Dallas bei Nacht
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 Zu zweit allein

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Ryan Williams
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BeitragThema: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 13:41

Geschichte eines Charakters aus "Dallas bei Nacht"?: Nein


Wie heißen die Hauptcharaktere : Jim Preaton, Aurora Lane


Ort des Geschehens: Das Raumschiff `Stellarion´


Kurzgeschichte oder mehrere Kapitel?: mehrere


Es orientiert sich am Dallas bei Nacht Universum in einer fiktiven Zukunft.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 14:26

Alles begann damit, dass ich erwachte. Ich atmete ein und aus. Aber wo war ich? Im Moment, keine Ahnung. Eine Frau tauchte vor mir auf. Direkt vor mir. Sie war ein Hologramm, dass war zu erkenne, aber was machte sie hier? Was war hier los? „Guten Morgen James, wie fühlen Sie sich?“ „Warte, was?“ Panik machte sich breit und war aus meiner Stimme gut herauszuhören. „Es ist völlig normal, wenn Sie desorientiert sind. Sie waren im Hyperschlaf, 120 Jahre lang. Es ist alles gut James.“ „Jim besser.“ flüsterte ich. „Jim. Atmen Sie ganz ruhig.“ Die Liege, auf der ich lag, begann sich zu bewegen, aber meine Angst ging dennoch zurück. Irgendwie wurde mir bewusst, dass hier tatsächlich nichts Schlimmes im Gang war. Ich konnte nur keine anderen Menschen ringsherum spüren, aber das war erst mal egal.
Es gab wichtigeres, was es zu erfahren gab. „Wo bin ich?“ Die Frau lächelte freundlich, sie blieb genau vor meinem Gesicht schweben, sodass ich nichts anderes sah, wenn ich den Blick nicht abwandte. „Sie sind ein Passagier auf dem Raumschiff Stellarion, Corelands luxuriösesten Sternenkreuzer. Unsere Reise von der Erde zu Ihrem neuen Zuhause Coreland II ist fast abgeschlossen. Eine neue Welt, ein neuer Anfang, Raum zur Entfaltung.“
Mehr und mehr Erinnerungen kehrten zurück. Ein Neuanfang, unberührtes Land und viele Andere, mit denen man sich eine neue Heimat aufbauen konnte. Mein Traum ging endlich in Erfüllung. „Die Stellarion befindet sich im Endanflug. Die kommenden vier Monate genießen Sie Raumfahrt in absolutem Luxus. Freizeit. Fitness. Freunde.“ Ich lächelte. Hach ja, meine Freunde. Man würde alle kennenlernen und den Wert des Anderen erkennen. „Das ID-Band an Ihrem Handgelenk ist der Schlüssel zu den Wundern der Stellarion.“ Ein Geräusch ertönte, als ob gerade etwas akzeptiert worden wäre. Ich blickte zur Seite und sah meinen Körper, aber in merkwürdigen Farben und in Strichen gezeichnet auf einem Bildschirm. Was sollte das denn? „Sie sind kerngesund Jim. Bringen wir Sie zu Ihrer Kabine, wo Sie sich entspannen können.“
Diesen Weg musst ich selbst antreten, aber das war auch in Ordnung. Irgendwie tat es ganz gut, sich mal wieder zu bewegen. Ich war nicht unbedingt in Topform. Einfach alles sah luxuriös, sauber und ästhetisch aus. Mir war ein wenig übel und hatte Kopfschmerzen, aber die Frau meinte, dass sei wegen dem Hyperschlaf. Wie auch immer. Ich lief den Gang entlang, der mir gesagt wurde. „Ihre Tür leuchtet für Sie auf.“ war über Lautsprecher zu hören. In der Annahme, dass das an mich ging, schaute ich mich um und tatsächlich. Eine Tür hatte eine andere Farbe, als die umliegenden. Ich öffnete sie mit meinem Armband und ging hinein. „Willkommen in ihrer Kabine. Ihrem Zuhause bis zu unserer Landung. Die nächsten vier Monate werden Sie sich auf Ihr Leben auf Coreland II vorbereiten, Ihre Mitreisenden kennen lernen, Fortbildungskurse belegen, über das koloniale Leben lernen.“ Ich gähnte herzhaft. Man war ich müde. „Sie wurden der Lerngruppe 37 zugeteilt, für Passagiere mit technischen und handwerklichen Fähigkeiten. Bitte scannen Sie die ID, um Ihr Gepäck zu bestätigen.“
In einer Wand der Kabine öffnete sich eine Klappe und mein Gepäck lag darin. Ich brauchte einen Moment, um das alles gedanklich zusammenzuhängen. „Jim. Bitte scannen Sie Ihre ID, um das Gepäck zu bestätigen.“ Etwas schläfrig tat ich was sie wollte und hielt mein Armband an die dafür vorgesehene Stelle. „Und vergessen Sie nicht viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um sich vom Hyperschlaf zu erholen.“ Wie aufs Stichwort füllte sich in einer Wandnische ein Becher mit Wasser und irgendwelches Zusätzen. Es sah leicht rosa aus. Als ich den Becher leerte, wusste ich auch warum. Der Himbeergeschmack war gut herauszuschmecken. „Genießen Sie den Rest Ihrer Reise auf der Stellarion, einem Schiff von Coreland.“ Und dann kehrte Ruhe ein. Ich war für mich allein, aber das war in Ordnung so. Ich legte mich hin und schlief sofort ein.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 14:35

Irgendein Radio weckte mich am Morgen. Es war in meiner ganzen Kabine zu hören und machte mir klar, dass ich jetzt aufstehen sollte. Ich zögerte nicht lange. Immerhin konnten die ganzen Passagiere ja sonst nicht kennengelernt werden. Ich war aufgeregt, duschte mich aber erst mal, um den bestmöglichen Eindruck auf die anderen Leute zu machen.
Vor dem Spiegel überlegte ich mir dann, was für ein Outfit wohl am meisten Eindruck auf die anderen machen würde. T-Shirt und Jeans war klar, aber auch die Lederjacke? Kurze Überlegung später zog ich sie wieder aus und hing sie mir lässig über die Schulter. Das sah doch besser aus, oder? Nein, nicht wirklich. Also zog ich sie mir wieder an. Ich wollte ja Eindruck schinden.
Ich ging auf den Gang hinaus, die Jacke war doch wieder im Schrank gelandet, und ging zu meiner ersten Fortbildung, die auf meinem Tagesplan stand. Nirgendwo war bisher jemand zu sehen gewesen und das ließ mich stutzig werden. Ich hatte gern Leute um mich. Gut, ich las dann natürlich auch ihre Gedanken und Gefühle, aber man fühlte sich einfach nicht allein. Aber das blieb mir bisher verwehrt.
Ich betrat der Vorleseraum. Er war menschenleer. Mehrere Sitzbänke waren in eine Blickrichtung gestellt und die Hologrammfrau stand vorn, aber außer mir war niemand hier. „Hallo Passagiere, würden Sie sich bitte alle hinsetzen? Willkommen Lerngruppe 37.“ Ich schaute mich um, aber es versteckt sich auch niemand. In dem Raum gab es sonst nichts, wohinter man sich hätte verkriechen können und außerdem hätte sie meinen Gedanken nicht entkommen können. Ich war wirklich der Einzige hier, nahm aber Platz. Die Frau begann derweil schon zu sprechen und erzählte von einer Einführung in das koloniale Leben. Blablabla, war mir im Moment egal, ich wollte wissen, wo all die anderen waren. Ich meldete mich und versucht dann einfach reinzureden, mit wenig Erfolg. „Fragen bitte erst zum Schluss.“ kam dann nur als Antwort.
Mir reichte es. „Entschuldigung, wo sind die Anderen bitte?“ Ich musste fast lachen über diese komische Frage, dennoch interessierte mich die Antwort. „Wir sind alle auf dem Raumschiff Stellarion.“ „Aber ich bin der Einzige hier.“ Ich war verwirrt.
Die Frau hatte darauf wohl eine passende Antwort. „Es gibt 5000 Passagiere und 258 Mannschaftsmitglieder. „Und warum bin ich dann allein?“ Offenbar drang mein Problem nicht ganz zu ihr durch. „Wir alle sind eine Gemeinschaft.“ Meine Güte, die ging mir echt auf die Nerven. Es wurde mir zu bunt, also verließ ich den Raum und rannte kreuz und quer durch die Gänge, rief, ob da jemand wäre, ohne auch nur einer anderen Person zu begegnen. Wo waren die nur alle?
Ich kam zu einem Fahrstuhl. Eine mechanische Stimme sagte irgendwas, aber das war mir egal. Auf einer anderen Ebene würden doch bestimmt Mensch sein. Es mussten einfach! Und dann löste sich mein Hintern vom Sitz. Mist, diese Stimme hatte doch eben was davon gesagt, dass es hier gleich schwerelos sein würde. Ich versuchte mich noch anzuschnallen, aber es war schon zu spät. Meine Hände klammerte sich einfach an den erstbesten Griffmöglichkeiten fest, um nicht ziellos durch die Gegend zu schweben.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 14:48

Eine bodenlose Fahrt später öffnete sich die Tür und die Frauenstimme sagte: „Großes Atrium.“ Und dann gingen die Lichter an. Es sah umwerfend aus. Der riesige Hauptraum des Schiffes erstreckte sich vor mir. In der Mitte war eine große und etwas schlängelige Freifläche, die mindestens hundert Meter lang sein musste und in riesigen Fenstern zum Weltall endete. Links und rechts bauten sich die Stockwerke mit irgendwelchen Räumen auf. Mehr und mehr wurde von den Lichtern angestrahlt, als ob da gerade eine Welt nur für mich auftauchte. Neben mir begann ein Springbrunnen zu plätschern.
Nachdem ich mein erstes Staunen überwunden hatte, fiel leider auf, dass scheinbar alles wirklich nur für mich leuchtete, denn auch hier war niemand zu sehen. Aber warum? Es sollten doch alle zur selben Zeit aufwachen.
Eine Roboterstimme meldete sich zu Wort. „Hallo, willkommen im großen Atrium der Stellarion. Wie kann ich helfen?“ Das war perfekt. Die Stimme kam von einem stationären Ratgeber. Auf einem Bildschirm hatte man verschiedene Möglichkeiten, um Fragen beantwortet zu bekommen. Gerade schaute mich ein großes Fragezeichen als Symbol an, da die Stimme ja noch nicht wusste, was ich von ihr wollte. „Ich muss mit einem Menschen sprechen.“ sagte ich wie aus der Pistole geschossen. „Einer echten, lebendigen Person bitte.“
Da hatte das Ding sein Frage. Aber es gab da offenbar reichlich Antworten. „Was für eine Person? Persönlicher Trainer, Reiseplaner, Therapeut?“ Mit jeden Nennung tauchte das zugehörige Symbol auf. Ich war überrumpelt. „Ich… äh… keine Ahnung, jemand der… zuständig ist.“ Das klang doch gut. „Der Stewart kümmert sich um die Wünsche der Passagiere auf der dritten Etage des großen Atriums.“
Ich war wirklich erleichtert. „Danke.“ Sofort machte ich mich auf den Weg. Endlich jemand, mit dem ich reden konnte. Der Raum war schnell gefunden. Doch schon beim Eintreten war klar, hier war niemand. Da war nur ein leerer Tisch mit einem leeren Stuhl und mehr auch nicht. Das war gar nicht gut.
Sofort lief ich zu dem Ratgeber zurück. „Wer fliegt das Schiff?“ Und natürlich gab es wieder mehrere Antworten mit zugehöriger Symbolabbildung. „Die Flugmannschaft: Der Käpten, der Pilot, der Chefnavigator.“ Man, warum konnte der nicht einfach eine Antwort geben? Aber egal, am besten immer mit dem Ranghöchsten reden. „Ich will mit dem...äh… Käpten sprechen.“ War gar nicht mal so einfach, wenn ein Roboter einen mit Informationen bombardierte, sich auf die eigentlichen Probleme zu konzentrieren. „Der Käpten steht selten zur Verfügung…“ Er wollte noch irgendwas sagen, aber das war mir im Moment egal. „Das ist ein Notfall.“ redete ich ihm deshalb mit lauter Stimme dazwischen. „Bitte.“ Und das schien der Bildschirm dann auch zu verstehen. „Den Käpten finden sie auf der Brücke im Kommandoring.“
Endlich mal eine brauchbare Info. Hoffentlich war da auch jemand. Ich rannte sofort hin. Ich hielt mein Armband an die Tür, drückte auf öffnen und wartete. „Zugang nur mit Sonderbefugnis“ sagte eine freundlich Frauenstimme, aber sie macht mich nur noch verzweifelter. Durch ein kleines Fenster in der Tür erkannte ich, dass auch hier niemand war. Offenbar schliefen alle noch. Jetzt wurde die Panik wirklich überwältigend. Ich war allein. Niemand sonst war zu sehen, zu hören oder scheinbar auch nur wach. Ich war der Einzige und war allein.
Aber was blieb mir anderes übrig, als weiter das Schiff abzusuchen. Beim Umherstreifen entdeckte ich einen neuen Raum, mit einer riesigen Scheibe zum Weltall. Es gab mehrere Stufen in angenehmer Sitzhöhe, welche sich durch den Raum zogen und alle auf der Fenster ausgerichtet waren. „Willkommen im Obsevatorium.“ sagte eine tiefe und ruhig Stimme. Überall im Raum entsandten kleine Hologramme von Sternen. Aber ich war zu durcheinander, um mich daran zu erfreuen. „Was darf ich Ihnen zeigen?“
Diese Frage nahm ich dankend an. „Es heißt, wir landen bald. Und ich…“ Tja, wie erklärte er das am besten? „...ich bin der Einzige der wach ist.“ Die Antwort darauf war leider recht ernüchternd. „Ich verstehe nicht. Was darf ich Ihnen zeigen?“
Neuer Versuch. „Zeig mir Coreland II“ Die Sterne um mich verschwammen, als ob wir uns schnell durch den Raum bewegten. Ein Planet tauchte auf, nebenbei wurde natürlich erklärt, wo genau dieser lag. „Und wo sind wir?“ Das waren offenbar die Fragen, mit denen das Observatorium arbeiten konnte. „Wir befinden uns im Transit von der Erde zu Coreland II. Unsere Ankunft wird in etwa 90 Jahren sein.“ Ich war baff. „Was?“ Das wurde offenbar als Frage aufgefasst. „Landung auf Coreland II in 90 Jahren, 3 Wochen und einem Tag.“
Das war ja schrecklich. „Warte, wann haben wir die Erde verlassen?“ Hier musste doch ein Missverständnis vorliegen. „Vor etwa 30 Jahren.“ Mir wurde nun schön anschaulich animiert dargestellt, wo die Erde war, wo Coreland II war und wo die Stellarion war. Wir hatten gerade mal ein Viertel geschafft. Ein Viertel!!! Das Schiff würde noch 90 Jahre fliegen müssen. Da starb ich doch eher an Altersschwäche, als dass ich da noch ankam. „Ich bin zu früh aufgewacht.“ flüsterte ich vor mir her. Aber das half mir jetzt natürlich auch nicht weiter.
Ich lief zurück zum großen Atrium. Der Servicebildschirm war mein Ziel. „Wie schicke ich eine Nachricht zur Erde?“ Simple Frage, simple Antwort. „Interstellare Nachrichten werden per Lasersignal versandet. Dies ist ein teurer Service.“ Meine Güte waren die Dinger nervig. „Du mich auch.“ sagte ich noch über die Schulter und eilte weiter. „Es war mir eine Freude.“
Ich setzte mich an den Tisch der selbst ein riesiges Display war und an dem die Nachrichten verschickt werden konnten. Der ganze Tisch begann zu leuchten und fragte: „Planet und Empfänger?“ Diese Frage klang einfach. „Erde, Coreland.“ Leider war es natürlich nicht so einfach. „Coreland hat 30826 Einträge.“ Warum musste mir eigentlich jeder auf den Sack gehen? „Ich wandere nach Coreland II aus und habe einen Notfall.“ Der Versuch, freundlich zu bleiben, war aufgrund der dahinterliegenden Angst nicht weiter schwer umzusetzen. „Es gibt eine Kundenhotline.“ Puh, das war doch schon mal was. „Das klingt gut.“ sagte ich daher. „Beginn der Nachricht.“
Auf dem Tisch war nun ein roter Punkt und es stand deutlich `Aufnahme´ daneben. Ich sah auf dem entstandenen Bildschirm vor mir den Mitschnitt meiner Nachricht. „Hallo.“ fing ich also einfach mal an und versuchte das Ganze dann irgendwie darzulegen. „Äh, Ich bin Jim Preston. Ich bin ein Passagier auf der Stellarion.“ Ein verunsichertes Lachen kam hervor. „Ich glaube mit meiner Schlafkammer ist was schiefgelaufen. Ich bin zu früh aufgewacht und zwar viel zu früh. Sonst ist niemand wach und ich weiß nicht, wie ich wieder einschlafen kann. Und die Sache ist die. Ich habe noch 90 Jahre vor mir. Unter diesen Umständen bin ich...“ Als ich das sagte, traten mir fast die Tränen in die Augen. Unfähig gleich weiterzureden, schwieg ich einen Moment. „Tut mir leid, ich versuch das irgendwie hinzukriegen, vielleicht hab ich ja was übersehen. Ich brauche Hilfe. Das wars. Danke.“ Mit leicht gebrochener Stimme schaute ich auf den Tisch und drückte auf `Senden´.
Sofort wurde mir gesagt, dass die Nachricht gesendet worden war. Ich freute mich und wollte auf die Antwort warten und dann offenbarte mir die nette Roboterstimme: „Die Nachricht wird zugestellt in 19 Jahren.“ Das alles wurde auch schön mit Pfeilen auf dem Bildschirm dargestellt. Ein Pfeil ging von der Stellarion zur Erde. An dem Pfeil stand 19 Jahre. Darunter bildete sich schon ein neuer Pfeil, zur zukünftigen Position des Raumschiffs. Da stand 36 Jahre dran. „Frühestmögliche Antwort in 55 Jahren. Wir danken für ihr Verständnis. Das macht 6012 Dollar.“
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 15:05

