 - 22:26

Diego schnaubte leise bei Jades Worten. Ja, das wunderte ihn auch, das niemand ihre Großmutter aus dem Bus geworfen hatte. Die resolute alte Frau schien es regelrecht zu genießen, ihrer Umwelt mit ihren Boshaftigkeiten auf die Nerven gehen zu können. Und stundenlang ruhig im Bus zu sitzen, ohne dass sie irgendjemanden fand, über den sie ihr Gift verspritzen konnte - das war ziemlich unglaubwürdig. Und wenn es der Busfahrer war, den sie damit nervte, dass sie alle 30 Minuten eine Pinkelpause verlangte. Schlimmer fand er allerdings, dass sie es nicht für wert befunden hatte, zu der Feier für seinen Bruder Juan zuhause zu bleiben. Im Nachhinein war es natürlich gut, dass sie nicht erschienen war - es hatte ihr das Leben gerettet. Aber dass die eigenwillige alte Frau eine beschissene Kaffeefahrt der Familienfeier vorgezogen hatte...

Er spülte die Pillen in seiner Hand mit einem Schluck Tequila hinunter, während Jade sich neben ihm auf das Bett fallen ließ. Eine letzte Fiesta, ja. Wenn sie loslegten gab es vielleicht keine Atempause mehr. Er ließ sich neben sie fallen und landete auf ihrem ausgestreckten Arm. Falls sie das störte, würd sie ihn schon unter seinem Rücken wegziehen, wie sie das als Kind immer gemacht hatte. Er starrte ebenfalls an die Decke, als gäbe es dort irgend etwas Interessantes zu sehen.
"Du bist tot." bestätigte er knapp. Vielleicht hätte ihnen das Foto von Jades blutüberströmten Gesicht schon gereicht. Diego wünschte sich eine Zigarette, war aber zu faul, um aufzustehen und das Chaos in Jades Zimmer nach Kippen zu durchsuchen.
"Ich hab irgend eine tote Nutte in den Kofferraum gepackt und gehofft, dass niemand allzu genau hinsieht. Wenn ich nicht zuerst zuhause vorbei gefahren wäre, wäre ich direkt in die Falle gelaufen."
Seine Kiefermuskeln zeichneten sich deutlich ab, als er die Zähne aufeinanderbiss. Eine einzige, scheinbar unbedeutende Handlung, die ihm sein beschissenes Leben gerettet hatte.
"Ich hab keine Ahnung, wie viel davon übrig war, nachdem der Sprengstoff hochging. Wenn ich länger abgewartet hätte, hätte ich mehr als die zwei Ratten erwischt..." setzt er hinzu, und malte sich aus, dass im Idealfall sogar der Boss selbst einen Blick in den Kofferraum geworfen hätte. Das wäre das ideale Szenario gewesen. Stattdessen hatte er ihnen deutlich zu verstehen gegeben, dass ER noch am Leben war. Und ihnen gleich noch einen Grund mehr gegeben, ihn zu jagen.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 10 Okt 2016 - 11:27

Jade verzog keine Miene, als Diego es ihr gleichtat und sich ebenfalls rücklings auf dem Bett ausbreitete und dabei ihren Arm unter sich begrub. Früher oder später würde er wohl zwar einschlafen und sie dazu nötigen, ihn unter Diegos Körper hevorzuziehen und dafür zu sorgen, dass er wieder mit Blut versorgt wurde, doch im Moment störte es sie nicht. Vielleicht würde sie das unangenehme Kribbeln im Arm nicht einmal mehr wahrnehmen, wenn es einsetzte, vorausgesetzt der bunte Drogencocktail hatte sich bis dahin schon in ihrer Blutbahn ausgebreitet - und davon ging sie fest aus. Diegos knappe Bestätigung, dass sie, Jade Santos Domingo, nun offiziell tot war, liess sie kurz rau auflachen. Nach allem, was passiert war, war sie sich verflucht sicher, dass sie beide sowas von tot waren und dass ihr Vorhaben wohl das Letzte war, was die beiden Geschwister zusammen unternehmen würden. Der Wunsch, das Verlangen, den Tod ihrer Familie zu rächen, hatte sich zwar fest in ihrem Herzen festgesetzt und sie würde mit allen dreckigen Mitteln, die ihr einfielen und zur Verfügung standen, kämpfen, allerdings waren die Chancen, dieses Himmelfahrtskommando zu überleben verschwindend gering. Zumindest, solange sie niemanden hatten, der ihnen den Rücken stärken würde. "Diese alte bruja wird sogar uns noch überleben", murmelte sie grimmig, während sie ihren immer scheinbar immer schwerer werdenden Körper auf die Seite rollte, ihren Kopf auf Diegos Schulter ablegte und den freien Arm locker auf dessen Bauch sinken sinken liess.