Ich war am Ende und schlurfte durch das große Atrium. Niemand sonst war wach, Hilfe war nicht zu erwarten und spontan hatte ich keine Ahnung, ob er wieder einschlafen könnten. Die Bar wurde passiert, ein freundlich aussehender, luxuriöser und gut ausgeleuchteter Raum. Der Barkeeper stand hinter dem Tresen. Sofort blieb ich stehen, beinahe wäre ich vorbeigelaufen und schaute noch einmal genauer hin. Tatsächlich, da stand ein Mann hinter der Theke. Ich war überglücklich und lief sofort zu ihm hinüber. „Willkommen.“ wurde ich freundlich begrüßt.
Alle Verzweiflung bröckelte. Doch nicht allein! „Ah, tut das gut ein anderes Gesicht zu sehen. Ich dachte, ich wäre der Einzige, der wach ist.“ Der Barkeeper putzte in Seelenruhe sein Glas und antwortete lächelnd: „Wer möchte schon einen solch himmlischen Tag verschlafen.“ Ich war etwas verwirrt. „Nein, ich meine, wir sind in Schwierigkeiten, wir sollten nicht hier sein.“ „Ich verrate es nicht, versprochen.“ Ich verstand gar nichts mehr. „Unser kleines Geheimnis.“ Der Mann zwinkerte, stellte nun sein Glas beiseite und schaute mir in die Augen. „Was darf es denn sein?“
Was sollte ich darauf groß antworten, offenbar redeten wir komplett aneinander vorbei. „Sie sehen wie ein Whiskytrinker aus.“ Ich versuchte mich immer noch zu sammeln. „Äh, ok.“ brachte ich daher hervor und setzte mich an die Bar. In einer gleichmäßigen Bewegung fuhr der Kerl seitwärts und drehte sich dann vor seinem Getränkeregal viel zu schnell um. Ich schaute über die Theke und stellte fest, dass er einen mechanischen Unterleib hatte, mit einem einzigen Rad am Boden. „Du bist ein Roboter.“ sagte ich enttäuscht und sackte auf meinem Barhocker zusammen. „Android, technisch gesehen.“ bekam ich darauf nur als Antwort. Die Abwesenheit jeglicher anderer Gedanken war mir zuerst gar nicht aufgefallen. Inzwischen goss er mir ein Glas Whisky ein. „Arthur ist der Name.“ Daraufhin stellte ich mich knapp vor. „Jim.“ Hob das Glas und trank. Es schmeckte tatsächlich ganz gut. Der Barkeeper schien die Menschen hier zu kennen. Arthur stellte derweil die Flasche wieder weg.
Ich versuchte einen neuen Ansatz. „Was weißt du so über dieses Schiff?“ Er stellte sich direkt vor mir hin und überlegte kurz. „Ich weiß nicht. Ein paar Dinge weiß ich.“ Und schon setzte er wieder sein nettes Barkeeperlächeln auf. „Was mache ich, wenn meine Schlafkammer eine Fehlfunktion hat?“ So kam ich vielleicht zu einer Lösung. „Oh, die Schlafkammern sind absolut fehlerfrei, es gibt keine Fehlfunktionen.“ Das war definitiv nicht das, was ich hören wollte. „Tja, ich bin zu früh aufgewacht.“ Damit war die Sache für mich eigentlich geklärt. Aber offenbar nicht für Arthur. „Kann nicht passieren.“ meinte er nur und begann wieder damit, ein Glas zu polieren. So schnell würde ich aber nicht aufgeben. „Wie lange ist es noch bis Coreland II?“ So würde er in die Ecke getrieben werden. „Etwa 90 Jahre oder so.“ Es war beinahe wie eine Frage formuliert, wie um zu sagen, dass es nur eine ungefähre Angabe war. „Und wann sollen all die Passagiere aufwachen?“ Lächelnd schaute er mich an und sagte: „Erst in den letzten vier Monaten.“ Damit musst ich ihn doch jetzt haben. „Wie kommt es dann, dass ich hier sitze? 90 Jahre zu früh?“ Arthur hörte auf, das Glas zu polieren. Sein Kopf wackelte kurz, als ob eine kleine Fehlfunktion aufgetreten war und sagte dann. „Es ist nicht möglich, dass Sie hier sind.“ Anschließend wurde einfach das Glas weiter geputzt. Niedergeschlagen griff ich zu meinem Glas und meinte nur: „Bin ich aber.“ Mit einem Schluck war das Glas leer.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 15:07

In neuer Tag begann und ich ging zum großen Speisesaal. Natürlich war ich allein. Überall standen unbesetzte Tische und Stühle für bestimmt tausende von Leuten. In der Mitte gab es einen Bildschirm, über den man sich das Essen bestellen konnte. Ich hielt mein Armband dagegen und wartete auf das Angebot. „Bitte wählen Sie ein Produkt.“ sagte diese freundliche Frauenstimme und eine große Auswahl an Getränken wurde mir gezeigt. Ich tippte auf das Erstbeste. „Bedaure, Mokka Cappuccino Extrem ist reserviert für Passagiere der Goldklasse.“ Na klasse, ich versuchte es erneut. „Bedaure, Mokka Cappuccino Extrem ist reserviert für Passagiere der Goldklasse.“
Was sollte das? Da wird einem Luxus versprochen und dann kann man ihn nicht einmal ausleben, obwohl es ihn gab? „Ich will den Mokka Cappuccino Extrem, Rechnung auf mein Zimmer.“ Das brachte leider auch nix. Also versuchte ich es mit dem nächsten Getränk. Anderes Produkt, selbes Ergebnis. Es wurde von der Stimme bedauert, dass es nur für die Goldklasse war. Weitere Getränke wurden versucht. Nichts. Ich drückte alle hintereinanderweg durch, um festzustellen, dass ich keines haben durfte. Zumindest bis ich beim Letzten ankam. „Großer Kaffee. Genießen Sie ihn.“ sagte die Stimme. „Milch und Zucker.“ versuchte ich noch zu sagen, aber eine Schublade ging bereits auf und darin stand mein fertiger Kaffee. Ich war nicht wirklich begeistert. Aber was sollte ich machen, eine Wahl hatte ich nicht.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 15:11

Aber ich war dennoch voller Tatendrang. Ich schaute mich tagelang auf dem Schiff um und fand unter anderem relativ schnell auch das, was ich suchte. Die Handbücher. Ich nahm mir das für die Hyperschlafkammern heraus und los ging das Studium. Ich schaute mir auch das restliche Schiff noch weiter an. Es gab ein riesiges Lager mit praktischen allem, was man vielleicht gebrauchen könnte. Es gab sogar ein extra Elektrofahrzeug dafür, um in dem Lager schneller voranzukommen und das, was man suchte, auch besser wegzubekommen. Ich hatte praktisch alle Möglichkeiten. Nur fand ich nicht so recht das, was ich suchte. Einen Weg zurück in den Hyperschlaf. Einmal schaffte ich es, meine offene Hyperschlafkammer zu schließen, mit dem Ergebnis, dass ich fast nicht mehr herausgekommen wäre. Das war mir eine Lehre.
Ich versuchte einen anderen Ansatz. Die Brücke lag hinter einer Tür, die mit dem Armband nicht aufging, aber wofür gab es Werkzeug. Ich hatte jetzt praktisch unbegrenzte Möglichkeiten, nachdem ich der Lager für mich entdeckt hatte. Ich wusste schließlich, wie man einen Hammer benutzte oder einen Schweißbrenner verwendete. Voller Enthusiasmus machte ich mich ans Werk, ohne Erfolg.
Dann bekam ich die erste Fehlfunktion mit. Der Fahrstuhl funktionierte einwandfrei, bis ich ihn verließ und die Türen sich nicht richtig schießen wollten. Erst nach einigem Lichtgeflackter im Fahrstuhl und bisschen auf und zu gehen der Türen, klappe alles wieder reibungslos.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 15:14

Irgendwann saß ich dann wiedermal in Arthurs Bar und klagte ihm mein Leid. „Aber aber. Es gibt immer einen Silberstreifen am Horizont.“ Er putze natürlich wieder seine Gläser. „Stimmt, ich werde wahrscheinlich an Altersschwäche auf diesem Schiff sterben.“ Das waren leider die Tatsachen, mit denen ich mich wohl abfinden musste. „Ach, wir sterben alle. Selbst Androiden enden auf dem Schrottplatz.“
Ich hatte das Thema satt, als wurde ein neues angeschnitten. „Ich bin dein einziger Gast, warum polierst du dauernd Gläser?“ Das fragte ich mich tatsächlich schon ein Weile. „Hm, alter Barkeepertrick. Es macht die Leute nervös, wenn man untätig herumsteht.“ Machte irgendwo Sinn, besserte meine Laune aber nicht unbedingt. „Na dann gib mir mal einen schlauen Barkeeperrat, ich hänge nämlich ziemlich in der Luft.“
Arthur kam zu mir gefahren und stand nun direkt vor mir. „Du bist nicht da, wo du sein möchtest. Du hast das Gefühl, du müsstest woanders sein.“ Ich lachte. „Du sagst es.“ Arthur fuhr aber unbeirrt fort. „Nehmen wir an, du müsstest nur mit den Fingern schnippen und wärst überall, wo du sein möchtest. Ich wette, du hättest immer noch dieses Gefühl, fehl am Platz zu sein. Denk nicht so verbissen daran, wo du lieber wärst. Mach das Beste aus dem, wo du gerade bist.“ Es klang langsam wirklich nach sowas wie einem Ratschlag. „Was willst du damit sagen?“ Ich war wirklich neugierig, aber auch ein wenig misstrauisch, was er nun wieder von sich geben könnte. „Hör auf dir Sorgen um Dinge zu machen, die du nicht kontrollieren kannst.“ Er verzog in Ratschlagsmanier das Gesicht, als ob jetzt der entscheidende Satz kam. „Leb ein bisschen.“
Ich schaute ihn erst etwas ungläubig an. Mir ging aber zunehmend auf, was er wahrscheinlich meinte. „Leb ein bisschen.“ wiederholte ich und ein leichtes Grinsen entstand in meinem Gesicht.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 15:26

Es gab doch Goldklassepassagiere. Dann gab es doch auch Goldklassekabinen, oder? Und wo diese waren, konnte ich recht einfach herausfinden. Ich schnappte mir also mein Werkzeug und machte mich ans Werk. Und es klappte. Die Suites waren nicht so gesichert, wie die Brücke und so gehörte dieses Prachtding jetzt mir. Kurz zur Erklärung, meine bisherige Kabine bestand aus einem 6 Quadratmeter großen Raum und einem Bad. Hier hatte ich mindestens das zehnfache an Fläche (wahrscheinlich mehr) und dann war da auch noch eine zweite Etage, die aber nur etwa die Hälfte des unteren Raumes überspannte. Es gab die besten Möbel, in den Wänden ein und ausfahrbare Schränke und dann auch noch ein riesiges Bett, welches auf der oberen Etage war. Eine kunstvolle und modern erscheinende Treppe führte nach oben. Ein riesiges Fenster ermöglichte den Blick ins Weltall und an einer Wand wurden herrliche Bilder von unserer Erde gezeigt. Verschneite Landschaften, Polarlichter, Sonne, die durch die Baumkronen strahlte. Es war umwerfend schön hier.
Und dann gab es natürlich auch noch jede Menge Möglichkeiten, sich auf dem Schiff zu vergnügen. Man konnte Basketball spielen und sich für jeden Treffer feiern lassen, ein Tanzduell gegen Hologramme spielen, im Kino abhängen und praktisch alles schauen und in den verschiedensten Restaurants essen gehen. Mir wurde echt nicht langweilig. Zumindest für eine Weile. Aber mit der Zeit hatte man halt alles schon mal gemacht und da es nie mit oder gegen echte Menschen war, blieb es immer irgendwie das Selbe.
Ich verwahrloste regelrecht. Die Haare wurden nicht mehr geschnitten, der Bart nicht gestutzt, ich zog mir tagelang das Selbe an, da es ja ohnehin niemand sehen würde, bis ich mir irgendwann einfach fast nichts mehr anzog, außer einem Umhang gegen die Kälte. Ich war einfach so unfassbar einsam. Eines Morgens aß ich mein Frühstück, als mir einer der kleinen Putzroboter gegen den Fuß stieß. Ich fing sofort an herumzuschreien und augenblicklich fuhren sie in geordneter Reihe davon, doch dann fühlte ich mich wieder so einsam, sodass ich ihnen mein Essen hinterherwarf, um sie zurück zu locken. Auch die Suite verwahrloste zusehends und überall lagen Essensreste herum.
Eines Tages lief ich mit eine kompletten Wodkaflasche durch den Raum mit den Hyperschlafkammern. Alle diese Leute konnten noch schlafen, bis sie auf Coreland II ankamen und ich war bis dahin wahrscheinlich schon tot. In solch trüben Gedanken warf ich wütend schreiend die leere Flasche durch den Raum. Einen Moment hörte ich sie noch rollen, dann war wieder alles still. Mein Blick fiel auf eine Tür, die mir bisher noch nicht aufgefallen war.
Ich betrat den Raum und entdeckte, dass zwei Raumanzüge darin standen. Die übliche mechanische Frauenstimme erzählte irgendwas von Sicherheitshinweisen, blabla, die ging mir einfach nur noch auf den Sack. Ich schaute mir aber die Anzüge mal genauer an. Konnte man die auch nutzen? Offensichtlich, denn es gab eine richtige Anleitung dazu. Aber das war mit erst mal egal. Ich stellte mich zu einem der Anzüge, nahm seine Hände und lehnte mich leicht gegen ihn. Es fühlte sich fast so an, als ob ich einen anderen Menschen vor mir hätte, aber halt leider nur fast.
Ich legte einen von ihnen an und ging in die Schleuse. Ich musste nur einen Hebel betätigen und einen Knopf drücken und schon öffnete sich die Tür zum All. Dank der Magnetstiefel flog ich nicht einfach davon, sondern konnte aus der Luke herauslaufen. Ein Sicherheitsseil wurde befestigt und schon sah ich vor mir diesen einzigartigen Anblick. Dunkelheit. Und überall darin kleine Lichtpunkte und hier und da auch mal beleuchteter Gasnebel. Ich kann das nicht einmal ansatzweise beschreiben, was ich da vor mir sah. Fast automatisch deaktivierte ich meine Magnetstiefel und kippte hinaus ins All. Ich flog schwerelos dahin, sicher in meinem Raumanzug und befestigt am Seil. Es war unglaublich. Dieser fantastische Anblick, aber damit verbunden auch diese unendlichen Weiten der Leere. So leer, wie ich mich fühlte. Ich war allein, ganz allein und das spürte ich bei diesem Anblick besonders. Hier war nichts und niemand weit und breit. Nur ich und ein übergroßes Luxusschiff, auf dem ich einsam sterben werde, nach einem unfassbar eintönigen und verbitterten Leben. Die Tränen kamen, weil ich einfach so verzweifelt war. Ich hätte wirklich alles getan, um diesen Zustand zu ändern.
Nach einer Weile kam ich wieder zurück ins Schiff, noch trauriger als zuvor. Der Anzug wurde abgelegt und der Weg zurück angetreten, als mir eine Idee kam. Eine schreckliche Idee. Ohne mir darüber im Klaren zu sein, ob ich das wirklich wollte, ging ich wieder in die Schleuse. Ohne Anzug. Nur ich und mein ungepflegtes Selbst. Ich betätigte zögernd den Hebel. Jetzt musste ich nur noch den Knopf drücken und alle Qual hätte ein Ende. Mein Finger zögerte. Ich wollte es eigentlich nicht, aber so weiterzuleben war doch auch keine Lösung… oder? Die Fingerkuppe war nur Zentimeter von dem Knopf entfernt. Ich zitterte.
Eigentlich wollte ich es nicht, das wurde mir plötzlich klar. Selbstmord war nicht der Ausweg. Ich schob den Hebel hektisch zurück in die Ausgangsposition. Aus Angst erneut in Versuchung geführt zu werden, rannte ich aus der Schleuse und von dem Raum davon.
So schnell es nur ging musste ich da weg. Ein Sprint durch den Hyperschlafkammerraum folgte, wobei ich allerdings die von mir geworfene Flasche übersah. Ich landete schmerzhaft auf dem Boden der Tatsachen und blieb einfach liegen. Was war nur aus mir geworden? Ein kleines Häufchen Elend, zwischen all diesen Hyperschlafkammern.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySa 13 Mai 2023 - 15:41

Irgendwann rappelte ich mich auf. Langsam aber stetig, ich hatte ja Zeit. Es tat immer noch einiges weh, immerhin war ich im Vollsprint hingefallen. Ich stand direkt vor einer der Kammern und schaute hinein. Eine blonde Frau lag darin. Ich schaute sie an und irgendwas in mir regte sich. Ich wusste, wenn sie auch wach wäre, könnten wir bestimmt wunderbar miteinander auskommen. Aber leider schlief sie, wie alle anderen auch. Dennoch schaute ich, wie ihr Name war. Aurora Lane. Zurück im Hauptteil des Schiffes durchsuchte ich die Passagierprofile, bis ich sie fand. Ich schaute mir eine der Aufzeichnungen von ihr an, die vor der Fahrt aufgenommen worden war.
Sie war Schriftstellerin. Ihre ersten Worte nach der Vorstellung verzauberten mich direkt. „Ich glaube wir erzählen uns Geschichten, damit wir uns nicht so allein fühlen. Kontakt herstellen.“ Sofort hing ich an ihren Lippen. Alles was sie sagte, wollte von mir gehört werden, ganz sicher. Sofort wurde klar, dass von nun an viel Zeit für Aurora aufgewendet werden wird. Das lenkte mich von meinen erbärmlichen Dasein ab.
Ich begann nun damit, mein Essen immer an ihrer Hyperschlafkammer einzunehmen und mir währenddessen alte Aufzeichnungen von ihr anzusehen. Es ließ mich vergessen, dass ich allein war. Immer wieder mal brachte sie mich zum Lachen und ich habe echt keine Ahnung, wie lange schon kein Lachen mehr durch meine Kehle gerollt war.
Auch all ihre Text, welche ich fand, las ich mir durch. Selbst in der Bar hing ich an meinem handlichen Hologrammbildschirm und zog mir praktisch alles rein, was ich über sie finden konnte. Eines Tages fragte mich Arthur, wer das sei, also sagte ich es ihm. „Oh, Dornröschen.“ meinte er nur und polierte wieder mal fleißig vor sich hin. Ich wollte gerade gehen, als ich mich doch noch mal rumdrehte und meinte: „Ich behaupte ja nicht, das Universum wäre böse, aber es hat einen miesen Sinn für Humor. Du darfst auf einen anderen Planeten fliegen, aber auf dem Weg dahin stirbst du. Und du findest die perfekte Frau, direkt vor dir, aber sie ist unerreichbar.“ Schweren Herzens schlurfte ich in meine Suite.
Dort schaute ich mir weiter Videos von ihr an, irgendwelche Interviews, wo sie von sich erzählt. Und als ich einmal beim Auflachen ein wenig den Blick schweifen ließ, fiel dieser auf das Handbuch mit den Hyperschlafkammern. Und mir kam eine Idee. Eine unverzeihliche Idee.
Ich ging sofort zu Arthur. „Stell dir vor, du sitzt auf einer Insel fest. Und du hast die Macht, dir jemanden zu dir zu wünschen, du wärst nicht mehr allein, aber du wärst Schuld, dass noch jemand fest sitzt. Wie würdest du… Wünscht du es dir trotzdem?“ Es war offensichtlich, dass ich diese Frage mir selbst stellte, aber ich wollte, dass sie jemand anderes für mich beantwortete. Mir sollte jemand sagt, wie falsch das wäre. Aber dabei wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass sie bei mir wäre. Aber dann würde ich sie technisch gesehen töten.
Die Worte von jemand Anderem versprachen mir das wegfallen der eigenen Entscheidung. „Ich weiß nicht, ich war noch nie auf einer Insel.“ war die wenig hilfreiche Antwort. „Ok, ja, äh… Vergiss die Insel. Sagen wir du hast etwas herausgefunden, was dein Leben eine Million mal besser macht, aber du wüsstest, dass es falsch wäre und es kein Weg zurück gibt. Wie entscheidest du dich?“ Das stellte meine Situation deutlich weniger umschrieben dar. „Jim, dass sind keine Roboterfragen.“
Ich seufzte. Arthur würde mir hierbei nicht helfen können. „Ich weiß, wie ich Aurora aufwecken kann.“ Die Worte kamen mir sehr leicht über die Lippen. „Oh.“ meinte der Android und grinste mich dabei fröhlich an. „Das klingt nach einer schönen Idee. Gesellschaft täte dir gut.“ Nicht ganz das, was ich hören wollte, aber eigentlich auch genau das. „Aber ich würde sie für den Rest ihres Lebens auf diesem Schiff festsetzen.“ Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Oh. Das geht natürlich nicht.“ Und dabei zeigte er mir sein Barkeeperlächeln. „Was soll ich nur machen?“ Als ob mir das jemand wirklich beantworten könnte. Wobei doch die Antwort so offensichtlich war.
Arthur nahm das jedoch persönlich. „Du hast doch mich.“ In mir stieg Wut auf. Dieser Roboter hatte doch nicht einmal den Hauch einer Ahnung, was hier in mir gerade vorging. „Arthur, du bist eine Maschine.“ erwiderte ich. „Siehst du?“ Ich stieß ihm gegen den Brustkorb oder was auch immer es bei ihm war. „Siehst du? Du fühlst nichts, du hast keine Gefühle.“ Mehrfach wurde er unsanft gegen den Oberkörper gestoßen, ohne, dass etwas passierte.
Ich stand auf und gab ihm mit voller Wucht eine Ohrfeige. „Siehst du?“ sagte ich, während ich meine schmerzende Hand schüttelte. Der Android war verständlicherweise verdammt hart. „Es tut dir nicht weh und es macht dir nicht mal was aus.“ hängte ich dran, als wirklich gar keine Reaktion kam. „Weil du kein Mensch bist.“
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 10:00

Ich war gefangen zwischen zwei Gedanken. Auf der einen Seite, könnte ich sie aufwecken, aber auf der anderen Seite wäre das in jeder Hinsicht falsch. Aber wenn ich Aurora aufweckte, dann könnte ich mit jemandem reden, spielen… und jemanden lieben. Alleine sein ist einfach das Letzte. Aber sie wäre dann auch dazu verdammt, auf diesem Schiff zu bleiben, bis sie starb.
Wenn ich in meinem Leben jemals so nahe dran war, schizophren zu werden, dann in dieser Zeit. Tage, Wochen und Monate vergingen und ich quälte mich mit dem Gedanken. Ich trainierte und boxte so viel ich nur konnte, da ich durch die Wunschgedanken eine solche Energie hatte, aber mir gleichzeitig bewusst war, dass es falsch war, sich sowas zu wünschen. Auch Arthur bekam das zu spüren, da ich beinahe stündlich meine Meinung darüber wechselte, ob ich es nun durchzog, oder halt nicht. Sprüche, wie: „Ich bin drüber weg. Ich blicke nach vorne.“; „Ich darf nicht darüber nachdenken, also mach ich es auch nicht.“ und „Das wars, du wirst nie wieder ihren Namen aus meinem Mund hören. Ich erwähne ihren Namen nicht mal.“ waren die traurige Tagesordnung, nur um kurz darauf wieder in die alten Überlegungen zu verfallen. Keine Ahnung mehr, wie häufig ich mit meinem kompletten Werkzeugkoffer an ihrer Schlafkammer stand und dann wieder alles weggeräumt hatte. Mein Inneres war völlig zerstritten.
Um mir selbst ein Zeichen zu setzen, begann ich wieder mit intensiverer Körperpflege. Haare schneiden, Bart stutzen, waschen und so weiter. Ich war wieder ein normaler Mensch, nur halt noch mit dem alten Problem, was dadurch leider nicht wegging, sondern blieb. Bitte tu es nicht. Bitte tu es nicht. flehte ich mich selbst innerlich an. Mir war ja vollkommen klar, was das bedeuten würde.
Aber am Ende reichte das eine Mal, wo man etwas schwächer war, als sonst. Dieses eine Mal, wo man sich dachte, Scheiß drauf, ich ziehe es jetzt durch. Und dann war nichts mehr da, was man rückgängig machen könnte. Ich hatte mein Werkzeug, öffnete die Steuerung der Schlafkammer, überbrückte eine Leiterplatte, setzte eine neue ein, schloss das System dann kurz und zack, der Schaden war angerichtet.
Wie hypnotisiert schaute ich auf die sich öffnende Schlafkammer. Aurora war geweckt. Und plötzlich wurde mir die Tatsache bewusst. Ich hatte es getan, es war unverzeihlich, aber jetzt nicht mehr zu ändern. Schnell packte ich meinen Kram zusammen und flüchtete Hals über Kopf in meine Suite. Das Handbuch versteckte ich im Schrank unter meiner Wäsche, setzt mich aufs Bett und versuchte zu verarbeiten, was gerade passiert war. Mein Herz jagte bis zum Hals. Mein Atem ging schwer. Mein Schweiß lief aus allen Poren. Auch wenn ich nun nicht mehr allein war, konnte ich noch nicht so richtig glücklich drüber sein.
Ich überwand mich schließlich dazu, nach Aurora zu suchen und sie zu begrüßen. Im großen Atrium wurde ich fündig. „Hallo?“ rief sie etwa verwirrt. „Ist hier jemand?“ Sie war noch hinter dem Springbrunnen, also konnte Aurora mich noch nicht sehen. Ich konnte sehr gut nachfühlen, wie sie sich gerade fühlte. Vor etwa einem Jahr war es mir ähnlich gegangen, nur, dass dann leider niemand anderes auftauchte.
Ich sammelte mich und nahm Haltung an. Inzwischen sah ich ja zum Glück wieder aus, wie ein Mensch. „Hallo.“ sagte ich mit fester aber freundlicher Stimme. Wir traten etwas näher und schauten uns an. „Bist du Passagier oder von der Mannschaft?“ wollte sie währenddessen wissen. „Passagier. Jim Preston.“ stellte ich mich vor. „Aurora Lane.“ sagte sie. War mir natürlich bekannt, aber ich gab mich nichtsahnend. „Weißt du was hier vor sich geht? In meiner Reihe ist sonst niemand aufgewacht.“ Das hatte auch seine Gründe und ich litt jetzt schon darunter. „In meiner auch nicht.“ Das war nach wie vor unerklärbar, aber inzwischen nicht mehr so überraschend für mich, wie am Anfang. Man gewöhnte sich daran. „Die Mannschaft sollte doch einen Monat vor uns aufwachen, aber ich habe niemanden gesehen.“ Mein Blick war auf ihr festgesetzt, während Aurora sich ununterbrochen umschaute und das große Atrium durchsuchte. „Die schlafen noch.“ meinte ich nur. „Heißt das niemand ist wach?“ Innerlich kämpften die Schuldgefühle gegen das Gefühl der Freude und Erlösung, dass ich nun nicht mehr allein war. „Nur ich.“ „Nur du?“ „Ja, nur wir.“ Die bittere, aber einzige Wahrheit. „Aber irgendjemand muss doch das Schiff landen in ein paar Wochen.“
Ich nahm sie mit in das Observatorium und zeigte ihr, was ich damals gesehen hatte. „Die Ankunft wir in etwa 89 Jahren sein.“ erklärte die beruhigende Stimme und zeigte wiedermal anschaulich, wo wir uns zwischen der Erde und Coreland II befanden. Aurora verstand das alles offenbar noch nicht ganz. Oder wollte es nicht verstehen. „89 Jahre?“ waren ihre einzigen Worte, während sie die Animation anschaute. „Die anderen wachen nicht zu spät auf, wir sind zu früh.“ Langsam sickerte es in ihrem Kopf durch, ich konnte es spüren. Aber das meiste an Emotionen war immer noch Unglaube, mit einem Hauch an Angst dahinter. Die Blondine drehte sich zu mir um. „Wir brauchen Hilfe. Wo ist die Flugmannschaft?“
Das war leicht zu erklären. Ich führte sie zur Tür der Brücke, nach wie vor verschlossen, aber offensichtlich gut bearbeitet. Der ganze Gang lag noch voll mit den Überresten meiner fehlgeschlagenen Versuche. Währenddessen erklärte ich ihr, dass die für uns relevanten Personen in einem abgeriegelten Schlafraum lagen. Alle wichtigen Funktionen wie Steuerung, Reaktoren und Triebwerke, das lag alles hinter Sicherheitstüren, da kam man unmöglich ran.
Aurora musterte die ganzen Gegenstände im Gang. „Wie lange bist du schon wach?“ Ich spürte die aufkeimende Panik. Langsam wich der Unglaube und machte Platz für die erdrückende Realität. „Ein Jahr und drei Wochen.“ brachte ich die Antwort auf den Punkt. Das war wohl der Sargnagel, denn nun brachen die ganzen Emotionen in ihr hervor und ich musste mich fast aus ihren Gedanken zurückziehen, um nicht selbst davon mitgerissen zu werden.
Aber um nicht vollkommen durchzudrehen, versuchte sich die Frau an einen Strohhalm zu klammern. „Nein, das kann nicht sein. Wir müssen wieder einschlafen.“ Sofort dreht sie sich um und rannte zurück zu den Schlafkammern. „Das geht nicht.“ rief ich noch hinterher, aber es war zwecklos. Also folgte ich ihr in den Raum mit den Hyperschlafkammern.
Dort angekommen, dreht sie in Panik etwas durch, aber ich schaffte es, sie dann irgendwann zu beruhigen. An den Emotionen anderer Leute herumzuschrauben, gehörte nie zu meinen Stärken, also versuchte ich es nur mit Worten und dem Aufzeigen der Realität. „Um jemanden in Hyperschalf zu versetzen braucht man eine spezielle Ausrüstung. Du weißt doch noch, was die alles mit uns gemacht haben, wie viele Verfahren wir durchlaufen mussten. Die Kammern halten uns im Hyperschlaf und wecken uns zur richtigen Zeit wieder auf, aber sie können uns nicht zurück in den Schlaf versetzen.“
Langsam begriff sie. „Du meinst es gibt keinen Weg zurück in den Hyperschlaf?“ Aurora schaute mich an, aber ich konnte nur die offene Schlafkammer ansehen. „Nein.“ antwortete ich nur und fühlte mich dabei unendlich traurig. Ich wusste ja noch, wie es war, als mir klar wurde, dass ich hier feststeckte. „Aber es muss einen geben.“ kam nur als Antwort. Und mit leiserer und verzweifelterer Stimme kam ein „Es muss einfach.“ hinterher.
Doch es half alles nichts. Wir gingen zurück, durch das große Atrium. Plötzlich dunkelte sich das Licht umher ab und alles erschien in einem dämmrigen Blau. Meine Begleitung schaute sich verwirrt um. „21 Uhr. Nachtschalte.“ erklärte ich kurz. Damit war eigentlich alles gesagt.
Etwas schlaftrunken ging Aurora weiter. „Ich weiß, ich sollte an einer Lösung arbeiten, aber ich kann kaum noch die Augen offen halten.“ In meiner inzwischen eingeübten Erklärstimme sagte ich: „Du kommst gerade aus dem Hyperschlaf. Ein paar Tage, dann bist du wieder bei hundert Prozent. Ruh dich ein bisschen aus.“
Das war offenbar auch für sie einleuchtend, also bot ich an, die Frau zu ihrer Kabine zu begleiten, aber sie lehnte ab. Bevor der Fahrstuhl betreten wurde, schauten die müden Augen noch einmal zurück zu mir. „Über ein Jahr? Unvorstellbar. Das muss die Hölle für dich gewesen sein.“ Mein Blick war theoretisch wahrscheinlich Antwort genug, dennoch fügte ich ein „War es.“ hinzu.
Nachdem Aurora ins Bett gegangen war, ging ich in die Bar. Da wurde purer Whisky bestellt. Ich war tatsächlich auf den Geschmack gekommen und brauchte irgendetwas, um meine eigenen Emotionen zu betäuben. Nach diesem Tag war es schon fast angenehm, einen Androiden vor sich zu haben, der keine Gedanken und Emotionen hatte, die ich spüren konnte. Besser als die Anwesenheit einer Frau, welche eine unendliche Massen an Emotionen zu haben schien und in deren Gegenwart man eigentlich sofort Schuldgefühle bekam.
Offenbar veranlasste Arthur mein Auftreten dazu, mich zu fragen: „Wie war dein Tag, Jim?“ Beinahe hatte ich auf diese Frage gewartet. „Aurora ist wach.“ Das fasste das Geschehen ziemlich gut zusammen. „Herzlichen Glückwunsch.“ kam als Antwort darauf. Ich war nicht begeistert darüber. „Du siehst nicht glücklich aus.“ stellte der Barkeeper richtigerweise fest. „Arthur, kannst du ein Geheimnis behalten?“ „Jim, ich bin nicht nur Barkeeper, ich bin ein Gentleman.“ Das reichte mir als Versprechen. „Sag Aurora nicht, dass ich sie geweckt hab. Sie denkt, es war ein Unfall, lass mich es ihr sagen.“ „Selbst verständlich.“ Hoffentlich stimmte das auch.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 10:08