Gerade war es wie früher, als sie noch Kinder waren, noch nicht vom Leben gezeichnet. Damals, als ihr grösstes Problem ihre stinkwütende Mutter gewesen war, weil sie sich wieder zu lang mit den anderen Kindern auf der Strasse herumgetrieben hatten und zu spät zum Abendessen erschienen waren. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal in den Armen ihres grossen Bruders gelegen hatte. War es wirklich, als sie noch Kinder gewesen waren? Im Moment fühlte es sich einerseits an, als sei es erst gestern gewesen. Und als sei gestern bereits seit Äonen vergangen. Die Jahre, in denen sie sich kaum gesehen hatten, während sie beide in ganz Mexiko unterwegs gewesen waren, schienen völlig bedeutungslos.

"Wir brauchen Waffen." Eine trockene, nüchterne Feststellung, die sie mehr gegen die Brust ihres Bruders genuschelt hatte. Auch wenn sich ihr Hirn gerade mehr wie eine zähflüssige Masse in ihrem Kopf anfühlte und jeder Gedanke schier ewig brauchte, um zuende gedacht zu werden, konnte sie nicht damit aufhören, ihren Rachefeldzug, den letzten grossen Akt, zu planen. Einen Moment hielt sie ganz still, als eine weitere Idee in ihrem Kopf zu reifen begann. In dem dicken Nebelschleier ihres Gedächtnisses konnte sie sich grob an den Schieber erinnern, mit dem sie vor - wie lange war das eigentlich her? - einiger Zeit den Tequilabestand der Hotelbar dezimiert hatte. "Ich glaub', ich kenn' da wen", nuschelte sie weiter.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 10 Okt 2016 - 13:40

Jade schimpfte immer noch über Abuela Evita, und Diego verzog die Lippen kurz zu einem humorlosen Grinsen. Ihm wäre es auch lieber gewesen, wenn jemand anders aus der Familie überlebt hätte. Kaum hatte er den Gedanken zuende gebracht glaubte er, die Stimme seiner Mutter zu hören wie sie ihn dafür ausschalt. ¡deberías avergonzarte, Diego! So etwas wünscht man sich nicht! Er konnte sich sogar ihren Tonfall vorstellen, und den missbilligenden Gesichtsausdruck, während sie mit einer Hand gestikulierte und mit der anderen an dem Amulett drehte - das Jade jetzt um den Hals trug. Er runzelte die Stirn und spürte gleichzeitig, wie Jade sich an seine Seite rollte und den Kopf auf seiner Schulter ablegte.
Automatisch schlang er den Arm um sie, und wunderte sich kurz darüber, wie dünn sie war. Sie fühlte sich beinahe zerbrechlich an, und dieses Adjektiv brachte er gerade um ersten mal mit seiner Schwester in Verbindung.

Die Decke machte eine Bewegung, als wäre sie flüssiger Beton, über den gerade eine Welle gelaufen war. Diego drehte den Kopf und legte sein Kinn auf Jades Kopf ab.
"Du stinkst" murmelte er protestierend, zog sie aber trotzdem fester in seine Arme. Es fühlte sich gut an, als könnte er sie wenigstens jetzt beschützen. Es triggerte irgend einen verborgenen Instinkt in ihm, auf seine Schwester aufzupassen, und es beruhigte ihn, sie so nahe und in relativer Sicherheit zu wissen. Relativ, weil sie beide bis zum Hals in der Scheisse steckten, die sie sich selbst eingebrockt hatten.
Er nickte unmerklich, und starrte über Jades Kopf hinweg die Wand an. Darüber hatte er sich schon den Kopf zerbrochen. Eine einzelne Waffe zu bekommen war nicht sonderlich schwierig. Aber für das, was sie vor hatten, würden sie auch Sprengstoff und anderes Spielzeug brauchen, was eventuell mehr Fragen aufwarf, als sie beantworten wollten. "Wir brauchen jemanden, der sie besorgen kann." kommentierte er schließlich. Seine Gedanken waren träge. Aus irgend einem Grund dachte er an die Nutte von letzter Nacht. Die GänseblümchenTerminatrix. Ayana. Wenn sie so leicht an die Drogen kam wie gestern, vielleicht war es dann auch eine Option, sie nach Waffen zu fragen. Kontakte hatte sie ganz offensichtlich ausreichen vorzuweisen.
Als Jade nuschelte, sie würde jemanden kennen breitete sich ein boshaftes kleines Grinsen auf seinen Lippen aus. "Ich vielleicht auch. - Jemand, den wir einweihen können, oder jemand der bloß liefert?"
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 10 Okt 2016 - 14:50