Ich hatte keine Ahnung, wie diese Nacht für meine Mitaufgewachte war, aber ich war tatsächlich nicht neidisch auf sie. Die ersten Nächte damals waren schrecklich. Man war nur in Gedanken, konnte kaum schlafen und wenn man es doch schaffte, wachte man Schweiß überströmt wieder auf.
Als ich am Morgen ins große Atrium kam, diskutierte sie gerade mit dem Ratgeberbildschirm über die Möglichkeit (oder besser Nichtmöglichkeit) von Schlafkammerausfällen. „Guten Morgen. Hast du schon gegessen?“ begrüßte ich Aurora freundlich. Und ich nahm tatsächlich eine Art Erleichterung wahr, als sie mich bemerkte. „Nein, ich bin am verhunger. Und diese Maschine ist dermaßen blöd.“ Ein Kopfnicken Richtung Bildschirm folgte. „War mir eine Freude.“ kam nur die übliche Antwort.
Im Essbereich zeigte ich der Frau, wie man die Essensausgabe benutzte, indem ich mein übliches Frühstück herausnahm, Auswahl hatte ich ja keine. Kurz nachdem ich mich gesetzt hatte, hörte ich hinter mir nur „Goldklassefrühstück.“ und drehte mich interessiert um. Sie setzte sich mir gegenüber und was da alles auf ihrem Tablett war, sah einfach nur umwerfend lecker aus. Aurora blickte nur auf meinen grauen Würfel aus… keine Ahnung woraus. Ehrlich gesagt, wollte ich das nie so genau wissen, was da drin war. „Wow, du bist aber bescheiden.“ Offenbar glaubte sie, dass ich mir das freiwillig hatte geben lassen.
„Ich bin kein Goldklassepassagier.“ war meine schlichte Erklärung dazu und kaute weiter an meinem grauen Etwas. „Was du da tolles auf deinem Tablett hast, übersteigt meine Gehaltsklasse.“ Aurora wirkte erschüttert. „Was? Seit einem Jahr?“ Mit einem leichten Lachen nickte ich. „Was soll ich dir holen?“ wurde von ihr direkt gefragt. Ich versuchte es halbherzig herunterzuspielen, dass es schon so passte, aber offenbar war Diskussion zwecklos. Kurz darauf stand ein Tablett mit absoluten Köstlichkeiten vor mir. Stellt euch das leckerste Essen vor und genau das war da vor mir. Zugegeben, nach diesem Jahr der Eintönigkeit, wäre ich auch mit weniger zufrieden gewesen, aber ich beschwerte mich da natürlich nicht. Es war der Himmel auf Erden, also im Raumschiff, wobei wir ja technisch gesehen im Himmel waren… egal, ihr wisst, was ich meine.
Meine Tischgefährtin begann währenddessen schon wieder mit irgendwelchen Vorschlägen. „Also, ich hab nachgedacht. Was ist mit der Krankenabteilung? Vielleicht kann man ja doch wieder einschlafen.“ Zwischen dem Kauen sagte ich: „Hab ich schon gecheckt, da gibt es nur einen Scanner und einen Autodoc.“ „Vielleicht gibt es noch eine Hyperschlafkammer im Frachtraum.“ „Den Gedanken hatte ich auch, dann bin ich die Ladeliste durch. Fast nur Landwirtschaftskram, Maschinen und Handelsgüter, Ersatzteile für Computer und soweiter. Da steht keine Kiste mit einer Hyperschlafanlage rum.“ Ich schob mir das nächste Stück in den Mund. „Wir könnten eine bauen.“ war ihr nächste Vorschlag. „Können wir nicht.“ Das konnte ich mit Gewissheit sagen. „Du hast es ja noch nicht mal versucht.“ wurde mir dann vorgeworfen. Oh Mann, wenn die wüsste. „Ich habe alles versucht, glaub mir. Seit über einem Jahr… Ich hab alles versucht.“ Was sollte ich ihr auch besseres sagen. Falsche Hoffnungen brachten nichts, wenn ich ohnehin schon wusste, dass sie falsch waren. In Auroras Gefühlen war der Kampfeswille noch deutlich zu spüren. „Aber ich gebe noch nicht auf.“ meinte sie nur, stand auf und stürmte drauf los. Sie war noch voller Tatendrang.
Und so verfolgte ich in den kommenden Tagen, wie die Blondine alles versuchte, was ich damals schon probiert hatte. Die Krankenstation wurde umgegraben, in den Archiven wurde nach Informationen zu Hyperschlafkammer gesucht (der Scheiß war urheberrechtlich geschützt, daher gab es dazu natürlich nichts), die Tür zur Brücke wurde weiterbearbeitet, aber es war natürlich alles zwecklos.
Währenddessen streifte ich auf dem Schiff umher und entdeckte dabei einen kleinen Putzroboter, der offenbar eine Fehlfunktion hatte und immer wieder gegen die selbe Wand fuhr. Die kleine Maschine brachte mich auf eine Idee und so begann ich mit einem neuen Bastelprojekt, welche mir gut die Zeit vertrieben.
Aurora akzeptierte ihr Schicksal auch irgendwann und begann wieder mit schreiben, immerhin war sie Schriftstellerin, aber ich spürte immer, wenn wir uns begegneten, ihr Trauer, über all das, was sie verloren hatte… was ich ihr genommen hatte. Es stellte sich eine Art Rhythmus ein. Sie ging Joggen, schrieb an ihren Zeilen und schwamm dann im Pool (ja, es gab einen großen Pool auf dem Raumschiff und sogar mit Weltraumausblick vom Wasser aus). Und ich bastelte größtenteils vor mich hin.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 10:21

Eines Tages, ich hatte heute schon beim Essen mit Schraubereien angefangen und noch nicht damit aufgehört, kam Aurora zu mir an den Tisch im Essbereich. Aus ihren Gedanken wurde ich noch nicht schlau, also schaute ich erwartungsvoll auf. Was könnte sie nur wollen? „Warum hast du´s getan?“ Mein Herz stockte und es rutschte mir in die Hose. Wie hatte die Frau das nur herausgefunden? Dennoch stellte ich mich dumm. „Was getan?“ Die Blondine zog einen Stuhl zurück und setzte sich zu mir an den Tisch. „Auswandern, die Erde verlassen. Du wirst jetzt interviewt.“ Mein Herz begann wieder zu schlagen, es ging nur um die Entscheidung zu der Reise. Erleichtert legte ich meine Sachen auf den Tisch und fragte belustigt nach. „Was werde ich?“
Ihre Antwort darauf war überraschend einleuchtend. „Du warst der erste Hyperschlafausfall in der Geschichte der Raumfahrt. Das macht dich zu einer Story.“ Ich war zugegeben schon etwas geschmeichelt. „Wem erzählst du die?“ wollte ich dennoch wissen. „Der Nachwelt. Also? Warum hast du die Erde verlassen? 120 Jahre im All heißt, dass du deine Familie und Freunde niemals wiedersiehst. Du wachst auf in einem neuen Jahrhundert, auf einem neuen Planeten. Der ultimative, geografische Selbstmord.“ Etwas überrumpelt stellte ich zuerst eine Gegenfrage. „Tja, das könnte ich dich auch fragen.“
Aurora war davon jedoch unbeeindruckt. „Aber das ist mein Interview.“ stellte sie klar. „Bist du vor irgendwas davongelaufen?“ Ich verneinte und das entsprach zumindest halbwegs der Wahrheit. „Also?“ wurde weiter nachgehakt. Und so begann ich damit, irgendwas zu erzählen. „Ich nehme an, ich wollte eine neue Welt, einen neuen Anfang.“ Aurora war wenig überzeugt. „Das sind Coreland Werbesprüche. Jim?“
Tja, was sollte ich machen. „Ja ich weiß, du hast schon recht.“ Ich überlegte diesmal genauer, was ich sagen könnte. „Wenn auf der Erde etwas kaputt geht, wird es nicht repariert, es wird ersetzt. Auf den Kolonien gibt es Probleme die gelöst werden müssen. Meine Art von Problemen. Da ist man wer als Mechaniker. Das ist eine neue Welt, die noch im Aufbau ist. Ich könnte ein Haus bauen und drin Leben. Unberührtes Land, Raum zur Entfaltung.“ „Jetzt bist du wieder bei den Slogans.“ „Können Slogans nicht wahr sein?“ Damit hatte ich sie.
Wir kamen dann in ein ganz normales Gespräch. Irgendwann gingen wir durch das Schiff, um uns beim Reden etwas zu bewegen. Wir kamen dabei zu den Hyperschlafkammern. „Weißt du wie viel Coreland an ihrem ersten Planeten verdient hat? 8 Billiarden Dollar! Das sind 8 Millionen Milliarden.“ erzählte sie mir gerade. „Kolonieplaneten sind das größte Geschäft, das es gibt. Hast du den vollen Preis für dein Ticket bezahlt?“ Das war nicht schwer zu beantworten. „Nein, ich war eine gesuchte Fachkraft.“ Mit einem wissenden Grinsen fuhr sie fort. „Also dann flüstern sie dir ein paar Träume ein, geben dir Rabatt aufs Ticket, du fliegst los, besiedelst ihren Planeten und gibst Coreland 20 Prozent von deinem Verdienst für den Rest deines Lebens, ganz zu schweigen von den Schulden, die du auf diesem Luxusdampfer anhäufst.“ Das klang zugegeben schon ziemlich hart. Ich schaute mich im Raum um. „Dann siehst du hier vor dir nur 5000 Trottel?“ Weil irgendwie klang es so, wenn sie das sagte. „Ich sehen null auf der Habenseite von Coreland.“ Das war aber schon hart gesagt. „Ich sehe hier 5000 Männer und Frauen die ihr Leben verändern. Aus 5000 verschiedenen Gründen. Du kennst die überhaupt nicht.“ Trotzig schaute Aurora mir in die Augen. „Ich bin Journalistin. Ich kenne die Leute.“
Ich nahm das als Herausforderung. „Wirklich?“ fragte ich daher, drehte mich um und las den Beruf auf der erstbesten Schlafkammer. „Der hier, ist das ein Banker, ein Lehrer oder ein Gärtner.“ Sie schaute in die Schlafkammer und meinte sofort „Banker.“ Ich grinste und meinte nur „Er ist Gärtner.“
Aber das Spiel gefiel mir und ihr offenbar auch. Ich ging zur nächsten Schlafkammer. „Und sie? Ist sie eine Maria, Donna oder Lola?“ „Donna klingt zu seriös für die Frisur. Lola.“ Ich grinste wieder. „Maria.“ „Scheiße.“ Auch sie grinste nun. Nächte Schlafkammer. „Köchin, Buchhalterin oder Hebamme?“ Ich liebte es, wenn Aurora so lächelte. „Die muss Hebamme sein, dass kannst du dir nicht ausgedacht haben.“ Ich nickte ertappt. „Ja, sie ist Hebamme. Wusste gar nicht, dass es noch Hebammen gibt.“ Die Frau umlief mich nun, um das Gesicht hinter der Scheibe besser sehen zu können.
Verträumt schaute sie durch das Glas. „Die mag ich. Wir wären Freundinnen.“ So wie sie das sagte und wie sie sich innerlich anfühlte, war die Blondine davon vollends überzeugt. „Siehst du das wirklich sofort?“ fragt ich sie und schaute Aurora von hinten an. „Du nicht?“ fragte sie zurück und schaute weiter in die Kammer. Mein Blick blieb an ihr kleben und in mir spielte vieles durcheinander. „Doch. Schon.“ meinte ich nur.
Wir gingen weiter und landeten im Observatorium. Mit etwas zu Essen machten wir es uns da gemütlich, weil es einfach schön war, vor diesem riesigen Schaufenster zu sitzen. Aber eigentlich schauten wir gar nicht groß heraus, sonder unterhielten uns die ganze Zeit. Eben hatte sie mir etwas unglaubliches erzählt. „Ein Hin- und Rückticket?“ Das klang doch absurd, war es aber offenbar nicht. „Genau. Ich wollte zu Coreland II fliegen, ein Jahr dort leben und dann wieder zurück zur Erde.“ Aurora lächelte, während sie das sagte. „Kapier ich nicht. Ich hab die Erde für ein neues Leben verlassen und du landest wieder am Anfang.“ „Ich lande in der Zukunft. 250 Jahre in der Zukunft. Auf der Erde, immer noch der Mittelpunkt der Zivilisation, ob du willst oder nicht. Ich wäre die einzige Schriftstellerin die je auf einer Kolonie war und zurückgekommen ist. Ich hätte eine Geschichte, die nur ich schreiben kann. „Was für eine Geschichte?“ „Die Menschheit fliegt zu den Sternen, die größte Migration der Menschheitsgeschichte. Die größte Geschichte die es überhaupt gibt. „Aber du würdest die Mensch nicht kennen, die sie lesen.“ Ich musste schmunzeln. „Aber sie würden sie lesen.“ Ich spürte, wie ihre Gefühle kippte, bevor ich es ihr ansehen konnte. Verbitterung trat in die Stimme. „Aber jetzt nicht mehr.“ Aurora schaute aus dem riesigen Fenster in das Weltall. „Ich werde sie ja nie schreiben. Ich weiß nicht, ob ich je wieder schreibe.“ Mir drehte sich der Magen um, schließlich war ich allein an all dem schuld. Ich hatte ihr Leben zerstört und das alles nur, weil ich einmal zu schwach geworden war.
So war die Stimmung nun ziemlich ernst geworden. „Jim, mir fällt nichts mehr ein, was wir noch versuchen könnten, um uns zu retten. Und ich habe auch keine Lust mehr, darüber nachzudenken.“ Diese Gedanken kannte ich nur zu gut, anders konnte man so wahrscheinlich auch nicht leben. „Was kann man denn hier so machen?“ Das war eine wunderbare Frage, denn sofort besserte sich meine Stimmung. Ich konnte alles, was mir keinen Spaß mehr machte, weil ich alleine war, nun mit ihr machen und sofort hatte ich wieder Spaß daran auch nur die ganzen Möglichkeiten zu bedenken. Ich grinste sie an und dann ging es los.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 11:40