Jade fühlte sich wohl im Schutz der starken Arme ihres Bruders. Beinahe war alles so wie früher. Beinahe schaffte sie es zumindest für den Bruchteil einer Sekunde zu vergessen, weshalb sie hier in diesem Hotelzimmer beieinanderlagen und sich gegenseitig hielten, Schutz und vor allem Trost boten. Beinahe waren sie wieder Kinder. Aber eben nur beinahe. Die Tatsache, dass an ihrer beider Hände Blut - und nicht zuletzt auch das Blut ihrer Familie - klebte, liess sich nicht verleugnen. Daran würden wohl auch die bunten Pillen nichts ändern, sosehr sie es sich auch wünschte. "Perdona. Aber ich hielt es für klüger, ins Klo zu kotzen, anstatt in die Dusche. Und dann standest du schon vor meiner Tür." Als ob sie eine Rechtfertigung dafür bräuchte, dass sie vermutlich schlimmer stank, als eine Destille und eine alte Hafenkneipe in einem. Nur, weil er ausnahmsweise nicht so roch, tze!

"Ich bin mir noch nicht sicher", gab sie zu, "aber dieser Jemand hat meinen hübschen Hintern aus diesem dreckigen Loch, in dem du mich zurückgelassen hast, zurück in die Stadt verfrachtet. Ohne Fragen", schob sie noch nach, um eventuell aufkommende Fragen ihres Bruders direkt zu beantworten. Sie hatte es zwar vermieden, Dean allzu viel zu verraten, allerdings hatte er auch keine Anstalten gemacht, Fragen zu stellen, als er sie am Strassenrand aufgegabelt und ins Hotel gebracht hatte. Und sie rechnete es ihm nach wie vor hoch an, dass er nicht darauf bestanden hatte, sie ins Krankenhaus zu bringen, um ihre Wunden versorgen zu lassen, von denen mittlerweile kaum mehr etwas übrig war - dem Wandlerstoffwechsel sei es gedankt. "Ich glaube, er könnte ein eigenes Interesse an unserem Plan haben." In Jades Kopf verfestigte sich die Idee, Dean einzuweihen, immer mehr. Immerhin dürfte er tatsächlich Interesse daran haben, den Gran Jefe ihres ehemaligen Kartells zur Strecke zu bringen. "Ich werde ihn fragen, wenn ich wieder zurechnungsfähig bin." Glücklicherweise befand sich das Handy auf dem Nachttisch, sofern es nicht zu Boden gefallen war, und somit ausser Reichweite. Ansonsten wäre sie wohl auf die Schnapsidee gekommen, ihrem Retter noch jetzt sofort eine Nachricht zukommen zu lassen.

Jade drehte den Kopf ein wenig, sodass sie Diego ins Gesicht sehen konnte. "Wer schwebt dir vor?" Es war unwahrscheinlich, dass sie beide von derselben Person sprachen. Andererseits war es auch genauso verdammt unwahrscheinlich gewesen, dass Diego sie so schnell in Dallas aufspüren würde, als sie geflohen war. An Zufälle glaubte sie aus gutem Grund schon lang nicht mehr.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 10 Okt 2016 - 20:37