Zugegeben, das Tanzduell schien sie nicht auf Anhieb zu überzeugen, aber sie machte trotzdem mit. Basketball machte ihr da schon deutlich mehr Spaß. Es war herrlich. Wir hatten beide unseren Spaß und vergaßen darüber unsere Trauer. Am Abend führte ich sie in die Bar und Arthur fragte natürlich sofort: „Wer ist die bezaubernde Dame?“ Ich stellte Aurora kurz vor und auch da war es einfach nur schön. Wir gingen zusammen ins Kino und hatten den ganzen Saal nur für uns. Und das machten wir dann einfach jeden Tag. Im Tanzduell wurden wir besser, beim Basketball war sie tatsächlich besser als ich und im Kino bewarfen wir uns mit Popcorn. Zusammengefasst konnte man sagen, wir hatten unseren Spaß.
An der Bar wurden alte Geschichten ausgepackt, wie zum Beispiel, als ich praktisch nackt durch das Schiff gelaufen war. Ich liebte ihr Lachen. Und Arthur spielte da einfach mit. „Genau sieben Wochen und zwei Tage, der Mann hat kein Schamgefühl.“ „Hm, bei dir hapert es untenrum aber auch ein bisschen Arthur.“ konterte Aurora geschickt. Ich musste lachen. „Ich lachte über den Mann ohne Hose, bis ich merkte, ich bin der Mann ohne Unterleib.“ Wir lachten gemeinsam, sogar Arthur kam über sein übliche Barkeeperlächeln hinaus. Er wirkte fast schon menschlich.
Doch dann wurde meine Sitznachbarin plötzlich wieder ernst. „Für einen Augenblick hatte ich fast vergessen, dass mein Leben ruiniert ist.“ Die heitere Stimmung war sofort weg. „Tut mir leid.“ sagte ich automatisch, denn ich hatte ja wirklich Schuldgefühle. „Warum?“ fragte sie zurück, aber ich traute mich nicht gleich zu antworten. Darauf wartete die Blondine aber auch nicht, sondern meinte nur „Ich gehe ins Bett. Gute Nacht.“ und ging das dann umsetzen.
Ich blieb allein an der Bar sitzen. „Sie ist wunderbar.“ meinte Arthur flüsternd, nachdem er sich etwas zu mir gebeugt hatte. „Ausgezeichnete Wahl.“ Er grinste dabei nur so fröhlich, aber ich wurde beinahe trübsinnig. Mit welchem Recht hatte ich ihr Leben zerstört? Mit dem Recht der Einsamkeit? Aber das war sie doch jetzt vielleicht auch. Mit meinen elenden Gefühlen konnte ich jetzt unmöglich schlafen gehen, also zog ich mich zum Lager in meine Bastelkabine zurück.
Dort machte ich mich daran das Empire State Building nachzubauen. Sie hatte mir heute erzählt, dass das ihr Lieblingsgebäude war. Dünnes Blech war da perfekt als Baumaterial.
Als es fertig war, stellte ich es ins Observatorium, mit einem Kaffee daneben, da mir bewusst war, dass sie da gern hinging, um in die Weiten des Alls zu blicken. Ich war mir sicher, dass es ihr gefallen würde.
Einmal kam ich zufällig beim Pool vorbei, als Aurora gerade von mir weg schwamm. Ich lehnte mich gegen die Wand und beobachtete sie einfach nur. Das konnte ich eigentlich immer machen, traute mich nur meistens nicht, es so schamlos zu tun. Dummerweise schaute sie sich um. Ertappt tat ich noch so, als ob ich wegschauen würde und stieß mich von der Wand ab, aber es war natürlich schon zu spät. Ich winkte etwas unbeholfen und sie lachte nur. Sie mochte mich, das war offensichtlich. Aber ich hatte meine Idee mit dem Putzroboter auch bald fertig.
Eines Abends war es soweit. Ich steuerte meinen kleinen Freund per Fernsteuerung aus meiner Bastelkabine durch das Schiff zum Observatorium. Natürlich hatte ich vorher überprüft, ob sie auch da war. „Hi.“ begrüßte sie die kleine weiße Maschine und schaute direkt in die Kamera, welche ich mit einem Mikrofon zusammen, auf dem Kleinen montiert hatte. Ich aktivierte den Mechanismus und Aurora wurde ein kleiner Zettel gereicht, auf dem stand: Abendessen heute? Jim
Sie schaute vom Zettel auf und direkt in die Kamera. „Bittet er mich um ein Date?“ fragte sie den Roboter. Ich ließ die Kamera per Fernsteuerung nicken. Die Frau grinste nur. Ich aktivierte den nächsten Mechanismus und ihr wurde ein Stift gereicht. Diesen nahm sie an und schrieb irgendetwas auf den Zettel, sagte aber nichts weiter dazu und gab den Zettel dem kleinen Putzer zurück. Ich ließ ihn natürlich sofort zurückkommen und ging in Gedanken alle Möglichkeiten durch, die so drauf stehen könnten. Und dann war es endlich soweit. Ich schaute mir den Zettel an und es stand Liebend gern darunter. Mit einem A gekennzeichnet. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer. Sie freute sich also wirklich darauf.
Sofort begab ich mich auf die Suche, wo ich mir einen Anzug borgen (klauen) könnte. Hübsch herausgeputzt, so gut ich das halt konnte, ging ich am Abend zu ihrer Kabine und kündigte mich mit dem Armband an. Die Tür öffnete, aber Aurora stand nicht dahinter. Kurz überlegte ich, ob ich hineingehen sollte, aber bevor ich mich entscheiden konnte, kam sie auch schon um die Ecke.
Oh mein Gott. Sie trug ein schwarzes Kleid und hatte sich wirklich hübsch gemacht. Ich war vollkommen sprachlos. Als sie näher trat bekam ich nur ein überwältigtes „Wow!“ heraus. „Du siehst aber auch nicht über aus.“ war ihre Erwiderung darauf. „Du hast einen Anzug gekauft.“ Ich grinste nur schelmisch. „Ich habe einen Anzug geklaut.“ Stellte ich das Ganze noch mal klar.
Wir gingen in die Bar. Nachdem wir unsere Getränke bestellt hatten, meinte Arthur: „Ihr seht heute Abend sehr schick aus.“ Es war vor allem bei mir auch nur schwer zu übersehen. „Danke Arthur.“ war Auroras erste Reaktion. „Wir haben ein Date.“ offenbarte sie das Offensichtliche. „Sehr schön.“ war alles, was er dazu sagte. „Ich dachte schon du fragst nie.“ kam die klare Botschaft dann in meine Richtung. „Ich wollte dir Raum geben.“ Mein Date verdrehte die Augen und stöhnte genervt. „Raum, das ist das Einzige, von dem ich mehr als genug habe.“ Da konnte ich nur lachen und zustimmen.
Anschließend gingen wir noch französisch essen. „Das war so gut.“ erklärte sie, als wir fertig waren. „War gar nicht so einfach eine Reservierung zu bekommen.“ meinte ich scherzhaft und schaute mich im leeren Lokal um. „Wahrscheinlich warten die schon, dass wir den Tisch freimachen. Die gucken alles schon so genervt.“ spielte sie problemlos mit. „Ja, ein ziemlicher Andrang heute Abend.“ Wir begannen beide zu lachen.
Ich wechselte das Thema „Kommst du mit deinem Buch voran?“ Lächelnd schwenkte Aurora ihr Weinglas und schaute in die Ferne. „Ich weiß noch gar nicht, in welche Richtung es geht. Mein Vater hat immer über sein Leben geschrieben, aber er hatte auch etwas zu erzählen. Er war in die Antarktis gesegelt, er war Kriegsreporter, er hatte Affären. Er schrieb über seine Tochter.“ Für alle die es noch nicht verstanden hatte, ihr Vater war ein bekannter Schriftsteller gewesen. „Er schrieb über dich?“ Ich war überrascht. „Ja, ich bin damit aufgewachsen, in Büchern über mich zu lesen.“ „Und wie war das?“ Mein Date nahm einen Schluck Wein. „Nicht immer einfach. Es gibt Dinge, die will man gar nicht so genau von sich wissen. Und dann, als ich 17 war, hatte er einen Herzinfarkt… mitten beim Schreiben. Ende der Geschichte.“ Mit einem entschuldigenden Lächeln schaute sie zu mir herüber. „Das ist jetzt ganz schön ernst geworden. Tut mir leid. Wir brauchen mehr Wein.“ Aber das brauchten wir meiner Meinung nach gar nicht. „Ich höre gern zu, wenn du von dir erzählst.“ Das war auch die Wahrheit und zwar schon länger, als sie wach war. „Danke.“ flüsterte sie mir nur zu und ich wusste, wie ernst sie das meinte. Mir wurde warm ums Herz.
Danach führte ich sie durch die Hyperschlafkammern zu dem Raum mit den Anzügen für außerhalb des Schiffes. „Hast du das schon mal gemacht?“ fragte Aurora mit Skepsis in der Stimme. „Oh ja.“ meinte ich nur. Mit meinem bereits angelegten Raumfahreranzug stapfte ich zu dem anderen. „Und es ist sicher?“ Da war wohl noch Überzeugungsarbeit nötig. „Nein.“ sagte ich daher einmal übertrieben sarkastisch und langgezogen, lachte kurz und offenbarte dann: „Es ist halbwegs sicher.“ Das konnte ich auch mit voller Überzeugung so sagen. „Also rein mit dir, jetzt bist du dran.“ Herausfordernd schaute die Blondine mich an. „Und was ist mit meinem Kleid?“ Sprachlos schaute ich sie an. Das hatte ich völlig vergessen. „Richtig.“ flüsterte ich und dachte fieberhaft an einer Lösung. Aurora lachte nur und meinte: „Dreh dich um.“
Das tat ich auch sofort. Schade, dass ich nur Emotionen spüren kann und keine Bilder, die die andere Person sieht. Dennoch stieg mir sogleich die Schamesröte ins Gesicht. Ich höre hinter mir den Reißverschluss aufgehen und kurz darauf rutschte das schwarze Kleid zwischen meinen Füßen hindurch. Ihr innerliches Gekicher war für mich nicht zu überhören. Und so gingen wir hinaus ins All. Der Mann vorneweg und die Frau hinterher. Gut, zugegeben, ich war halt schon mal hier draußen gewesen und sie noch nicht. Ich war mir damals meiner Sache auch nicht ganz sicher gewesen.
Ihre Bewunderung für die unendlichen Weiten des Alls durchströmten sie förmlich. Die Begeisterung war so ergreifend, dass ich mitgerissen wurde. Es war aber auch einfach nur fantastisch. Ich nahm ihre Hand, stellt mich vor sie, schaute ihr in die Augen und fragte: „Vertraust du mir.“ Erst musste sie sich kurz überwinden, nickte dann aber. Sie vertraute mir wirklich, das spürte ich.
Die Magnetschuhe wurden auf meinen Knopfdruck hin deaktiviert und wir schwebten, natürlich am Sicherungsseil, in die Leere des Universums hinaus. Es war wie in einem Liebesfilm. Wir drehten uns umeinander, schauten auf die Stern hinaus und waren beide einfach nur glücklich. Nach einer Weile traf sich unser Blick und blieb aneinander hängen. Ihr „Danke.“ kam einfach nur aus der tiefsten Seele. Sie war durch und durch glücklich, wegen mir und das war für mich gerade das Entschiedenste. Als wir zurückkamen, wollten wir nur noch einander umarmen, spüren und lieben. Es war unbeschreiblich schön.
Und das blieb dann einfach so. Jeden Tag. Wir hatten uns gefunden. Am Frühstückstisch schaute ich sie einfach nur an und meinte: „Du bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe. Du machst mich fertig.“ Und ihre Reaktion darauf war einfach nur, dass sie unsere Tabletts vom Tisch schob, über den Tisch zu mir gekrochen kam und wir liebten uns gleich an Ort und Stelle. Nur um mal ein Beispiel zu nennen. Wir waren ja ohnehin allein.
Wir konnten einfach machen, was wir wollten und das taten wir auch. Eines Abends lagen wir gemeinsam im Bett. Sie kuschelte sich an meine Brust und ich streichelte ihren Kopf. Ihre Gefühle verstand ich zunehmend besser und wusste, was in ihr vorging. „Alles ok?“ fragte ich daher. Aurora nickte einfach nur und machte eine Handbewegung, die alles bedeuten konnte. Ich wusste ja aber, was sie dachte und fühlte. Es war alles so surreal. Wir saßen nun beide hier fest, aber hatten einander und waren glücklich. Es war einerseits schrecklich, aber gleichzeitig einfach nur schön. Ich hätte das auch nicht beschreiben können.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 11:54

Aurora zog praktisch bei mir ein. Wir machten vieles gemeinsam. Sie fing wieder an zu schreiben. Und ich musste es natürlich alles lesen. Na gut, ich durfte alles lesen, denn es war wirklich gut geschrieben. Wir spielten und sangen gemeinsam am Klavier in der Bar.
Ich bastelt weiter vor mich hin, unter anderem war ich dabei einen Ring für sie zu bauen. War echt nicht einfach, vor allem, weil er ja schön werden sollte. Und immer mal wieder reparierte ich einen der kleinen Putzroboter. Und dann erkundete ich einfach mal noch die Pflanzen, welche im Lager mitgenommen worden waren. Einmal schnitt ich ein paar rote Rosen für meine Liebe. Sie war natürlich glücklich darüber.
Und ja, ich hatte ihr immer noch nicht gesagt, wer sie geweckt hatte. Das schob ich immer weiter vor mir her. Warum sollte sie es überhaupt wissen? Wir waren doch glücklich miteinander.
Einmal flogen wir an einem roten Riesen vorbei und konnten ihn in aller Ruhe vom Observatorium aus bestaunen. Wundervoll. Das Ganze verkaufte ich dann so, als ob das Universum ihr das zum Geburtstag geschenkt hätte. Wenig glaubwürdig, aber dennoch kam die erwünschte Reaktion. Sie war glücklich.
Ich führte sie an dem Abend natürlich wieder einmal quer durch die besten Lokale des Schiffes und endeten in der Bar, wo Arthur uns schon die Drinks vorbereitet hatte. „Ein Geburtstagsdrink für das Geburtstagskind.“ sagte er und stellt uns beiden ein Glas Sekt hin, wobei Aurora es natürlich zuerst bekam. „Fragst du nicht nach meinem Ausweis?“ wollte diese scherzhaft wissen. „Vielleicht darf ich noch gar nicht trinken.“ Nachdem der Satz beendet war, setzte sie jedoch schon das Glas an und nahm den erste Schluck. „Ich würde nie nach dem Alter einer Dame fragen in Gegenwart eines Gentleman.“ erwiderte der Barkeeper. „Jim ist kein Gentleman.“ sagte Aurora sofort. „Aber wir haben eh keine Geheimnisse voreinander.“ Dabei strich sie mir mit der Hand liebevoll über die Wange. Ich konnte ihr dabei nicht in die Augen sehen.
Mit einem ungewöhnlich ernsten Unterton fragte Arthur mich: „Ist das so?“ Und ich sagte ohne weiter darüber nachzudenken: „Du hast die Lady gehört. Bin gleich wieder da.“ Und ging um die nächste Eck, um den Ring hervorzuholen. Alles lief auf diesen Augenblick hinaus. Ich würde ihr jetzt einen Antrag machen und ich war mir absolut sicher, dass sie ihn annehmen würde. Ich beruhigte ein wenige mein Herzklopfen.
Dann trat ich um die Eck, um den perfekten Abend abzurunden und… wusste sofort, dass sich alles geändert hatte. Wut, Unglaube und teilweise auch Hass konnte ich bei Aurora spüren. Mit Tränen in den Augen schaute sie mich an. „Was ist?“ fragte ich nur, wusste aber sofort, was das Problem war. Mit der Aussage, dass wir keine Geheimnisse voreinander hätten, musste sich das Versprechen für Arthur gelöst haben, dass er schweigen sollte und so hatte er ihr das jetzt bestimmte erzählt. Das, wovor ich mich ewig gedrückt hatte und ich mich wahrscheinlich auch noch ewig gedrückt hätte. „Hast du mich aufgeweckt?“ war alles, was sie mit brüchiger Stimme herausbrachte. Aber jetzt war es soweit, es gab keinen Weg zurück und irgendwie war ich auch minimal erleichtert, dass ich es nicht länger vor mir herschieben musste. „Ja, ich habe dich aufgeweckt.“ sagte ich nur mit ernster Stimme. Es war endlich gesagt, aber es war eben auch leider gesagt.
Ich spürte, wie sie innerlich völlig zusammenbrach. Alles, was sich im Verlaufe des Jahres aufgebaut hatte, stützte jetzt einfach in sich zusammen. „Wie konntest du…?“ brachte sie heißer hervor, aber ihre Stimme versagte. Es ist schrecklich, wenn man eine Person sieht, die von innen und außen vollkommen erschüttert aussieht. Mir brach es fast das Herz, aber was sollte ich auch machen. Wenn ich versuchte, sie in den Arm zu nehmen, würde Aurora mich wahrscheinlich töten.
Ich blieb also einfach genau da stehen, wo ich stand und versuchte die Sache zu erklären. „Ich habe versucht, es nicht zu tun.“ Mehr bracht ich nicht über die Lippen. Was konnte ich auch machen, ich fühlte mich vollkommen hilflos. Arthur würde da nicht hilfreich sein.
Langsam stand Aurora auf. Es war schrecklich, sie so zu sehen, vor allem, da ich wusste, dass ich die Ursache davon war. „Mir wird schlecht.“ brachte sie hervor. Ich kam auf sie zu, um ihr zu helfen und flüsterte dabei ihren Namen. Mit Hass in den Augen schaute sie mich an, als sie sich rumdrehte und schrie: „Bleib weg von mir.“ Sie verließ sofort die Bar und ich blieb da, wo ich war. Ihr jetzt zu folgen, wäre bestimmt keine gute Idee. Die Bar war für den Abend mein Zuhause.
Spät in der Nacht kam ich dann in meine Suite zurück. Einige Vasen waren zerbrochen, alles, was Aurora hier gehabt hatte, war weg. Meine Schränke, die hauptsächlich mit ihren Kleidern gefüllt war, standen alle leer.
Am Morgen ging ich in den Essbereich, um mit ihr zu reden, sie war auch tatsächlich da, aß aber nicht. Die Frau saß vor ihrem vollen Tablett und starrte einfach geradeaus, nicht in die Richtung, aus der ich kam. Vorsichtig ging ich näher heran. Innerlich wirkte sie leer, als ob alles, was in ihr gewesen war, bereits ihren Körper verlassen hatte. Ich fühlte mich schrecklich, dennoch wagte ich einen Versuch. „Kann ich mit dir reden?“ Offenbar bekam die Blondine jetzt erst mit, dass ich da war, denn sie zuckte zusammen, stand sofort auf und verließ mit eiligen Schritten den Raum, ohne mich auch nur anzusehen. Und so ließ ich sie lieber in Ruhe, denn ich wollte Aurora nicht auch noch mit meiner Anwesenheit die ganze Zeit daran erinnern, was ich getan hatte… Bis sie eines Nachts zu mir kam.
Ich schlief, denn ich bemerkte erst, dass die Frau da war, als sie schon über mir stand. Ihr Blick wirkte resigniert, aber ich spürte den Hass in ihr brennen. Direkt neben mir am Bett stehend, schaute sie mich einen Moment an. Dann holte Aurora aus und schlug mir ins Gesicht. Es lag Wucht hinter dem Schlag und ich hatte keine Zeit zum Reagieren. Weitere Schläge folgte und obwohl ich meine Hände schützend vors Gesicht hielt, bewahrte mich das nicht vor der Wut, die da aus ihr sprach. Für einen Moment hörten die Schläge auf, aber dafür bestieg die Blondine nun das Bett und begann, auf mich einzutreten. Es tat richtig weh, aber ich versuchte nur mich zu schützen, nicht mich zu verteidigen. Sie hatte ein Recht darauf, mir das anzutun.
So ging es noch ein paar Sekunden weiter, bis sie im Rausch von meinem Bett viel, direkt neben die Brechstange, die ich dort hatte liegen lassen. Sofort wurde danach gegriffen und ausgeholt, doch sie zögerte. Ein Funken an Mitgefühl, Erinnerungen an unsere bisherige Zeit, tauchten in ihren Gedanken auf. Dennoch war Wut und Hass überwältigend. Ich nahm meine Hände beiseite und lag nun schutzlos auf dem Rücken. Wenn Aurora es zu Ende bringen wollte, dann hatte sie jetzt die Gelegenheit dazu. Ich hatte es zweifelsfrei verdient, von ihr aus den Leben geprügelt zu werden.
Warum sie am Ende nicht zuschlug, weiß ich selbst nicht so genau. Sie wahrscheinlich auch nicht, aber Fakt ist, dass nach mehreren Sekunden des Zögerns ihre Tränen kamen, sie die Brechstange einmal quer durch den Raum warf und meine Suite verließ. Ich war fix und fertig, teils von meinen eigenen und teils von ihren Emotionen mitgerissen. Schlaf fand ich in dieser Nacht kaum noch. Außerdem tat mir nachvollziehbarer Weise auch einiges weh, aber ich begrüßte den Schmerz regelrecht, da er mich von meinen kreisenden Gedanken ablenkte.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 12:04

Am nächsten Tag begab ich mich in einen Serviceraum und rief mir dort alle Kameras auf Bildschirm und Tisch und schloss das Mikrofon an. Meine Mitpassagierin joggte gerade ihre Kreise am Morgen. Im Wissen, dass sie mich hören würde, egal wo sie gerade langlief, begann ich mit meiner Erklärung: „Aurora, ich weiß, ich kann das nicht wieder gut machen, aber hör mich bitte an. Ich war so allein, für so lange. Ich hatte das Gefühl, zu verschwinden. In der Nacht, als ich dich zum ersten Mal sah, war ich kurz davor...“ Ich unterbrach mich kurz selbst. Die Erklärung nahm mich selbst auch ganz schön mit. „Du hast mein Leben gerettet. Und ich weiß, dass entschuldigt nicht, was ich dir angetan habe. Und ich habe alles von dir gelesen. Und ich habe mich in deine Stimme verliebt und in deine Art zu denken. Ich habe mich in dich verliebt. Und plötzlich war…“ Meine Stimme brach ein wenig, aber ich sprach trotzdem weiter. „...war ich nicht mehr gefangen. Mein sinnloses Leben, hatte plötzlich einen Sinn. Und ich möchte es rückgängig machen, aber das kann ich nicht. Aurora, ich will dich nicht verlieren.“
Da sie gerade durch das große Atrium lief, konnte ich hören, was sie durch das ganze Schiff schrie. „Das ist mir egal. Es ist mir egal, was du willst. Es ist mir egal, warum du mich aufgeweckt hast. Du hast mir meine Leben genommen.“ Ich konnte und wollte dazu nichts sagen, denn sie hatte recht und verübeln konnte man es ihr nicht. Ich hatte tatsächlich ihr Leben genommen. Unter Tränen lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und versuchte ab sofort nicht einmal mehr, ihr irgendwo zu begegnen. Wir gingen uns im Großen und Ganzen aus dem Weg, so gut das auf der begrenzten Fläche halt möglich war.
Es ging immer mal wieder einer diese Putzroboter kaputt, was mir durch die Reparaturen Ablenkung verschaffte. Als ich eines Tages so in meiner Suite saß und mir zum keine Ahnung wievielten Male den Plan der kleinen Putzroboter anschaute, flackerte plötzlich der Bildschirm mit den Bildern von der Erde. Dann ging das Licht in meiner ganzen Kabine aus. Verwirrt schaute ich mich um und stand auf. „Haben Sie einen Moment Geduld. Das Kontrollzentrum der Suite wird neu gestartet.“ sagte eine wohl bekannte mechanische Frauenstimme und einen Moment später gingen auch die Lichter wieder an.
Immer noch etwas verwirrt schaute ich mich um und da, wo normalerweise schöne Erdlandschaften zu sehen waren, sah ich… war das der Plan unserer Flugrute? Es sah merkwürdig aus und warum sah ich das hier an der Wand? Ein paar Sekunden flackerte das merkwürdige Bild noch und dann erschien wieder eine herrlich verschneite Landschaft. Mit einem mulmigen Gefühl entschied ich mich dazu, heute nicht weiter am Roboter zu schrauben, sondern lieber in die Bar zu gehen, schließlich müsste ich heute dran sein. Ach ja, ich hatte mich mit Aurora geeinigt, wie wir uns bei Arthur abwechselten, damit wir uns da nicht über den Weg laufen konnten.
Ich betrat also den Barraum und rief fröhlich „Arthur!“, um eben diesen zu begrüßen, als ich auch schon abrupt stehen blieb. Da saß schon jemand an der Bar, aber eigentlich... „Dienstag ist mein Tag mit Arthur.“ Ich hatte es aufgegeben ihr gegenüber nett und freundlich zu sein, da sie das immer noch wütender machte. Ich sprach daher immer in neutralem Ton. „Es ist Mittwoch.“ kam sofort die giftige Antwort.
Ich überlegte. Wirklich? War heute schon Mittwoch? Keine Ahnung, musste ich mich wohl vertan haben. Noch bevor meinen Gedanken jedoch zu einem Punkt kamen, leerte Aurora ihr Glas und meinte: „Die Bar gehört dir.“ Sie stand auf und verließ zielstrebig den Raum.
Ohne weitere Worte zu wechseln, begab ich mich auf einen Hocker. „Was darf es denn sein. Whisky?“ kam die übliche Frage des Barkeepers. „Kaffee.“ erwiderte ich nur. Ich wollte weg vom Alkohol. Zumindest weg vom regelmäßigen Alkohol. Das half mir hier nämlich nicht mehr weiter.
In der Nacht machte ich mich nun daran, einen neuen Plan umzusetzen. Ich wollte Aurora mit etwas überraschen, was ihr nicht entgehen konnte und ihr obendrein auch noch gefiel. Immer wenn wir uns zufällig mal begegnete, wirkte sie etwas in Gedanken versunken. Dank meiner Fähigkeiten erriet ich, dass sie sich alte Aufnahmen von Freundinnen auf der Erde anschaute, wenn sie allein war. Diese schienen sie auch ganz schön ins Grübeln zu bringen, denn in meiner Gegenwart nahm ich weniger Hass war. Nicht das die Blondine mich wieder mochte, weit gefehlt. Aber die Erinnerungen an und die Worte von vertrauten und geliebten Menschen taten ihr offenbar wirklich gut.
Ich wiederum, schloss dann endlich mein geplantes Projekt eines Nachts ab. Ich hatte einen Baum in das Große Atrium gepflanzt. Lange hatte ich mich damit beschäftigte, wo Leitungen im Boden waren und ich da somit nichts einpflanzen sollte. Ansonsten legte ich die Sachen einfach um, damit ich den Platz hatte, den ich brauchte.
Gut gelaunt begab ich mich nach getaner Arbeit, es war in den frühen Morgenstunden, in die Bar. „Morgen, Arthur“ begrüßte ich den Mann hinter der Theke. „Kaffee bitte.“ Ich nahm Platz und wartete, das mein Getränk fertig wurde. „Beschmutzt du meinen Barhocker?“ wurde ich währenddessen gefragt. Die Frage war zugegeben berechtigt. Ich bin sofort, nachdem ich fertig geworden war, hergekommen und daher sah ich halt noch etwas eingesaut aus. Aber das war mir egal. „Wenn du Dinge machen willst, musst du dir die Hände schmutzig machen.“ Arthur stellte mir meine Tasse hin. „Und was hast du gemacht?“ Ich grinste und nahm mein Getränk entgegen. Bevor ich jedoch den ersten Schluck nahm, meinte ich nur: „Verbesserungen.“ Nachdem die Tasse leer war, erklärte ich ihm, was ich da gemacht hatte.
Danach begab ich mich in den Kameraraum, um zu sehen, wie Aurora darauf reagieren würde. Und ich wurde nicht enttäuscht. Es war deutlich zu sehen, wie glücklich sie war, mal wieder eine Pflanze berühren zu können. Mit einem breiten Grinsen, saß ich in meinem Stuhl, versuchte aber nicht, sie irgendwie zu belästigen. Ich wollte ihr einfach etwas Gutes tun und das hatte scheinbar auch geklappt.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 12:21

Dann hatte ich eines Tages ein Problem. Ein kleiner Putzroboter war wiedermal kaputt, das passierte in letzter Zeit immer häufiger, und so war ich mit diesem gerade unterwegs, um ihn zu reparieren, als einfach der Fahrstuhl ausfiel, in dem ich gerade stand. Egal was ich auf den Displays drückte, es reagierte nicht. Also macht ich mich an der Tür zu schaffen, hoffentlich war ich irgendwo zumindest halbwegs in einer Tür stehengeblieben. Ich hatte Glück. Wenn ich mich hinlegte, schaffte ich es unter dem Türrahmen hindurch und kam so wieder frei. Kurz darauf fuhr auch der Fahrstuhl weiter, als ob nichts gewesen wäre, hielt und öffnete ganz normal die Tür. Aber ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, denn über Lautsprecher war eine Stimme auf dem ganzen Schiff zu hören, die ich noch nie zuvor gehört hatte. „Hier spricht Deckoffizier Gerd Miller. Wer zum Teufel hat einen Baum auf mein Schiff gepflanzt.“
Ohne mit noch irgendetwas Zeit zu verlieren, rannte ich zum großen Atrium. Und da stand jemand neben meinem Baum, in blauer Uniform. Der Kerl gehörte zweifelsfrei zu Mannschaft. Aurora kam auch gerade angelaufen. Der Mann schaute uns beide an, zeigte dann auf den Baum und fragte: „Wer war das?“ „Ich war das.“ kam es sofort aus meinem Mund. „Wer sind Sie?“ Ich stellte mich vor. Sein Blick ging nun auf Aurora über und fragte diese damit nonverbal die selbe Frage. Auch sie stellte sich vor. Gerd nickte. „Ist sonst noch jemand wach?“ Der Blick ruhte weiterhin auf der Frau. „Nur ich und er.“ antwortete sie daher knapp. „Wie lange sind wir noch unterwegs?“ Die Farge schien er eher an mich zu richten. „Noch 88 Jahre.“ erwiderte ich. Das schien der Mann in blau erst mal verarbeiten zu müssen. Wahrscheinlich war er eben erst aufgewacht. Ein Wunder, dass er überhaupt schon so gut bei Sinnen war. „Hyperschlaffehlfunktion. Es hieß, das können nicht passieren. Drei Leute, drei Kammerausfälle.“ Ich und Aurora wechselten einen vielsagenden Blick.
Danach ging er mit uns zusammen zur Brücke und öffnete die Tür mit seinem Armband. „Wenn Sie wüssten, wie lange ich versucht habe, da reinzukommen.“ Eine gewisse Vorfreude überkam mich. Überall hingen Bildschirme an den Wänden und jedes Tischdisplay war übersät mit Symbolen und Informationen. „Jetzt, wo Sie drin sind, fassen Sie hier ja nichts an.“ Die Worte waren deutlich, aber ich schaute mich erst mal in Ruhe hier im Raum um. „Ist das Ihr Arbeitsplatz?“ Gerd schüttelte den Kopf. „Nein, der der Flugmannschaft. Ich bin Deckoffizier.“ Auch er schaute sich im Raum um und murmelte vor sich hin. Offensichtlich überprüfte er, ob noch alles in Ordnung war.
Ich ging derweil an einen Bildschirm und erinnerte mich aber im letzten Moment, dass ich ja nichts anfassen sollte. Also ließ ich es lieber bleiben. Derweil gab der Deckoffizier seine Einschätzung ab. „Wenn ich das richtig sehe, sind wir noch auf Kurs. Also was immer mit dem Schiff nicht stimmt, die Navigation funktioniert einwandfrei.“ Aurora wirkte überrascht. „Es stimmt was nicht mit dem Schiff?“ Ich dachte mir schon so etwas, dafür passierte in letzter Zeit zu viel Merkwürdiges. „Drei Schlafkammerausfälle? Ja, da stimmt was nicht, die Frage ist nur was.“
Er trat an einen anderen Bildschirm. „Merkwürdig. Hier sollten Systemprotokolle aus dem ganzen Schiff angezeigt werden, aber es gibt keine Daten. Ich muss alle Systeme manuell checken.“ Er sprach dabei eher mit sich selbst, als mit uns. „Können wir das Schiff nicht wenden, zur Erde zurück.“ Jetzt wandte Gerd sich wieder uns zu. „Nein, wir fliegen mit halber Lichtgeschwindigkeit. Umkehren würde genau so lange dauern, wie weiterfliegen.“ „Aber es muss doch irgendwas geben, was wir tun können.“ Der Deckoffizier ging derweil durch den Raum zu eine Regal, in dem mehrere Leiterplatten mit Griff geschoben waren. „Tut mir leid, der Kurs bleibt, wir es ist.“ Er begann die Leiterplatten eine nach der anderen herauszuziehen. Auf einmal stützte er sich wie bei einem Schwächeanfall gegen die Wand. „Alles in Ordnung?“ Gerd atmete einmal tief durch. „Hyperschlafkater, hab ich jedes Mal.“
Dann ging er mit uns ins große Atrium. „Zwei Jahre.“ meinte er kopfschüttelnd, als wir den großen Raum betraten. „Gibt es noch mehr Bäume, von denen ich wissen sollte?“ Diese Frage richtete sich auf jeden Fall an mich. Noch bevor ich antworten konnte, schrie Aurora „Vorsicht!“ und schubste Gerd und mich zu Seite. Da, wo wir eben gestanden hatte, lag ein kaputter Putzroboter. Wieder einer, aber irgendwo heruntergefallen waren die bisher noch nicht. „Sowas ist noch nie passiert.“ Der Deckoffizier wirkte verwirrt.
Für mich war das nicht ganz so ungewöhnlich. „Die Roboter gehen dauernd kaputt. Mit dem hier sind es… 15?“ Bei der Zahl musste ich etwas überlegen, aber das müsste eigentlich stimmen. Gerd schaute fassungslos auf den kaputten kleinen Putzer. „15.“ murmelte er vor sich her. „Die Frühstücksbar spielt seit heute früh verrückt.“ offenbarte Aurora dann. „Ja, und ein Fahrstuhl.“ fügte ich hinzu. „Letzte Woche ging die Tür nicht mehr, ich war zwei Tage in meiner Kabine eingesperrt.“ Ich war überrascht. „Wirklich?“ Ihr Blick sagte deutlich, dass die Blondine da jetzt nicht drüber reden wollte.
Aber Gerd verlangte schon wieder nach Aufmerksamkeit. „Sowas ist nicht möglich, nicht auf diesem Schiff.“ meinte er und führte uns an eine bestimmte Stelle an der Wand. „Es gibt auf jedem Deck 16 von diesen Schaltzentren.“ erklärte er und ließ das Schaltzentrum aus der Wand herausfahren. Am hinteren Bereich gab es eine Schlitz. Da schob er nun eine seiner Leiterplatten hinein. „Module einschieben. Die Daten synchronisieren sich automatisch. Alles klar?“ Wir bejahten das beide. Er reichte Aurora eine seiner Leiterplatten „Sie nehmen Deck eins und zwei.“ Er reicht mir die Andere. „Sie nehmen Deck drei und vier. Ich gehe zum Hyperschlafdock und checke unsere Schlafkammern.“ Er schob die Schaltzentrale wieder zu und machte sich auf den Weg. „Das dürfte ja interessant werden.“ flüsterte Aurora mir zu und machte sich an die Arbeit.
Meine Arbeit war schnell erledigt, aber ich beeilte mich auch. Sobald ich fertig war, ging ich zu den Hyperschlafkammern. Gerd saß gerade vor Auroras offener Kammer. Er bemerkte mich. „Sollten Sie nicht ihren Kontrollgang machen?“ Ich stand wie angewurzelt da. In seinen Gedanken war zu spüren, dass er es mir übel nahm, was ich getan hatte. „Hab ich schon.“ Das wurde nicht weiter kommentiert. „Ich habe ihre Kammer überprüft. Das Problem ist schnell erklärt, der Chip der Uhr ist durchgebrannt. Das dürfte nicht passieren, ist aber recht simple. Meine ist komplizierter. Mehrere Systemausfälle, die alle gleichzeitig aufgetreten sind. Die verdammte Kiste ist durchgeknallt. Erklärt auch, warum mir so übel ist.“ Mühsam stemmte er sich hoch. Offensichtlich ging es ihm wirklich nicht besonders gut. „Aber Auroras Kammer... Das waren Sie.“ Ich bejahte das. Er kam nun zu mir herüber. „Und ich denk die ganze Zeit, was sie für ein Glückspilz sind, hier mit Aurora festzusitzen. Es war aber kein Glück, stimmts?“ Er schaute mir direkt in die Augen. „Nein.“ flüsterte ich beinahe. „Sie weiß es?“ „Sie weiß es.“ wurde das bestätigt. „Wie lange waren Sie allein?“ „Ein Jahr.“ Ich konnte spüren, wie er es verstand, was ich getan hatte, es aber gleichzeitig nicht gut hieß. „Trotzdem.“ meinte er daher. „Verdammt.“ In diesem Fluch steckte so viel drin. Meine schlimme Situation des Alleinseins. Die Tatsache, dass ich sie doch geweckt hatte. Aber irgendwie auch das Verständnis, warum ich das getan hatte. Ohne ein weitere Wort machte er sich auf den Weg zur Brücke. Wortlos gab ich ihm noch die Daten und ging dann meiner Wege.
Auf meinem Weg fand ich wieder einen kaputten Roboter. Er wurde mitgenommen und sollte Gerd gezeigt werden. „Mit dem hier sind es jetzt 16.“ erklärte ich, als ich eintrat. Sofort blieb ich stehen. Aurora stand vor dem Deckoffizier und aus dem, was noch in ihrem Köpfen vorging, war klar, was eben noch das Thema gewesen war, bevor ich hier dazwischen gefunkt hatte. Es war um mein Aufwecken von Aurora gegangen. Die Blondine sah aber nicht wirklich glücklich über den Ausgang der Diskussion aus, aber wahrscheinlich nur, weil ich sie unterbrochen hatte.
Bevor allerdings noch jemand was sagen konnte, begann Gerd zu husten. „Hey, alles ok? Sie sollten sich ausruhen.“ Der Deckoffizier nickte. „Aber nur ein paar Stunden und dann machen wir weiter, gleich morgen früh.“ Etwas schwerfällig verließ er die Brücke und ging zu seiner Kabine. Das taten ich und Aurora nun ebenfalls, also jeder in seine eigene natürlich.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 12:26