Der Gestaltwandler fand es gerade ausgesprochen amüsant, sich vorzustellen wie seine Schwester die Hoteldusche vollkotzte. Irgendeine von den Pillen brachte wohl gerade seine Endorphine zum blubbern. Er konnte seine Überlegungen dazu gerade noch zurückhalten. Jade wäre wohl gleich wieder übel geworden, wenn er jetzt ausgeführt hätte, dass bei ihrer flüssigen Ernährung in den letzten Tagen der Abfluss in der Dusche wohl auch ganz locker mit dem bisschen Mädchenkotze fertig geworden wäre. Zum Glück konnte Jade das dumme Grinsen in seinem Gesicht nicht sehen, weil sein Kinn immer noch auf ihrem Kopf lag. Es war unangebracht, aber grade fühlte er sich wunderbar schwerelos. Das Zeug war ziemlich gut, wenn es so schnell wirkte.
Diego versuchte so zu tun, als hätte er nichts damit zu tun, dass er seine Schwester vor ein paar Wochen noch beinahe umgebracht hätte. Aber natürlich rieb sie es ihm gnadenlos unter die Nase. Hatte er verdient, zugegebenermaßen.

"Ohne Gegenleistung?" fragte er nach, mit einem so grollenden Unterton, dass er sich selbst darüber wunderte wie schnell er wieder in die großer Bruder - Rolle kippte. Dabei konnte Jade mehr als gut auf sich selbst aufpassen, wie sie mehrmals bewiesen hatte. Er runzelte die Stirn. "...vergiss das." Diego folgte einer weiteren Welle, die die Wand zum Beben brachte und sich sternförmig ausbreitete. Er bildete sich ein, die Erschütterung zu spüren. "Du meinst, er hat selber problemas mit ihnen? Ein Aussteiger?"
Die Möglichkeit bestand, und es würde ihnen ausgezeichnet in die Hände spielen. "el enemigo de mi enemigo es mi amigo - frag ihn!" nickte er.
Als seine Schwester den Kopf drehte und ihn direkt ansah hielt er ihr grinsend den Mund zu. "Ehrlich, hermanita, du stinkst!" bekräftigte er nochmal, machte allerdings keine Anstalten sie von sich wegzuschieben. Die gute Laune würde nur ein paar Stunden anhalten, da konnte er sie genauso gut genießen.
"Eine von den Nutten aus dem Bordell. Sie kennt die richtigen Leute hier. Ayana oder so." Diego kratzte sich nachdenklich am Kopf und versuchte, sich an die anderen Namen zu erinnern. "Sie hat mir gestern den Stoff besorgt. Kann mit Waffen und scheint für den richtigen Anreiz alles zu machen. Ist aber ein kompletter Freak. Ehrlich, die Braut ist loco."
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 10 Okt 2016 - 21:07

"Vergessen?" Stirnrunzelnd betrachtete Jade das Grinsen, das sich auf den Zügen ihres Bruders ausbreitete und das davon sprach, dass die Pillen anfingen zu wirken. "No, ohne Gegenleistung. Ich hab' ihn auf Tequila eingeladen." Diegos Grinsen wurde nun doch irgendwie ansteckend, sodass sich auch ihre Lippen zu einem breiten Grinsen, so wie man es normalerweise von der jungen Wandlerin gewohnt war, verzogen. "Auf seine Rechnung." Das Grinsen wurde eine Spur breiter, während das bunte Pillenherz die Wärme genoss, die sich in ihrem Körper ausbreitete und sie sich federleicht und frei fühlen liess, wenngleich ihre Gliedmassen sich sonderbar schwer anfühlten, sodass sie es vermied, sich allzu viel zu bewegen und einfach an Diego gekuschelt liegen blieb. Da er keine Anstalten machte, aufzustehen, um den Gestank von mehreren Tagen Dauersuff, kaltem Nikotin und sonstigen körperlichen Ausdünstungen zu entgehen, konnte es so schlimm nicht sein, beschloss sie, war aber insgeheim froh darum, dass sie ihren eigenen Gestank selbst nicht wirklich wahrnahm.