Ich war selbst überrascht, dass ich schlafen konnte, aber offensichtlich war der Tag aufregend genug gewesen, denn ich schlief tatsächlich ein. Wach wurde ich erst, als meine Bettdecke weg war. Verwirrt schaute ich mich um. Ich schwebte mitten im Raum, genauso wie andere Dinge. Die Schwerkraft war weg. Ich bekam Panik. Was sollte ich jetzt machen? Dann fiel ich über zwei Meter tief. Die Schwerkraft war wieder da. Oha, hier war wohl tatsächlich einiges nicht in Ordnung. Schnell zog ich mir etwas an und lief los, um die anderen zu suchen.
Auf dem Gang kam mir Aurora entgegen. „Ich war im Pool, als die Schwerkraft ausgefallen ist.“ Und das sagte sie so einfach, als ob ihr nur eine Vase aus der Hand gefallen wäre, aber in ihren Gedanken war noch die Todesangst und der hervorgerufene Schock zu spüren. „Bist du ok?“ fragte ich unnötigerweise, denn abgesehen davon, dass sie nass war, war nichts zu erkennen und rennen konnte sie offensichtlich auch. Aurora nickte nur und wir rannten gemeinsam weiter zu Gerds Kabine. Da hämmerten wir an die Tür, bis er endlich aufmachte.
Der hatte das wohl gar nicht mitbekommen. Wahrscheinlich war er nicht wie ich quer durch die Kabine geflogen, aber er hatte auch nur so eine kleine, wie ich damals, als ich aufgewacht war. Er ging sofort mit uns auf die Brücke, als wir ihm von dem Schwerkraftausfall erzählten. „Egal was das Problem ist, wenn die Schwerkraft ausfällt, läuft was gewaltig schief. Nicht gut.“ erklärte er, während er um den Tisch herumlief, über dem holografisch alle Probleme angezeigt wurden. „Jeder Ausfall ist ein durchgebrannter Prozessor. Alles an Bord denkt zu viel. Warum?“ Dann schien er plötzlich einen Einfall zu haben. „Computer, zeig mir alle Ausfälle im Zeitablauf.“ „Erstelle Zeitablauf.“ Und dann war eine neue Grafik über den Tisch zu sehen. Es sah aus wie ein Berghang. Und im Tal war ein riesiger Turm. Das war nur meine abstrakte Beschreibung, die genaue Erklärung hatte Gerd für uns. „Kaskadenfehler.“ Machte auch irgendwo Sinn. „Auslöser war eine Leistungsspitze vor zwei Jahren.“ Auf den riesigen Turm wurde gedeutet. „17 Ausfälle an einem Tag. Einschließlich Schlafkammer 1498.“ Ich horchte auf. „Das ist meine. Hat mich geweckt.“ Aurora schaute Gerd an. „Was war an dem Tag?“ Der stütze sich auf die Tischkante und schaute die Grafik an. „Etwas gewaltiges. Eines der Hauptsysteme ist abgestürzt. Die anderen Systeme versuchen die Last aufzufangen, aber die Last ist zu groß. Was auch immer die Ursache ist, wir müssen sie finden und beseitigen.“ Das klang logisch. Jetzt war nämlich auch eindeutig, was dieser Berghang war. Das waren die Systemausfälle und es wurden immer und immer mehr. Irgendwann würde hier wahrscheinlich alles zusammenbrechen. „Und wie schlimm kann das werden?“ wollte Aurora dann wissen.
Gerd schaute auf den Tisch und befahl. „Erstelle eine Risikoanalyse anhand dieser Daten.“ Die Grafik erweiterte sich. Der Berghang wurde deutlich größer. „Ein missionskritischer Ausfall droht. Bedrohte Systeme: Lebenserhaltung, Fusionsreaktor, Ionenantrieb…“ Die mechanische Frauenstimme sprach noch weiter. „Wir sind also gestrandet.“ fasste Aurora die Situation ganz gut zusammen. „Auf einem sinkenden Schiff.“
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 12:33

Gerd ging mit uns zum zentralen Maschinendeck. Wir traten aus dem Fahrstuhl auf eine Plattform hinaus und überblickten nun eine riesige Kammer. „Gibt nicht viel, dass groß genug wäre, das Schiff so zu schädigen.“ erklärte er uns gerade. „Ohne Diagnose müssen wir den Fehler finden.“ Ich schaute mich in dem riesigen Raum um. „Wo sollen wir nur anfangen?“ fragte ich, weil es einfach so unglaublich viel aussah, aber in dem Moment brach Gerd neben mir einfach zusammen.
Wir brachten ihn in die Krankenstadion und ließen ihn vom Autodoc durchchecken. Ich schaute auf den Bildschirm, nachdem der Scan abgeschlossen war und wartete auf das Ergebnis. Es wurden 612 Störungen angezeigt, die offenbar nicht so sein sollten. Ich schluckte und schaute den Deckoffizier an. „Und, was stimmt nicht mit mir?“ wollte dieser wissen. „Es sind mehrere Sachen.“ umschrieb ich das Ganze etwas. „612 Störungen gefunden.“ sagte der Autodoc nun. Schwerfällig stand Gerd auf. Ihm war anzusehen, dass er Schmerzen hatte. Aurora eilte sofort herzu, um ihm dabei zu helfen. „Wie ist die Prognose.“ fragte er nun selbst den Autodoc. „Kritische Diagnosen können nicht ohne einen anwesenden Arzt besprochen werden.“ Gerd zog ein genervtes Gesicht, hielt sein Armband vor den Bildschirm und meinte: „Befehl überschreiben. ID 2317. Schieß los, Doc.“ „Körperübergreifende Nekrose. Progressives Organversagen. Ursache unbekannt.“ lautete sogleich die Diagnose. „Meine alberne Schlafkammer ist die Ursache.“ Aurora blieb pragmatisch. „Wie sieht die Behandlung aus?“ Guter Gedanke, ich schöpfte Hoffnung. „Diverse Behandlungen sind möglich. Keine wird das Leben des Patienten entscheidend verlängern.“ Es herrschte eine drückende Stille. „Wie lange habe ich noch?“ Er sah erschüttert aus. „Der Sterbeprozess hat bereits begonnen. Diese Tabletten werden ihre Leiden in den letzten Stunden lindern.“ Bei einer Medikamentenausgabe kamen drei Tabletten heraus. Ohne ein weiteres Wort verließ Gerd schwerfällig die Krankenstation.
Wir folgten ihm auf den Gang hinaus. „Gerd?“ fragte Aurora vorsichtig. „Ich brauch nen Moment.“ sagte er schwerfällig und schlurfte weiter. Wir ließen ihn ziehen, wussten aber nicht so recht, was wir tun sollten.
Nach einiger Zeit gab es jedoch wieder Probleme. „Wir haben Schwierigkeiten mit der Flugbahn. Bitte begeben Sie sich zu Ihrer eigenen Sicherheit in Ihre Kabinen.“ hallte es durch jeden Gang. Mit Aurora rannte ich durch das Schiff, um Gerd zu finden, bis ich einfach über die Kameras nachschaute und ihn im Observatorium sitzen sah. Wir liefen zu ihm.
Er hatte sich in seinen vornehmsten Anzug gequält, zumindest sah er wirklich gut aus, abgesehen von dem schmerzverzerrten Gesicht und dem Leiden in seinen Augen. Seine Offiziersmütze lag auf seinem Schoß. „Ich hätte die verdammten Pillen nehmen sollen.“ waren sein ersten Worte. „Ich gehe sie holen.“ sagte ich sofort und wollte schon los eilen. „Nein… bleib bei mir.“ Das Reden schien anstrengend zu sein. „Hinsetzen.“ Schwerfällig und rasselnd holte er Luft. „Passt auf einander auf.“ Ich und Aurora schauten uns an, nicht ganz von der Aussage überzeugt. Er stöhnte und reichte mir dann sein Armband. „Meine ID. Damit kommt ihr überall rein… Repariert das Schiff… Findet das Problem.“ Mühsam schaute er zu Aurora hinüber. „Wie sehe ich aus?“ „Einfach prachtvoll.“ gab sie die ehrliche Antwort. „Die Ladys liebe Ausgehuniformen.“ Und das waren seine letzten Worte. Er lehnte sich an mich und starb noch in meinen Armen.
Komplett mit der Situation überfordert schaute ich erst Gerd und dann Aurora an. „Was machen wir jetzt?“ fragte sie mich nur. In dem Moment ging ein Ruck durch das Schiff und überall gingen Warnleuchten an. Wir erhoben uns. „Das sieht nicht gut aus.“ meinte ich überflüssigerweise. „Ich gehe zurück zum Maschinendeck.“ Der Fehler musst schnellstmöglich behoben werden, dass war jetzt klarer als zuvor. „Bekommst du das hin?“ fragte Aurora mich mit Panik in der Stimme. Im roten Licht der Warnleuchten sah sie noch verängstigter aus, aber wahrscheinlich war sie das auch. Ihre Emotionen sprachen jedenfalls dafür. „Ich brauche deine Hilfe.“ erwiderte ich nur wahrheitsgemäß. Allein sahen die Chancen deutlich schlechter aus. Die Blondine nickte nur und wir stürmten los.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 12:48

Als wir das große Atrium durchquerten setzte noch einmal kurz die Schwerkraft aus, aber zum Glück wirklich nur kurz, und so fielen wir nur aus etwas einem Meter Höhe wieder runter und nicht aus mehr. Wir mussten so schnell wie möglich das Problem finden, sonst… keine Ahnung was sonst alles passieren könnte. Als wir an der Bar vorbeiliefen sahen wir, wie Arthur völlig verrückt spielte. Er fuhr planlos hinter der Theke hin und her. Warf Gläser durch die Gegend und machte dabei allerhand kaputt. Wir eilten zu ihm. Ich sprang sofort über den Tresen und machte mich an seiner Steuerung zu schaffen. Ein Glück blieb er zumindest gerade stehen. Nach wenigen Sekunden hatte ich ihn abgeschaltet, aber er hatte schon einiges mitmachen müssen, aber darum würden wir uns später kümmern, wir liefen weiter zum Maschinendeck.
Der Raum war einfach so riesig. Von der Plattform hier oben hatte man wirklich einen schönen Überblick, aber das half leider nicht weiter. „Können wir nicht jemanden von der Mannschaft aufwecken?“ wollte Aurora bei diesem Anblick wissen. „Das dauert zu lange, bis die wieder fit sind. Die Zeit haben wir nicht.“ gab ich meine Einschätzung dazu ab. „Wonach suchen wir überhaupt?“ Das war schon schwerer zu beantworten. „Nach irgendwas kaputtem. Was gewaltigem. Los komm.“ meinte ich dazu und machte mich auf den Weg nach unten.
Wir schauten uns zuerst die Schaltzentren an. Die Ersten sahen aber alle ok aus? „Wo ist das Nächste?“ fragte ich, als wir das Vierte überprüft hatten. Aurora hatte die Karte auf ihrem Display, nach der wir systematisch vorgingen. „Der Reaktor.“ war ihre Antwort, nach einem kurzen Blick auf den Plan. „Da lang.“ Und stürmte in die gezeigte Richtung voran.
Ich wollte die Tür öffnen, aber sie ließ sich nicht öffnen. Der ganze Bereich war abgeriegelt. Ich versuchte es noch mal. „Da stimmt was nicht.“ murmelte ich vor mir hin. „`Stimmt was nicht´ suchen wir doch. Versuch sie zu öffnen.“ Stumm stimmte ich ihr zu und machte mich ans Werk.
Es war nicht weiter schwierig, schnell hatte ich die Sicherung überbrückt und die Tür öffnete sich. Ein Sog entstand und sofort wurde Aurora in den Raum gerissen. Ich schaffte es noch, mich festzuhalten. „Warnung, Druckabfall.“ kam eine laute mechanische Durchsage. „Verriegelung eingeleitet.“ Und schon begann sich die Tür wieder zu schließen. Ich handelte instinktiv und warf mich in die Tür, nur um mich an den von links und rechts kommenden Schiebetürblättern festzuhalten und sie mit meinem Körper dazwischen am Zugehen zu hindern. Ansonsten würde Aurora wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit tot sein. „Bitte alle Türen frei machen.“
Der Sog war so stark, dass ich praktisch waagerecht in der Tür hing. Ich sah, dass die Frau es geschafft hatte, sich irgendwo festzuhalten. Weiter hinten im Raum war ein Loch im Boden zu erkennen, durch das alles, was lose war, hinaus gesaugt wurde. Fieberhaft überlegte ich, was wir machen konnten und da fiel mein Blick auf das Display mit der Karte, welches Aurora zuvor noch in der Hand gehalten hatte. Die Dinger waren doch verdammt stabil gebaut. Hoffentlich reichte es aus um lang genug das Loch zumindest halbwegs zu verschließen. Groß genug müsste es dafür sein. Ich schaute zu Aurora hinüber, wie konnte ich ihr nur meinen Plan bestmöglich mitteilen.
Ich war Telepath, als los. Gedanklich schickte ich ihr kurz einen Gedankenstrom, von dem, was ich vorhatte und nickte dabei Richtung Display. „Fang es auf!“ rief ich ihr dann zu und versuchte es mit meinem Fuß von der Kante, an der es hing, wegzustoßen. Es dauerte einen Moment, weil es echt meine komplette Körperspanne brauchte. Das Display war frei und flog Richtung Loch. Aurora fing es ab und hielt es über dem Loch fest, damit es nicht seitlich durchrutschte, sondern bestmöglich den Durchgang verstopfte. Ich sprintete sofort, nachdem ich mich aus der sich schließenden Tür befreit hatte, zum gekennzeichneten Schrank und nahm einen für eben solche Fälle vorhandenen Gelsprüer und zielte aus kurzer Distanz auf das Display, um es mit dem Gel einzuschließen. Das klappte zum Glück auch. Das Gel wurde sofort hart und das Loch war verschlossen.
Keuchend setzten wir uns erst mal und freuten uns darüber, noch am Leben zu sein. „Kabinendruck normal. Sauerstoffniveau wieder hergestellt.“ kam nun auch netterweise die Durchsage. Es war also wirklich dicht. „Wir haben ein Loch… im Schiff.“ meinte Aurora schnaufend und sprach damit die Tatsachen aus.
Ich schaute mich im Raum um und entdeckte an einer Wand ein weiteres Loch, welches zum nächsten Raum führte. „Mehr als eins.“ berichtigte ich nach meiner Entdeckung und deutete darauf. Wir gingen in den nächsten Raum, um zu schauen, wohin denn die Lochspur führte. „Wie konnte das denn passieren, das Schiff sollte doch meteoritensicher sein.“ Das war zumindest die offizielle Aussage. „Einer ist wohl durchgekommen.“ erwiderte ich daher und schaute, wo es denn jetzt weiterging.
Im nächsten Raum war ein orangenes Licht, welches durch das Loch zum nächsten Raum strahlte. Ich öffnete die Tür und vor uns öffnete sich der Reaktorkontrollraum. Durch eine Scheibe konnte man den Reaktor sehen. Keine Ahnung, wie er normalerweise aussah, aber es war deutlich erkennbar, dass hier irgendwas nicht so war, wie es sein sollte. Ich schaute, wo die Lochspur als Nächstes hinführte. Puh und da war auch die Ursache aller Probleme. „Das hier hat uns vor zwei Jahren getroffen.“ erklärte ich und zeigte auf den Meteoriten, welcher in einer Wand steckte. „Nur ist er vorher leider noch durch den Reaktorkontrollcomputer geflogen.“ Ich schaute mir das Loch in dem Teil des Servers an. Jetzt machte alles Sinn. Die Last, den Reaktor zu kontrollieren, konnte nicht ewig vom restlichen Schiff getragen werden.
Aurora sah nicht begeistert aus. „Jim? Wie können wir das reparieren?“ Ängstlich schaute sie auf den kritisch aussehenden Reaktor. „Wir werden sterben.“ War ihr Einschätzung der Lage. „Es gibt Ersatzteile. Für alles!“ machte ich ihr klar. Sofort machten wir uns auf den Weg, um den zerstörten Teil des Servers zu ersetzen. Im Lager wurde ich schnell fündig, schließlich kannte ich mich da aus.
Sobald ich dann den Bauplan noch hatte, eilten wir zurück zum Reaktor. Zum Glück war es nur eine Steckverbindung, zur Sicherheit an wenigen Stellen verschraubt, also mussten wir nicht groß montieren, dafür hätten wir ohnehin nicht die Zeit gehabt. „Sobald ich das Modul herausziehe, fährt der ganze Computer runter.“ erklärte ich hektisch, während ich die Schrauben löste. „Und was passiert dann?“ kam als Rückfrage. Ehrlich gesagt, wollte ich mir das gar nicht so genau ausmalen. „Ich fahre ihn so schnell ich kann wieder hoch.“ war alles, was von mir dazu kam und ich zog das Modul heraus. Der Computer fuhr herunter, zum Reaktor schaute ich lieber gar nicht, sondern konzentrierte mich nur auf das Wechseln des Moduls. Aurora riskierte aber offenbar einen Blick und wirkte nicht glücklich darüber. „Schneller.“ war ihre Anweisung und sie packte das neue Modul, um es mir zu reichen. Ich nahm es entgegen und steckte es ein. Die Schrauben zog ich erst mal nur provisorisch fest, damit es nicht wieder herausfiel, aber eigentlich hielt es sich auch von allein. „Kontrollcomputer wieder hergestellt.“ kam laut als Durchsage. Das klang doch schon mal gut. „Leite Druckausgleich ein.“
Ein Schlag ging durch den Raum. Ich stand inzwischen an dem Pult mit allen interessanten Daten. „Druckausgleich fehlgeschlagen. Manueller Eingriff erforderlich.“ Das Symbol eines Hebels tauchte auf, ich schaute mich im Raum um und entdeckte ihn. Sofort rannte ich zu ihm, betätigte den Hebel und es passierte… nichts. „Druckausgleichsfehler.“ Kam nur als Ansage. „Mach schon!“ schrie ich den Bildschirm vor mir an. Ich betätigte den Hebel erneut. „Außenluke reagiert nicht.“ kam jetzt als Erklärung.
Auf dem Bildschirm erschien ein Bild von der Außenluke und wo sie sich befand. „Was bedeutet das?“ Das war nicht weiter schwer zu erklären. „Wir müssen die Luke aufkriegen, den Reaktor kühlen, sonst fliegt das ganze Schiff in die Luft.“ „Wie?“ fragte Aurora überfordert, aber ich wusste, was das bedeutete. „Ich muss da raus. Ich muss sie von außen aufkriegen.“
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 13:02