"Sí", gab sie lediglich zurück. Gut, dass sie sich in dem Punkt schon mal einig waren und sie nicht erst mit Diego diskutieren musste, ob und wie klug es war, Dean in ihre Pläne einzuweihen. Momentan konnten sie wirklich jeden verfluchten Strohhalm brauchen, dessen sie habhaft werden konnten, um nicht gnadenlos abzusaufen. Blieb nur zu hoffen, dass ihr Sieb von Hirn sich noch an ihren festen Entschluss erinnern konnte, sobald sie wieder nüchtern und einigermassen bei klarem Verstand war. Als Diego allerdings das Bordell und die puta erwähnte, musterte Jade ihn erneut aufmerksam. "Ernsthaft? Eine puta?" Kurz dachte sie darüber nach. Gekaufte Loyalität war ja eigentlich ein alter Hut. Immerhin hatte Diego sich jahrelang damit seine Brötchen verdient. Und ob man sich jetzt für Geld ficken liess oder Leute umbrachte - Moral gehörte weder zur Grundausstattung der einen noch der anderen Branche. "Du redest aber nicht gerade von der süssen, blonden Eisprinzessin, oder? Jap, die ist völlig loco, ich mag sie. Ich glaube, sie ist die Richtige für den Job", erwiderte sie auffallend gut gelaunt, während sie sich an ihre erste Begegnung mit der kühlen Blonden in dem Puff oben im Industrieviertel erinnerte und sich ein weiteres Grinsen nicht verkneifen konnte. Sollte Diego nur rätseln, woher Jade die Kleine, die ihr mehrere Namen an den Kopf geworfen hatte, von denen sie sich aber nur an "Lily" erinnern konnte, wohl kannte.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 10 Okt 2016 - 22:12

Ja, vergessen. Dass er versucht hatte, so zu tun als wäre nichts zwischen ihnen passiert, und als könnte er einfach weitermachen wie bisher. Wobei... vielleicht konnte er das. Diego war immer schon gut im Vergessen und Verdrängen gewesen. Kein Wunder, wenn man bedachte, dass er sein Geld damit verdient hatte, Menschen umzubringen. Und das hatte ihn seltsamerweise meistens noch nicht einmal sonderlich beschäftigt. Da waren keine Alpträume oder auch nur Gewissensbisse gewesen, wenn er jemanden erschossen hatte. Keinen Gedanken verschwendete er an die Toten, nachdem er die Leichen beseitigt hatte. Erst der Auftrag, seine Schwester zu töten hatte seine ruhige Gelassenheit ins Wanken gebracht. Und nun sah er ja, was es ihnen gebracht hatte. Jede Menge Toter, die ihn tatsächlich in seinen Träumen heimsuchten. Weil diese Toten nichts mit dem zu schaffen gehabt hatten, womit er sich eingelassen hatte. Die Gedanken schwammen vorbei wie Fische in einem Aquarium - er konnte sie betrachten, aber durch das Glas nicht berühren. Es tat nicht weh, an seine tote Familie zu denken.

Jades Worte erinnerten ihn daran, dass sie immer gemütlich in seiner Umarmung lag, und er grinste wieder. Jade war noch hier. Immerhin.
"Ja, das klingt nach dir. Kein Wunder, dass er dir sofort verfallen ist, eh?" erkundigte er sich grinsend. Seine Schwester hatte vermutlich sogar in dem desolaten Zustand, in dem er sie zurückgelassen hatte, nichts von ihrer Wirkung auf Männer eingebüßt. Die freche Gestaltwandlerin hatte immer schon gewusst, wie sie bekam was sie wollte. Selbst ihn hatte sie als Kind schon oft genug um den Finger gewickelt, so dass er hinterher gar nicht mehr wusste, wessen blöde Idee es gewesen war, wenn sie irgendetwas gemeinsam ausgeheckt hatten. "Wie heißt der Kerl?" Nicht, dass er sich den Namen lange merken würde - er konnte spüren, wie sein Hirn sich mehr und mehr wie Watte anfühlte. Aber er wollte hören, ob es ein Name war, den er irgendwo zuordnen konnte - vielleicht schon gehört hatte. Und den er überprüfen konnte.

Diego nickte, mit einem albernen Grinsen im Gesicht, als hätte sie ihn aufgedeckt. Als wäre es ein großes Geheimnis, dass er sich eine Nutte gekauft hatte. "Sí" nickte er, und konnte gerade noch das infantile Kichern unterdrücken. Jade überraschte ihn wieder. "Du kennst die Nutte? ¿qué demonios... - wie kommst du denn zu der Terminatrix?" Jade und die Eisprinzessin hatten nichts, aber auch gar nichts gemeinsam! Seine Schwester sprühte vor Lebenslust, dummen Ideen und spontanem, unterhaltsamen Bullshit, der zu den unpassendsten Zeiten aus ihr hervorbrach. Und die blonde Nutte war einfach nur... weird. Eiskalt und schön, aus irgend einem Grund abartig anziehend, aber einfach durch und durch loca.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Di 11 Okt 2016 - 19:27

Das Lächeln, mit dem Jade ihren Bruder bedachte, war zuckersüss und kündete in Anbetracht der Situation, in der sie beide sich momentan befanden, nur allzu sehr davon, dass die bunte Mischung an Pillen, die sie eingeworfen hatte, nun richtig wirkte. Ihr Kopf fühlte sich weich an und wattig, was zwar einerseits dafür sorgte, dass ihre Gedankenmühlen nun wesentlich langsamer mahlten und ihre Nervenbahnen in eine dickflüssige, zähe Masse verwandelt wurden, andererseits waren der kalte Hass und der Schmerz über den Verlust ihrer Familie, ihres gesamten bisherigen Lebens, unter dicker, weicher Watte begraben und konnten ihr zumindest für den Moment nicht weiter wehtun. Das bunte Pillenherz fuhr zu seiner Höchstleistung auf und zumindest ein Teil von ihr erinnerte an die Jade, die sie vor einiger Zeit noch gewesen war, fröhlich, frech und unbekümmert. "Yup, das klingt sowas von nach mir", bestätigte sie, während sie wie ein pubertierendes Mädchen vor sich hin kicherte. "Verfallen..." Kurz schürzte sie die Lippen und dachte darüber nach, ob der Begriff wohl der richtige für den Abend mit Dean an der Hotelbar war. "Ja, ich schätze, so kann man das nennen." Es war einfach viel zu anstrengend, über einen besser passenden Begriff nachzudenken! Wobei sie ausnahmsweise davon abgesehen hatte, einen wildfremden Kerl mit auf ihr Zimmer zu nehmen. Andererseits war sie sich verdammt sicher, dass sie ihn rumgekriegt hätte, wäre das an diesem Abend ihre Intention gewesen.

Einen Moment lang blieb Diegos Frage nach dem Namen unbeantwortet. In dem Moment, in dem er sie gestellt hatte, hatte Jade die Frage auch schon gekonnt überhört und vergessen und benötigte ihrem Zustand entsprechend lange, um sich daran zu erinnern, dass ihr Bruder ihr ja eine Frage gestellt hatte, die sie beantworten sollte. "Er ist ein Gringo. Hat sich als 'Dean' vorgestellt." Es war unnötig zu erwähnen, dass sie keinen Schimmer hatte, ob es sich dabei um seinen echten Namen handelte oder nicht. Letzten Endes war es auch völlig schnuppe, wie er hiess. Viel bedeutender war, dass er ihnen womöglich helfen konnte. "Ich hab irgendwo 'ne Karte von ihm einstecken. Ich glaub', er hat 'ne Werkstatt, hier irgendwo in der Stadt." Dass sie aber auch immer an irgendwelche Schrauberjungs geriet...
Diegos verdattertes Gesicht und der perplexe Ausruf liessen Jade erneut auflachen, nur dass es ihr diesmal nur mit grösster Mühe gelang, sich wieder halbwegs zu beruhigen. "Du solltest dein Gesicht sehen, hermanito", japste sie. "Blöde Frage. So, wie ich alle Menschen kennenlerne. Ich hab' sie angequatscht." War doch auch völlig logisch. Viel eher wunderte sie sich darüber, dass Diego Lily als 'Terminatrix' bezeichnete. Der Teufel wusste, wo er diesen Ausdruck schon wieder aufgetrieben hatte. "Und dann haben wir uns nett unterhalten", erklärte sie weiter und zuckte kurz die Schultern, völlig ratlos, warum Diego da jetzt so ein riesen Ding draus machte.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Do 13 Okt 2016 - 19:14

Dieses unbeschwerte Kichern war ansteckend. Diego gluckste auch vor sich hin, bei der Vorstellung wie Jade wieder irgend einem armen Kerl den Kopf verdreht hatte. Das hatte sie immer schon gut drauf gehabt. Und nicht nur einmal hatte Diego heimlich auf sie aufgepasst, als sie anfing sich im Kartell einen Namen zu machen. Wenn sie wüsste, wie oft Diego den Falschen - vor allem den Falschen für Jade! - vorsorglich die große Klappe poliert hatte. Sie würde heute noch schmollen. Und eine schmollende Jade konnte wirklich fürchterlich anstrengend sein!
Weiber! Madre Mia, kein Mensch wusste, warum sie immer alles so kompliziert machten. Frauen, vor allem die, vor denen man Respekt hatte, gehörten nach Hause, an die Seite ihres Mannes, wo sie sich um das Essen und die Kinder kümmerten. Nicht in irgend eine verdammte Bar oder auf die Straße... oder irgendwohin, wo seine Schwester sich in den letzten Jahren herumgetrieben hatte.