Ich ging in den Raum mit den Raumfahrtanzügen. In einem der Schränke gab es Funkgeräte. Darüber konnten wir uns auch weiterhin unterhalten. Wo ich hin musste, hatte ich mir vorher schon genau angesehen. Ich erklärte Aurora kurz, wie die Funkgeräte funktionierten und beschrieb dann unser Vorgehen. Ich würde die Luke öffnen, in Deckung gehen und Aurora würde drinnen den Hebel betätigen und das Feuer ins All schießen. „Was passiert mit dir, wenn die Luke aufgeht?“ fragte sie dann aber noch einmal genauer nach. Die Blondine machte sich wirklich Sorgen um mich, aber ich hatte gerade zu viele andere Probleme, um mir über unser Verhältnis Gedanken zu machen. Von ihrer Frage angeregt, schaute ich mich im Raum um und mein Blick fiel auf die verstärkten Türen, hinter denen die Funkgeräte waren. Ich schnappte mein Werkzeug und schnitt einfach das Scharnier durch. Triumphierend hielt ich meinen `Schild´ in die Höhe. Der Griff war perfekt, um die Tür wirklich wie einen Schild vor mich zu halten. Sie wirkte nicht davon überzeugt, wusste aber nicht, was sie sagen sollte, also wandte ich mich dem Raumanzug zu. Bevor ich hineinschlüpfte, gab ich Aurora aber noch Gerds Armband. „Hier, das brauchst du vielleicht.“ Es war schon fast, als ob ich mein Todesurteil antrat, zumindest war die Stimmung so.
Als ich in die Schleuse trat, probierte die Zurückgelassene gleich mal das Funkgerät aus. „Jim?“ Ich drehte mich um. „Komm zu mir zurück. Ich kann auf dem Schiff nicht leben ohne dich.“ Diese Worte waren unglaublich schön, aber sie änderten nichts, an dem, was mir bevorstand. Ich sah sie nur an, bis sich die Tür schloss und ich die Tür zum Weltall öffnen konnte. Und so machte ich mich auf den Weg, an der Außenseite des Schiffes entlang. Auf einmal hörte ich Aurora durch das Funkgerät schreien. Ich fragte nach, aber sie meinte, das alles gut war, wahrscheinlich wollte sie mich nur nicht weiter belasten.
Ich kam an dem Tunnel zur Luke an. Ein neues Sicherungsseil wurde an meinem Anzug befestigt und ich schwebte auf die Luke zu. Über das Funkgerät hörte ich die ganze Zeit das Warnungsgequatsche der mechanischen Frauenstimme. Gelegentlich war auch ein leises Wimmern von Aurora zu hören, aber ich fragte nicht mehr weiter nach. „Wo bist du?“ fragt sie genau in dem Moment, als ich die Luke erreicht hatte. „Ich bin da.“ antwortete ich nur knapp und machte mich daran, das Ding zu öffnen. „Ich bin bereit, sag einfach wann.“ erwiderte sie kämpferisch.
Ich betätigte den Hebel zum Öffnen der Luke, aber es passierte nichts. „Die Luke geht nicht auf, ich muss es anders machen.“ teilte ich über das Funkgerät kurz mit. Innerlich fluchte ich. Konnte das hier nicht einfach glatt laufen und fertig? Aber es nützte nichts. Ich demontierte die Abdeckung und machte mich ans Werk. „Jim, schnell, bitte beeil dich.“ Keine Ahnung, was da drin abging, aber es war sicherlich nicht beruhigend. Im Hintergrund warnte immer noch die Frauenstimme vor ständig irgend etwas Neuem. „Ok, ich versuche es noch mal.“ Ich steckte eines der Werkzeuge in die Hebelvorrichtung und drehte sie. Die Luke öffnete sich. „Sag, wenn du da raus bist.“ kam derweil die Anweisung. Ich zog mein Werkzeug wieder aus der Vorrichtung, die Tür schloss sich. Ich fluchte leise. Beim nächsten Versuch lies ich das Werkzeug einfach dran, aber es kam zum selben Ergebnis. Sobald ich losließ, ging alles in Ausgangsstellung zurück und die Tür ging wieder zu. „Nein!“ schrie ich, weil mir klar war, was das bedeutete. „Was ist denn los?“ kam sofort die Frage. „Die Luke bleibt nicht offen. Ich glaube, ich muss hier bleiben und die Luke aufhalten.“ Es klang wie Selbstmord, aber mir viel nichts anderes ein. Den Hebel irgendwie zu verklemmen ging leider nicht. „Was? Nein! Auf keinen Fall. Komm da raus!“ hörte ich derweil von der anderen Seite. Ich schloss einen Moment die Augen, atmete tief durch, sagte „Kann ich nicht.“ und aktivierte meine Magnetstiefel. Ich bezog Position an der Seite des Mechanismus. „Keine Zeit mehr.“
Ich öffnete die Tür, ließ diesmal aber nicht los und die Luke blieb offen. „Entlüfte den Reaktor.“ befahl ich und kauerte mich, so gut es ging, hinter die Tür, welche mich im Großen und Ganzen tatsächlich schützen müsste. „Nein, du verstehst nicht. Wenn ich die Luke jetzt öffne, stirbst du.“ Ich hoffte es natürlich nicht, aber genau das waren auch meine Gedanken, aber wir hatten keine Wahl. Hier ging es schließlich nicht nur um uns. „Ich hoffe nicht.“ brachte ich daher meinen Optimismus zum Ausdruck. „Komm zurück, uns fällt was anderes ein. „Es gibt nichts anderes.“ Aber offenbar wollte Aurora noch nicht aufgeben. „Du hast nicht gesagt, dass dir was passieren kann.“ „Aurora, das hier hält nicht mehr lange.“ „Das ist mir egal. Stirbst du, sterbe ich.“ schrie sie mir ins Ohr. Das klang zwar nett gemeint, aber wie gesagte, es ging hier nicht nur um uns. „Es sind noch 5000 andere Menschen an Bord. Wir müssen das tun.“ Klar hatte ich da keine Lust drauf, aber ich und Aurora waren die einzigen Wesen, die all die Unschuldigen retten konnte, und vielleicht würde ich ja auch nicht sterben. Vielleicht. „Tu es. Jetzt!“ versuchte ich Aurora noch einmal zu überzeugen. Ich konnte über Funk praktisch hören, wie sie mit sich rang. Das war mit Sicherheit wirklich eine schwere Entscheidung, aber es gab eigentlich nur einen Weg, der möglich war.
Ein Schrei der Überwindung war zu hören und der Tunnel wurde leuchtend hell. Ich versuchte mich noch mehr hinter meinem Türschild zu verkriechen, als mich die Hitze traf. Wenn ich meine Magnetstiefel nicht gehabt hätte, wäre ich sofort weggerissen worden. So konnte ich immerhin hocken bleiben, musste mich dennoch mit aller Machte gegen die Strömung stemmen, um nicht mitgerissen zu werden oder gar meinen Schild zu verlieren. Beides würde wahrscheinlich meinen sofortigen Tod bedeuten.
Doch dann war es leider doch zu viel. Was genau die Ursache war, keine Ahnung, meine Stiefel rutschten weg und ich wurde nach hinten und aus dem Tunnel geschleudert. Ich flog ein ganzes Stück, bis ein heftiger Ruck mich bremste. Das Sicherungsseil! Aber mein Flug wurde nur gebremst, nicht gestoppt. Das bedeutete, dass es abgerissen war. Ich segelte ohne Ankerpunkt auf das Triebwerk zu. Sobald ich da hineingeraten sollte, war es mit Sicherheit vorbei. Aber einen Trumpf hatte ich noch. Ich schleuderte die Tür nach vorn. Das Reichte aus, um mich in die andere Richtung fliegen zu lassen. Die Tür verdampfte sofort im Feuer des Triebwerks. Und ich, tja ich flog jetzt halt in eine andere Richtung, aber leider nicht wieder zum Schiff zurück. Verdammt, fast hätte es geklappt. Hatte das mit dem Druckausgleich eigentlich funktioniert?
Ich hörte auf den Funk. Aurora rief nach mir. „Anzugdruck fällt ab.“ hörte ich dann aber noch eine andere Stimme sagen. Ich schaute an meinem Anzug entlang und fand die Ursache der Aussage. Mein Anzug hatte ein Leck. Es würde nicht mehr lange dauern und es war vorbei mit mir. Ich ging nun auf Aurora ein. „Es hat funktioniert.“ sagte sie überglücklich darüber, dass ich etwas gesagt hatte. „Komm zurück.“ Ich zögerte. „Ähm, ja, was das angeht…“ Aurora ließ mich nicht ausreden. „Was ist denn, bist du verletzt?“ Hach ja, wenn es nur das wäre. „Ich wurde aus der Schleuse katapultiert. Das Seil ist gerissen. Ich komme nicht zurück aufs Schiff.“ Aber auch hier gab die Frau nicht so leicht auf. „Nein, ich komm raus und zieh sich rein.“ Wie es klang, stürmte sie auch sofort los.
Währenddessen erzählte mir die Dame vom Anzug wiedermal wichtige Informationen. „Achtung. Sauerstoffniveau kritisch. Kehren Sie umgehend zum Schiff zurück.“ Es hätte lustig sein können, wenn es nicht so traurig gewesen wäre. Ihrer Aufforderung wäre ich nur zu gern nachgekommen, aber das ging leider nicht. Währenddessen nutzte ich die Zeit, um meine letzten Worte an meine Liebe zu richten. „Aurora, es tut mir leid… Verzeih mir.“ Ich meinte es so aufrichtig, wie es nur irgend ging. „Halt die Klappe, ich komme.“ war alles, war ich als Antwort bekam, aber ich hatte bereits mit meinem Leben abgeschlossen. Wie sollte sie es noch früh genug schaffen, mich wieder hereinzuholen?
Inzwischen redete ich weiter, um noch alle meine Gedanken loszuwerden, auch, wenn das Denken mir zunehmend schwerer fiel. „Ich wünschte, wir hätten uns in 90 Jahren kennengelernt. Ich hätte dir ein Haus gebaut. Ich hätte dein Buch gelesen. Die Vorstellung ist wunderbar.“ Und dann driftete ich ins Nichts ab.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 13:05

Luft erfüllte meine Lungen. Ich atmete. Ich lebte! Aber wieso? Ein Schatten kam über mich und dann war es mit dem Atmen auch schon wieder vorbei. Lippen drückten sich auf meinen Mund und ich erkannte jetzt Aurora über mir. Ich war in der Krankenstadion. „Du hast mich zurückgeholt.“ flüsterte ich, sobald mir das möglich war. Mit Tränen in den Augen und einem überglücklichen Lächeln hockte die Blondine über mir und nickte eifrig. „Ja.“ flüsterte sie zurück. Dann klebten unser Lippen auch schon wieder aneinander.
Dann erzählte sie mir, was passiert war. Auch Aurora war nicht verletzungsfrei durchgekommen. Offenbar war im Reaktorkontrollraum einiges instabil geworden, weil der Druck des Reaktors zu groß geworden war und so hatte sich eine Niete in ihren Oberarm gebohrt, welches sie noch an Ort und Stelle wieder herausgezogen hatte. Daher kam wahrscheinlich der Schrei, den ich über Funk gehört hatte.
Mit dem Öffnen der Luke hatte sich der Reaktor dann wieder stabilisiert und ich hatte Aurora mitgeteilt, was passiert war. Die Frau war dann quer durchs Schiff gerannt, war in den Raumanzug geschlüpft und kam nach draußen. Über Computer hatte sie mich dann orten lassen und war zu mir geflogen, aber das Seil war zu kurz gewesen. Aber zum Glück hing an meinem Anzug noch der Überrest des abgerissenen Seils und das bekam sie zu fassen und zog mich daran zurück. Dann war ich bis zur Krankenstadtion geschleift worden und danke der Überschreibungstaktik von Gerd war auch ohne einen anwesenden Arzt eine Reanimation durchgeführt worden. So war ich ins Leben zurückgekehrt.
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 13:10

Danach machten wir uns ans Aufräumen. Ich hatte viiiel zum Reparieren und Aurora kümmerte sie zum Beispiel darum, dass die Bar und Arthur wieder einigermaßen gut aussahen. Der Arme hatte ganz schön gelitten, als bei ihm alles durchgedreht war, aber das hatte ich richten können. Gerd `bestatteten´ wir im Weltall. Ich stand mit Raumanzug in der Schleuse, während seine Leiche in Ausgehuniform am Boden lag. Als ich die Außentür öffnete, flog er ins All hinaus. Wir mussten ihm dankbar sein, genau so wie alle anderen auf diesem Schiff. Aber hier konnten wir ihn ja nicht beerdigen und ihn irgendwo 88 Jahre lag aufzubewahren, erschien uns auch nicht so die beste Lösung, also machten wir es halt so.
Dank des Armbandes von Gerd, hatten wir jetzt auch viel mehr Möglichkeiten. Und so fand ich noch etwas Interessantes heraus, was mir zuvor verwehrt geblieben war. Und das zeigte ich natürlich sofort Aurora. So brachte ich sie in die Krankenstation und ging zum Autodoc. „Im Kommandomodus hat der Autodoc eine Option mit der Bezeichnung: Stabilisieren und Aussetzen. Das setzt die Stoffwechselaktivität aus.“ Aurora schaute mich verwirrt an. „Und was heißt das?“ Ich erklärte es ihr. „Mit Gerds ID kann man den Autodoc umfunktionieren zu einer Hyperschlafkammer und man könnte wieder einschlafen.“ Es herrschte einige Sekunden Stille. „Aber es gibt nur einen Autodoc.“ Ich stellte mich ihr gegenüber und schaute tief in ihre Augen, um jedes Wort, dass ich nun sagte, zu unterstreichen. „Ja. Und du wirst dich da reinlegen und einschlafen. Und du wirst auf Coreland II aufwachen und du schreibst dein Buch. Du bringst dein Reise zu Ende und tust das, was du dir vorgenommen hattest.“ Ich hatte die Chance bekommen, meinen Fehler wieder gut zu machen. „Dann wärst du allein.“ war ihr Antwort. Ihre Gefühle konnte ich kaum auseinanderhalten. Es war einfach alles auf einmal. Glück und Hoffnung. Trauer und Verlust. Liebe und Sehnsucht. Und noch so viel mehr, das man es niemals würde beschreiben können. „Ich war schon mal allein. Ich schaff das.“ Dabei füllten sich meine Augen mit Tränen. „Aber dann werde ich dich nie wieder sehen.“ Auch ihre Augen wurden feucht. Ein Schmunzeln entstand auf meinem Gesicht. „Ich komm und besuche dich.“ Ich spürte und hörte, wie sie innerlich mit sich selbst kämpfte.
Am Ende entschied sich Aurora aber für das Wachbleiben. Ich musste also nicht allein sein. Damit waren wir, glaube ich, beide glücklich. Und ich konnte ihr endlich meinen Ringe geben, den ich vor einer gefühlten Ewigkeit schon für sie bebaut hatte und machte ihr einen Antrag. Meine zukünftige Frau lachte darüber nur und meinte „Ich dachte schon, du fragst nie.“
Ich beende diese Geschichte nun lieber mit Auroras Worten, da sie besser schreiben kann als ich:
„Wir sind auf der Reise verloren gegangen, aber wir haben uns gefunden. Und wir lebten unser Leben, ein wundervolles Leben. Gemeinsam!“

ENDE
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BeitragThema: Re: Zu zweit allein   Zu zweit allein EmptySo 14 Mai 2023 - 13:18

Nachwort

Diese Geschichte basiert fast ausschließlich auf dem Film `Passangers´ (2016). Für mich war es ein Experiment, um das Schreiben in der Ich-Form zu üben. Um es besser darstellen zu können, habe ich Jim zu einem Telepathen unter Vorlage der Regularien von Dallas bei Nacht gemacht, um manche Situationen besser darstellen zu können.
Ich möchte mich ganz herzlich bei dem Team von Dallas bei Nacht bedanken, welche mir diese Welt aufgezeigt und erklärt haben und auf Ihrer Plattform die Umsetzung solcher Projekte auch möglich ist.
Jeden Leser würde ich um Feedback jeglicher Art bitten, um meine eigenen Schreibfähigkeiten weiter verbessern zu können. Vielen Dank!
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