Jade ließ sich mit der Antwort auf seine Frage so lange zeit, dass er sie schon fast vergessen hatte. "Dean, huh." machte er belustigt. Diego kannte zwar den einen oder anderen Dean, aber bestenfalls flüchtig. Und nicht in brauchbarem Zusammenhang.
"James cabrón Dean" grinste er zusammenhanglos, und hatte im selben Moment schon vergessen, worauf er damit hinaus gewollt hatte. Diese kleinen bunten Pillen machten seine Birne ganz schön weich. Er hatte also eine Werkstatt. Eine Werkstatt mit Autos und... Werkstatt. Hatte dieser Flohteppich, den er erschossen hatte, nicht auch eine Werkstatt gehabt? Diego versuchte, sich zu erinnern. War das ein und derselbe Kerl und er brachte etwas durcheinander? Mühsam sortierte er seine Gedanken. Nein, das war irgendwas mit K gewesen... oder so. "Das mit Cas tut mir leid." murmelte er, scheinbar zusammenhanglos. Cas! Erst als er den Namen aus seinem eigenen Mund hörte, fiel er ihm wieder ein. Richtig. Er hatte über den dämlichen Namen gelacht. Wobei ihm nicht leid tat, den Werwolf erschossen zu haben. Sondern, dass Jade dadurch jemanden verloren hatte, den sie gern hatte. Noch jemanden.
Joder, er war wirklich unglaublich high. Nüchtern hätte er sich nie-mals dafür entschuldigt.

Dafür fand Jade seinen Gesichtsausdruck lustig - wahrscheinlich sah er genauso dumm aus, wie er sich fühlte. Ja, na klar... angequatscht. Diego selbst wäre in nüchternem Zustand sicher nicht auf die Idee gekommen, ausgerechnet diese Nutte anzuquatschen. Und seine Schwester hatte sich zielstrebig die mit dem unsymphathischsten Resting Bitch Face ausgesucht. Er winkte ab. Es war egal, woher sie sie kannten. Sie war eine Möglichkeit. Eine weitere Variable in einem Spiel, in dem sie gerade erst dabei waren, die Regeln zu lernen.
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Fr 14 Okt 2016 - 19:31

Jade gluckste weiter vergnügt vor sich hin. Hörte ihr selten dämlicher Bruder sich eigentlich selbst zu? Scheinbar völlig zusammenhanglos gab er irgendwelche Laute oder Kommentare von sich, die sie innerlich nur mit dem Kopf schütteln liessen. Allerdings konnte sie einfach nicht anders, als weiter wie ein kleines Mädchen vor sich hinzukichern und ein grenzdebiles Grinsen aufzusetzen. "No, ich glaube, Dean war sein Vorname." Wobei sie sich da nun auch nicht mehr so ganz sicher war. Aber Namen waren ja ohnehin so eine Sache. Wer brauchte schon Namen? Viel wichtiger war es, die verfluchte Visitenkarte wiederzufinden, die er ihr zugesteckt hatte. Ohne seine Nummer war sie eher aufgeschmissen, da sie ansonsten eigentlich gar keine Informationen über den Gringo besass.
Einen kurzen Moment wurden ihre Augen schmal und die Schatten der vergangenen Tage huschten über das ein wenig zu blasse Gesicht. "Pinche mentiroso. Einen Scheiss tut es dir leid", nuschelte sie Diegos Schlüsselbein entgegen. In einem klareren, wacheren und vor allem nüchteren Zustand hätten die Worte vielleicht giftig und biestig klingen können, doch in dem halbdösigen Dämmerzustand, in dem sie sich gerade befand, klangen die giftigen Worte viel mehr nach dem halbherzigen Versuch eines kleinen Kätzchens, das sich an mächtigem Tigergebrüll übte. Jade wusste leider zu gut, was ihr Bruder von den wandelnden Pelzmuffen hielt und dass es ihm doch eine grosse Freude gewesen sein musste, einen davon ins Jenseits zu befördern.

Noch im selben Moment, in dem Diego Cas erwähnte und sie anfing darüber nachzudenken, verschwanden diese Gedanken auch schon unter der dichten, weichen Watte in ihrem Kopf. Instinktiv kuschelte sie sich enger an den warmen Körper ihres Bruders und bettete ihren Kopf in einer bequemeren Position auf dessen Brust. "Tengo sueño", nuschelte sie, bereits am Wegdösen und drückte ihm im Halbschlaf einen kleinen Kuss auf, wie sie es als Kind immer getan hatte.

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Zuletzt von Jade Domingo am Mi 19 Okt 2016 - 17:23 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Zimmer 17 - Jade Domingo   Mo 17 Okt 2016 - 10:02

Tatsache. Natürlich tat es ihm nicht leid. Es gab einen verdammten Werwolf weniger auf der Welt, das hatte schon seine Richtigkeit so. Was ihm leid tat war ja auch, dass es seine Schwester verletzt hatte, dass er ihren Freund erschossen hatte. Dummerweise hatte seine Schwester eben immer schon ein ausgezeichnetes Händchen für die falschen Kerle bewiesen. Und Diegos und ihre Ansichten, was "die Falschen" waren gingen da ungefähr genauso weit auseinander wie die, was eine Frau für ein Rollenbild zu erfüllen hatte.
Er verzichtete darauf, ihr den feinen Unterschied zu erklären und ließ sie fauchen. Dass er sich überhaupt entschuldigt hatte wunderte ihn im Nachhinein. Und wenn man ein bisschen großzügig war, dann konnte man in die Entschuldigung für "das mit Cas" auch hineinpacken, dass er vorgehabt hatte, seine Schwester zu töten. Er hatte sie angeschossen und entführt, und wenn er nicht doch noch mit ihr geredet hätte, dann hätte er seinen Auftrag stur ausgeführt und bis auf Großmutter Evita würde niemand mehr am Leben sein. Immer noch war der Mexikaner wütend darüber, wie sehr er sich von dem Kartell manipulieren lassen hatte.

Jade murmelte irgendetwas und kuschelte sich enger an ihn. Diego fühlte sich in seine Kindheit zurückversetzt, als Jade oft genug nachts zu ihm ins Bett gekrochen war, damit er sie beschützte. Vor dem Monster unter ihrem Bett, oder dem im Schrank, oder vor einer Strafpredigt, weil sie wieder irgendetwas ausgefressen hatte. Es fühlte sich richtig an.
Was das wohl für Zeug war, das sie sich eingeworfen hatten? Normalerweise bevorzugte Diego etwas, das ihn pushte, Zeug, auf dem er immer noch klar denken und arbeiten konnte. Aber das hier verklebte seine Gedanken mit einer Art Zuckerwatte und machte es mühsam, seinem eigenen Handlungsstrang zu folgen. Andererseits war es auch ein gutes Gefühl, so losgelöst von den aktuellen Problemen über den Dingen zu stehen. Sein Hirn sprang wahllos von einer Idee zur nächsten, und war meistens schon längst bei der übernächsten, bevor er überhaupt die erste formulieren konnte. Also hielt er den Mund und ließ es bleiben, wie ein Besucher in seinem eigenen Kopf. Und irgendwann musste er über diesen Beobachtungen eingeschlafen sein.

Als er aufwachte fühlte sich sein Kopf sonderbar klar an. Jade lag immer noch neben ihm, hatte den Großteil des Bettes für sich beansprucht und einen Arm besitzergreifend auf seine Brust gelegt. Wie immer sah das Bett aus, als hätte Jade im Schlaf gegen irgendetwas gekämpft. Und gewonnen.
Neu waren nur die dunklen Ringe unter den geschlossenen Augen, und der Ausdruck, als hätte sie im Schlaf die Stirn gerunzelt. Diego musterte sie eine gefühlte Ewigkeit, ohne sie aufzuwecken. Er wusste nicht genau, in welcher Laune sie aufwachen würde. Und ob er sich nicht lieber schleunigst in Sicherheit bringen sollte, statt neben ihr liegen zu bleiben. "Jade?" Er schubste sie vorsichtig an. "Was hältst du von Frühstück? Kaffee, Tortillas, Pancakes?" versuchte er sie zu ködern. Natürlich galt der Vorschlag erst, nachdem er seine Schwester unter eine heisse Dusche gesteckt hatte.


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